Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App <<Nina>> des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf einem Smartphone vor einem Hinweis auf den <<Warntag 2020>> am 10. September. Mit der App kann die Bevölkerung direkt vor Gefahrenlagen gewarnt werden. Die Nutzer erhalten per Push-Nachricht Informationen zu aktuellen Gefahren und Verhaltenshinweise direkt auf das Handy. Die Orte, für die man Warnungen erhalten möchte, können festgelegt werden. (Quelle: dpa/J. Kalaene)
Video: Abendschau | 10.09.2020 | Rainer Unruh | Bild: dpa/J. Kalaene

Zahlreiche technische Pannen - Bundesinnenministerium spricht nach "Warntag" von Fehlschlag

Entweder kamen App-Warnungen viel zu spät oder gar nicht: Auch in Berlin und Brandenburg verlief der erste bundesweite "Warntag" alles andere als reibungslos. Das Bundesinnenministerium kommt jetzt zu einem schonungslosen Fazit.

Mit einem Probealarm haben die Behörden am Donnerstag in ganz Deutschland den Ernstfall testen wollen. Doch der erste bundesweite Warntag verlief - auch in Berlin und Brandenburg - äußerst holprig.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) verbreitete am Donnerstagvormittag eine amtliche Gefahrenmeldung, allerdings etwa eine halbe Stunde später als geplant. Rund zehn Minuten später folgte die Probeentwarnung. BBK-Präsident Christoph Unger räumte Defizite ein, das Bundesinnenministerium bezeichnete den Probealarm gar als "fehlgeschlagen".

Vorgänge werden "umfassend aufgearbeitet"

Unger macht verschiedene Leitstellen dafür verantwortlich, dass die Warn-Apps die Warnungen nicht rechtzeitig erhalten hätten. "Sie haben sich nicht an die Absprachen gehalten", sagte er im Südwestrundfunk. Geplant sei gewesen, dass das Bundesamt die Warn-Apps allein von Bonn aus bediene und nicht etwa die Bundesländer oder Kommunen. Fast zeitgleich seien aber etwa 30 andere Warnmeldungen rausgegangen. "Das hat das System nicht verkraftet."

Noch deutlicher wurde das Bundesinnenministerium: "Die Auslösung des Probealarms am heutigen Warntag 2020 ist aufgrund eines technischen Problems fehlgeschlagen", hieß es aus der Behörde. Die Vorgänge würden "umfassend aufgearbeitet" und die Erkenntnisse bei der weiteren Entwicklung des Warnsystems berücksichtigt.

Apps haben nicht funktioniert

Besonders die Warn-App "Nina" blieb bei vielen Nutzern still. Die für 11 Uhr angekündigte Warnmeldung erschien zunächst nicht. Die App "KatWarn" gab in zahlreichen Fällen gar keine Warnung - und auch keine Entwarnung - ab.

Beide Apps sollen Nutzer vor Gefahren warnen - am Donnerstagvormittag sollte sie einen Probealarm übermitteln. Die Berliner Innenverwaltung wies via Twitter darauf hin, auf die Auslösung der Warnung per Nina-App keinen Einfluss gehabt zu haben.

In Brandenburg heulten Sirenen

Weniger problematisch verlief offenbar der Test der Sirenen, von denen es in Berlin jedoch keine gibt. In Frankfurt (Oder) oder Cottbus beispielweise waren die Signale um 11 Uhr zu hören, wie Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichteten. Auch in Potsdam wurde es in einigen Ecken laut. So berichteten Anwohner, im Stadtteil Bornstedt eine laute Sirene gehört zu haben - die Sirenen waren aber laut dpa nicht überall in der Stadt zu hören. Nach Angaben der Stadt sollten insgesamt 17 Sirenen ertönen. In Brandenburg gibt es nach Angaben des Innenministeriums rund 2.250 Sirenen.

Erstmals seit der Wiedervereinigung war zwischen 11:00 und 11:20 Uhr der bundesweite Probealarm ausgelöst worden. Der sogenannte Warntag sollte als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie schwere Unwetter, Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge dienen.

Ein Muaszeiger fährt auf einem Computer der Leitstelle Lausitz über den Sirenen-Probe-Button (Foto: rbb/Mastow)
Der Sirenen Probe-Knopf der Leitstelle Lausitz. | Bild: rbb/Mastiw

Apps könn(t)en mehr Informationen liefern

Sirenen gelten vor allem nachts als zuverlässiges Warnmittel. Ihr Heulton holt die Menschen aus dem Schlaf, wenn Fernseher, Radio und Handy ausgeschaltet sind. Das System hat aber auch Schwächen: Sirenen können nur signalisieren, dass Gefahr im Verzug ist - aber nicht welche. Über Lautsprecherfahrzeuge kann man die Bevölkerung konkreter warnen. Über die Warn-App Nina - die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes - kommt die Warnung auf das Handy. Berlin empfiehlt außerdem die Warn-App Katwarn.

Nina wurde vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn entwickelt und ist mit dem sogenannten Modularen Warnsystem verknüpft. Das ist das satellitengestützte Warnsystem des Bundes, das Warnungen des BBK und lokale Warnungen der Leitstellen verbreitet. Nina empfängt aber auch Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserwarnungen.

Katwarn ist laut dem Berliner Senat ein "ergänzendes Warnsystem". Entwickelt wurde die App vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme. Sie soll per SMS, E-Mail oder Smartphone-App warnen und Verhaltensempfehlungen übermitteln. Nach Angaben der Berliner Feuerwehr sind die Warnungen ortsgenau auf die gefährdeten Postleitzahlenbereiche abgestimmt.

Sendung: Inforadio, 10.09.2020, 12:00 Uhr

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119 Kommentare

  1. 119.

    Sarrazin's Buch:" Deutschland schafft sich ab", wird nach und nach praktisch umgesetzt, auch wenn die Verantwortlichen das nicht wahr haben wollen.

  2. 118.

    War ja auch ein Fehlschlag. Trotz NINA keine Meldung.

  3. 117.

    30 Jahre lang hat es keinen interessiert .....
    Und jetzt tun alle so als würden sie kaum noch durch die nächsten 24 Stunden kommen wenn es keine Sirenen oder funktionierende Apps gibt.

  4. 116.

    Der Anteil der Smartphone-Besitzer (ü14) in Deutschland lag 2019 bei über 80%. Wenn nur ein paar davon ein soziales Verhalten an den Tag legen, dann kann auch dem Rest geholfen werden. Die Ü40-Kinden könnten z.B. auch den typischen Aufenthaltsort der Ü70-Eltern abonnieren oder man informiert auch den wenig technikaffinen Nachbarn.

  5. 115.

    Spätschicht gehabt, schon geratzt, Alarm verpennt, nix versäumt, schöner Tag.
    Nee, ehrlich, so'ne olle Sirene, notfalls handbetrieben, ist da irgendwie zuverlässiger als so'ne App uff'n Tablett. ;-)

  6. 114.

    So sinnvoll die Digitalisierung in Teilbereichen sein mag, so sehr gleicht ihre breitenmäßige Einführung über diese spezifischen Teilbereiche hinausgehend dem Glauben an einen Zauberstab, der alle wesentl. Probleme dieser Gesellschaft zu lösen vermag.

    Probleme, die aus der Handhabung der Technik her rühren, können und sollten auch technisch gelöst werden - bspw. im Sinne technischer Effizienz; Probleme, die sozial zwischen Menschen entstehen, können u. sollten auch sozial gelöst werden. Da kann keine Technik wesenhaft etwas lösen.

    Zum anderen ist das auch eine Frage unmittelbarer und mittelbarer Anschauung. Demjenigen, was Menschen nicht unmittelbar habhaft werden können, weil es bspw. zu weit weg ist, können sie dennoch anschaulich im Sinne von Analogien habhaft werden. Wird alles unterschiedslos ausschließlich auf eine technische Ebene gezogen, so unterscheidet sich eine effekthaschende Darstellung des einen vom substanziellen Warnhinweis in nichts. In nichts u. garnichts.

  7. 113.

    Die Flutung im Sinne eines Spektakulären:

    Wer garantiert, dass ein Warnhinweis mit unterscheidbar gehobener Bedeutung wahrgenommen wird als jeder andere Hinweis, der gleichfalls effekthaschend reichlich spektakulär daherkommt?

  8. 112.

    1. Der Ausbau der Digitalisierung muss entschiedener vorangetrieben werden!
    2. Wir brauchen mehr gut ausgebildete Fachkräfte.
    Zweimal Bullshit-Bingo gespielt, und was kam raus? Das.

  9. 111.

    Naja, mein Fazit fällt gemischt aus.
    Katwarn und Nina blieben still, wo sonst jeder Regen angekündigt wird.
    Dafür Sirenen in zwei Ortschaften, einmal von Brandenburg herrüber und einmal die Freiwillige Feuerwehr im Nachbarortsteil.
    Gibt auch Menschen, die sich gefreut haben, dass es in der City leise blieb, weil Sirenen sie an Krieg erinnern.
    Ja Luft nach oben

  10. 110.

    ...Na dann wissen wir ja jetzt, dass Sirenen funktioniert hätten, wenn es welche gäbe (früher gab es9 welche).

    Wozu der Test, wenn man das vorher schon hätte wissen können...

  11. 109.

    Das nun liegt an der Sache selbst.

    Es wird ja gemeinhin mittlerweile vor allem Möglichen gewarnt. Die mit ausgereichte fast 100seitige Gebrauchsanleitung für´s neue Fahrrad beginnt auf den ersten 15 S. mit ausdrücklichen Warnhinweisen; gleich so, wer einen neuen Wasserkocher erwirbt o. ein neues Regal. Bitte den Hammer nicht zu weit vorne halten, Sie könnten sich nicht nur in den Daumen hauen, sondern verlieren auch an Schlagkraft ...

    Die Warnung an Baustellen verfängt nicht, wenn keine Auswege gezeigt werden, was zu tun wäre. Dass Sirenen heulen oder sonstwas aufblinkt, kennt jeder zur Genüge - beim unterschrittenen Abstandhalten in Parklücken, beim Schließen von U-, S- und Straßenbahn-Türen, was dann erst Anlass gibt, da hineinzuspringen, wo es vorher vom Geräusch her glatt unterging.

    Wer eine Alarmanlage zur Sicherung der Wohnungstür einbaut, wird letztlich schwermütig. Wer die Türen aus blankem Gegenpol heraus sperrangelweit auf lässt, hat es leicht und ist leichtsinnig.

  12. 108.

    Das kommt davon, wenn man bewährte Dinge abstellt und abschaltet, weil sie nicht als "zeitgemäß" empfunden werden. Bis vor 30 Jahren, also vor der Wende hat dieses System einwandfrei funktioniert, dass sogar der Letzte hören konnte, dass irgendwas "im Argen" ist. Dann wurde Radio/TV eingeschaltet um Details zu erfahren. Um jeden Bürger - ob auf der Arbeit, im Schlaf nach ner Schichtarbeit oder sonst wo zu erreichen, waren die Sirenen als akustisches Warnsignal perfekt. Im Fall einer Katastrophe o. ä. taugen Apps nichts, weil nicht jeder über ein Smartphone verfügt. Vielleicht sollten die Verantwortlichen sich mal darüber Gedanken machen.

  13. 107.

    Ist leider so. Wir haben nur noch Schwafeler und Schnellschützen am Ruder. Da schlingert das Schiff eben oder vielleicht geht es auch unter.
    In Fürstenwalde hat man die alten DDR Sirenen abgebaut und so war kein Alarm möglich.
    NINA hat mich auch nicht gewarnt. Nur die Entwarnung kam. Dafür doppelt.
    Hoffentlich lernt man daraus. In der DDR hat das immer funktioniert. Da wurden die Dinger auch regelmäßig gewartet. Heute Fehlanzeige.

  14. 106.

    Die Handysender verfügen über eine Akkupufferung. Wer nach deren Ende immer noch nicht gemerkt hat, dass die Welt untergegangen ist, der braucht dann auch keine Warnung mehr.

  15. 105.

    Moin zusammen,

    Was haben Verantwortliche und Politiker die letzten 30 Jahre eigentlich getan, oder anders gefragt, wofür haben Die Geld kassiert???
    Die Sirenen funktionierten heute, genau wie zu DDR Zeiten! Qualität setzt sich eben durch!

    Die Virtuellen werden dann eben in die Röhre gucken.

    Meine Fazit: Absolutes Versagen.

    Mfg

  16. 104.

    Da wiederspreche ich Ihnen ja garnicht, Test nicht bestanden.
    Und es gibt Leute, die sind nach 45 Jahren schon fertig mit arbeiten, ätsch.

  17. 103.

    Ich glaube, Du spielst zu viele Kriegsspiele.
    Es geht vielleicht um so popelige Ernstfälle wie Stromausfälle, Unwetter o.ä.

  18. 101.

    Nichts habe ich von all den Warnungen mitbekommen. Bin sehr für die Anbringung von Sirenen in Berlin, denn TV und Radio habe ich nicht und das Handy nutze ich selten bzw. werde ich es genau deswegen auch bald abschaffen. Bin sicher nicht die Einzige.

  19. 100.

    Im RBB Livestream, den ich schon laufen hatte, bevor die "offizielle Warnung" hätte kommen sollen, hätte ich zumindest 'ne Sendeunterbrechung mit einer Erklärung des Chefs des Katastrophenschutzes oder jemand anderem Verantwortlichen zum Geschehen erwartet.
    Und was war: Ein Laufband über dem laufenden Film, daß keine Gefahr für die Bevölkerung besteht und ein Hinweise auf Videotext Tafel 107!
    Offenbar nimmt niemand an den verantwortlichen Stellen Katastrophenschutz wirklich Ernst!
    Wie's da im Ernstfall aussehen würde, will ich mir lieber gar nicht erst ausmalen...

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