Symbolbild - Ein Mann sucht in einem öffentlichen Mülleimer nach Pfandflaschen. (Bild: imago-images/Dirk Sattler)
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Berlin und Brandenburg - Wer ohne Abschluss ist, ist besonders armutsgefährdet

Die Schule geschmissen, die Lehre abgebrochen: Wer keinen Abschluss hat, der oder dem droht später das Abrutschen in die Armut -  deutlich häufiger als bei Menschen mit einem Abschluss. Neue Zahlen für Berlin und Brandenburg belegen das eindrücklich.

Mehr als 40 Prozent der Geringqualifizierten in der Hauptstadtregion sind nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg armutsgefährdet.

Bei den 25- bis unter 65-Jährigen waren 2019 in Berlin 44,8 Prozent der Menschen mit einem niedrigen Bildungsabschluss von Armut bedroht. In Brandenburg lag dieser Wert demnach mit 40,8 Prozent nur geringfügig niedriger, teilte die Statistikbehörde am Dienstag in Potsdam mit. Als geringqualifiziert gelten Personen ohne Berufsabschluss.

Deutliche Unterschiede zu höher Qualifizierten

Bei einem mittleren Abschluss lagen die Armutsgefährdungsquoten mit 15,9 Prozent (Berlin) und 12,2 Prozent deutlich geringer. Lag ein hoher Bildungsabschluss vor, reduzierte sich die Quote auf 7,6 Prozent (Berlin) beziehungsweise 5,3 Prozent (Brandenburg). Ein hohes Qualifikationsniveau hat, wer mindestens einen Abschluss an einer Hochschule, Fachhochschule oder Berufsakademie vorweisen kann oder eine Meisterausbildung oder gleichwertige Fachschulausbildung absolviert hat.

Die Armutsgefährdungsquote bezeichnet den Anteil der Bevölkerung, dessen bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen geringer als die Armutsgefährdungsschwelle ist. Diese lag 2019 für einen Ein-Personen-Haushalt in Berlin bei 1.042 Euro und im Land Brandenburg bei 1.030 Euro.

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15 Kommentare

  1. 15.

    Kein Wunder bei diesem Bildungssysthem.
    So etwas kommt dabei raus wenn die deutschen Kleinstaaten ihr eigenes Bildungssüppchen kochen.

  2. 14.

    Warum eigentlich ist der Anteil von Menschen ohne Ausbildung und Bildung in Berlin so unglaublich hoch???
    Woran liegt es?
    Sie schreiben: "Die Armutsgefährdungsquote bezeichnet den Anteil der Bevölkerung, dessen bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen geringer als die Armutsgefährdungsschwelle ist. Diese lag 2019 für einen Ein-Personen-Haushalt in Berlin bei 1.042 Euro und im Land Brandenburg bei 1.030 Euro."
    Ich denke, daß ein Mensch von 1042 Euro gut leben kann. Ich kann, wenn ich nicht arbeiten will oder kann, mit anderen eine Wohnung teilen. Dann kann ich mit diesem sogar gut auskommen. Ich verstehe gar nicht, warum ich damit an der Armutsgrenze bin.
    Und noch etwas: Es sind zwölf Euro Unterschied zu Brandenburg. Also gibt es keinen nennenswerten Einkommensunterschied mehr. Super.

  3. 12.

    Ja, die Bundesregierung muss dazu dringend etwas unternehmen, aber keinesfalls solche irrealen Wunschvorstellungen von Maik Kretschmar in Erwägung ziehen und beschließen. Auch wirtschaftlich benachteiligte junge Menschen können lernen und arbeiten, und sollten es auch unbedingt tun. Es fehlt etlichen einfach der Wille, aus seinem Leben etwas vernünftiges zu machen. Rechte und Pflichten sind auch bei uns eine Einheit. Außer z.B. Wände und Schilder im öffentlichen Raum zu beschmieren und rumzuhängen, kann man auch für die Gesellschaft eine nützliche Tätigkeit ausüben.

  4. 11.

    Ja, das übliche mimimi. Der Staat ist Schuld und überhaupt alle anderen. Aber niemals die Eltern oder ich selbst. Verantwortung für die Kinder oder Eigenverantwortung ist ja völlig aus der Mode.
    Wenn es dem/der Schüler*in nicht gegeben ist einen Abschluss zu machen, dann ist das so. Wenn er/sie Glück hat und sich fängt, kann man den Abschluß und eine Ausbildung einige Jahre später nachholen. Aber generell stellt der Staat die Bildung zur Verfügung und "zwingt" über die Schulpflicht die Kinder sogar in die Schule.
    Wenn natürlich schon in der Grundschule das Niveau durch nicht-deutschsprechende Kinder soweit heruntergezogen wird, muss man sich am Ende des Tages nicht wundern, wenn bei vielen Schülern bereits die Grundlagen fehlen. Aber Alternativen anzubieten ist dann ja wieder nicht pc.
    @#1: Ein verbindlicher Mindestabschluss der dann was aussagt? Es gibt definierte Standards. Wenn man die nicht erreicht, hat man eben keinen Abschluss.

  5. 10.

    Und wie soll der aussehen? Ein Schulabschluss für Anwesenheit? Dabei ist das wahrscheinlich nicht mal der Fall, da ja oft die Schule geschwänzt wird. Also dann ein Abschluss für erfolgreiches Atmen bis zum 16. Lebensjahr! Mal im Ernst, so ein Abschluss soll ja eine Qualifikationsstufe darstellen, den bekommt man ja mit Absicht und gutem Grund nicht fürs Existieren, sondern für erbrachte Leistung. Genau damit die Gesellschaft eben eine Möglichkeit hat sich zu orientieren. Ein Abschluss für alle komplett unabhängig von Leistung wäre überhaupt nichts Wert, weil er eben nicht mehr aussagt als vielleicht das Alter der betroffenen Person.

  6. 9.

    Bei allem Verständnis, dann ist wohl auch der Staat verantwortlich, wenn Kinder zwischen Bierbüchsen und Aschenbechern aufwachsen? Es ist sehr einfach, die Schuld bei anderen zu suchen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Erziehung ist ja wohl Sache der Eltern. Das fängt schon bei kleinen Kindern an, die sich im Supermarkt schreiend hinschmeißen, wenn es keinen Lobby gibt. Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit. Wer gut leben will, muss erst gut lernen und später gut arbeiten. Von nix kommt nix.

  7. 8.

    Ich glaube schon. Es ist bestimmt uncool, wenn man mit Hartz IV statt zu Hause vorm PC oder Fernseher abzuhängen, draußen Gehwege und Spielplätze reinigen muss. Und wer nicht bereit ist in irgendeiner Weise eine Gegenleistung zu bringen, Gesundheit vorausgesetzt, der sollte weniger Leistungen erhalten. Es ist auch nicht nachvollziehbar warum die jungen Erwachsenen eine Wohnung bezahlt bekommen, betreutes Wohnen scheint da doch wesentlich angebrachter.

  8. 7.

    Lach. Und das soll einen Schulschwänzer, der dann irgendwann zum Abbrecher wird, tatsächlich während seiner Schulpflicht beeindrucken?

  9. 5.

    Und was soll der Staat nach ihrer Ansicht mit den Faulenzern und Schulverweigerern machen? In der Schule inhaftieren?

    Es wird immer Menschen geben die mehr verdienen weil sie mehr leisten. Andere können nur wenig leisten oder wollen es überhaupt nicht - die haben dann weniger!

  10. 4.

    Vor 40 Jahren gab es wenigstens genau so viele Arbeitsplätze die von Hilfskräften erledigt wurden wie heute. Diese Hilfsarbeiter hatten sich über Leistung in die Mittelschicht hoch gearbeitet. Wer gute Leistung gebracht hatte der war ganz einfach gefragt, der konnte damit gutes Geld verdienen. Leistung wird heute nur noch bezahlt, wenn Du auf dem Papier nachweisen kannst, dass Du dafür in Frage kommst. Ob es letztendlich auch so ist?? Diese Machenschaften kannte man damals von der Zeitarbeit. Da hatte man damals die Menschen gerne bei der Gehalts-Findung mit unter Druck gesetzt. Hast nichts gelernt, dich will doch keiner, bei uns kriegst du 8 DM die Stunde. Da haben die sich bis an die Börse mit gelogen. Heute ist es genau anders rum. Zeitarbeit, eine Erfindung aus den USA, da halten deutsche Gewerkschaften bis heute dran fest. Finden alle Toll. Die Senatorin für Gesundheit will das abschaffen, in der Pflege. Machen, machen, machen!!! Super Idee.

  11. 3.

    Ach ja, der böse Staat ist wieder schuld, wenn Eltern ihre Erziehungsaufgaben vernachlässigen. Wenn Eigenverantwortung nicht mehr modern ist. Was für Druckmittel haben Sie sich vorgestellt?

    Wir haben eine Schulpflicht und ab und zu greifen die Behörden auch durch.
    Fehlen allerdings die Grundvoraussetzung des Elternhauses, dann ist der Staat weitgehend machtlos.
    Vor Jahrzehnten wurde der Grundstein für die heutige Situation gelegt. Selbst Ungelernte und Schulabbrecher bekamen damals einen Job. Also war ein Abschluss doch auch nicht wichtig. Dachten diese Leute. Diese Zeiten sind vorbei und Abbrecher fallen als erstes in die Armut. Tja.

  12. 2.

    "Wer keinen Abschluss hat, der oder dem droht später das Abrutschen in die Armut - "

    Hat der Verfasser auch die Schule geschmissen? Der oder dem? Es heißt immer noch dem.

  13. 1.

    Schuld ist der Staat, der es ueberhaupt zulaesst, dass Schueler die Schulen ohne Abschluss verlassen duerfen.

    Das darf einfach nicht sein und die Gesetze muessen derart angepasst werden, dass ein verbindlicher Mindest-Abschluss vorliegt, wenn der Schueler die Schule verlaesst.

    Es ist weder im Interesse der Gesellschaft noch im Interesse des betroffenen Schuelers, wenn der nach 16 Jahren Schule ohne Abschluss dasteht. Das darf einfach nicht sein und der Staat muss alles dafuer tun, dass die Zahl der Schueler ohne Schulabschluss abnimmt.

    Bildung ist der Schluessel fuer die Teilnahme an Gesellschaft und Arbeitsleben.

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