Symbolbild: Auszubildende im Straßenbau arbeiten an einer Bushaltestelle (Bild: dpa/Jens Büttner)
Bild: dpa/Jens Büttner

Rassismus auf Arbeitsmarkt - "Mitarbeit als Moslem unerwünscht": Kolkwitzer Unternehmen lehnt Azubi ab

Ein Brandenburger Unternehmen lehnt einen Bewerber ab. In der Antwort steht, die Mitarbeit als praktizierender Muslim sei unerwünscht. Der Geschäftsführer bestreitet die diskriminierenden Aussagen nicht, behauptet aber, diese hätten nichts mit der Absage zu tun. Von Efthymis Angeloudis

Ein junger Mann bewirbt sich für einen Ausbildungsplatz als Tief-/Straßenbauer bei einem Unternehmen im Landkreis Spree-Neiße. Die Absage, die er nach dem Vorstellungsgespräch vom Straßenbauer erhält, beinhaltet rassistische Aussagen.

Ein Twitter-User veröffentlichte am Sonntag Screenshots der Absage auf dem Sozialen Netzwerk. In dem Schreiben wird die Religionszugehörigkeit des Bewerbers zum Islam als eine Begründung für die Absage aufgeführt.

Die Asphalt Straßenbau Gesellschaft mbH verweist in ihrer Antwort darauf, dass "besser geeignete Kandidaten" für die Position gefunden worden seien. Gleich danach heißt es allerdings: "Desweiteren ist die Mitarbeit in unserem Unternehmen als praktizierender Moslem unerwünscht. Der Islam ist in meinen Augen nicht mit der Verfassung der BRD in Einklang zu bringen", schreibt das Unternehmen an den Bewerber.

Geschäftsführer: Beschäftigung eines Muslimen würde zu Unruhen führen

Der Geschäftsführer der ASG, Frank Pilzecker, der erst 2019 den Ausbildungspreis des Brandenburgischen Ausbildungskonsens für sein Unternehmen erhalten hat, bestreitet die Aussagen gegenüber rbb|24 nicht. "Ich kann praktizierende Moslems nicht beschäftigen, weil es Unruhe geben würde", sagte er am Montag dem rbb. Welche Unruhen er meine, könne man in jeder Zeitung nachschlagen. Die Arbeit im Straßenbau sei außerdem körperlich anspruchsvoll. Aus Erfahrung vertrage sich diese Arbeit nicht mit dem Ramadan. "Die Kollegen kippen dann einfach um", erklärt Pilzecker.

Der Bewerber, der laut Pilzecker ein Leistungssportler sei, habe behauptet, dass das für ihn kein Problem darstelle. Das hat das mittelständische Unternehmen aus Kolkwitz-Krieschow dennoch nicht überzeugt, ihm den Ausbildungsplatz anzubieten. Denn laut dem Geschäftsführer des Straßenbauunternehmens sei auch das Sozialleben durch eine Mitarbeit ein Stück weit gefährdet. "Wenn der Deutsche seine Leberwurst isst, setzt sich ein Moslem in einen anderen Raum.[...] Da haben wir uns entschlossen sowas nicht einzustellen."

Polizei: Der Betroffene kann Beleidigung anzeigen

Dass dies ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ist, bestreitet Pilzecker. Die Religion des Kandidaten habe nichts mit der Entscheidung zu tun. Er habe dennoch das Bedürfnis gehabt, seine Meinung über den Islam in der Absage zu schreiben. Die rechtlichen Folgen, die dadurch entstehen könnten, seien ihm bewusst. "Darauf würde ich mich freuen, das bei Gericht entscheiden zu lassen."

Ob Konsequenzen für das Unternehmen als Preisträger des Ausbildungspreis des Brandenburgischen Ausbildungskonsens entstehen könnten, könne Pilzecker nicht einschätzen. "Wie das die Politik sieht, welcher Opportunismus sich da an den Tag legt, kann ich nicht sagen."

Die Polizei Brandenburg kommentierte den Sachverhalt auf Twitter wie folgt: "Der Betroffene kann eine Beleidigung anzeigen. Die Ablehnung auf Grund seiner Religion/Herkunft ist ein zivilrechtlicher Sachverhalt." Ein Sprecher des Polizeireviers Forst konnte aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht bestätigen, ob eine Anzeige wegen Diskriminierung gestellt wurde.

Antidiskriminierungsgesetz soll vor Benachteiligung schützen

Der Twitter-User kommentierte die Screenshots mit der Bemerkung: "Wie soll man sich jemals "zu Hause" fühlen, wenn man nicht so akzeptiert wird wie man ist?". Er reagierte bis Montagabend nicht auf eine Anfrage von rbb|24. Ob es sich bei dem Nutzer um den Betroffenen handelt, ist unklar.

Bereits seit August 2006 ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft. Es soll Arbeitnehmer vor Diskriminierung oder Benachteiligungen durch den Arbeitgeber schützen. Dieses Gesetz greift bereits ab dem Verfassen einer Stellenanzeige im vollen Maß. Das AGG soll Benachteiligungen im Arbeits- und Alltagsleben, die auf der ethnischen Herkunft, der Nationalität, dem Geschlecht, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, dem Alter oder der sexuellen Orientierung beruhen, verhindern. Betroffene in Brandenburg können sich an die Landesstelle für Chancengleichheit und Antidiskriminierung des Landes wenden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 13.10.2020, 19:30 Uhr

Die Landesstelle für Chancengleichheit und Antidiskriminierung des Landes Brandenburg können Sie unter folgendem Link erreichen.

Die Kommentarfunktion wurde am 13.10.2020 um 07:40 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.



Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

37 Kommentare

  1. 37.

    Natürlich ist der Islam keine "Rasse", trotzdem ist es doch offensichtlich Rassismus, jemandem wegen seiner Religion einen Job zu verweigern. Wollen Sie so ein Verhalten etwa noch rechtfertigen?!

  2. 36.

    Welcher "Rasse" würde ich als praktizierender Muslim eigentlich angehören?

    Und die Antwort soll also sein, einen Mann der seine Ansichten klar darlegt und auch eine gerichtliche Klärung nicht scheut, schon vor einer Urteilsfindung bei der Auftragsvergabe zu diskrimnieren?

    Wenn er 2019 den Ausbildungspreis des Brandenburgischen Ausbildungskonsens für sein Unternehmen erhalten hat, dann gehörte er doch bis eben noch zu den "Guten"?

  3. 35.

    Super!! Grenzenlos einen auf Opfer machen und jede Selbstbestimmung und Unternehmerische Freiheit verbieten, wo sind wir denn. Die Absage ist Sachlich sehr korrekt begründet und Höflich formuliert. Der soziale Frieden ist natürlich gestört wenn die Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten (Ramadan usw) nicht mit 100% Arbeitskraft rechnen können...das ist Ungleichbehandlung. Warum kommt jetzt erst dieses Schreiben ans Licht ?? Die Absage ist vom Anfang des Jahres! Wer hat von ein Wirkliches Interesse an diesem Sturm der "gespielten Entrüstung"? Wahnsinn wer plötzlich glaubt den Betroffen wirklich persönlich zu kennen und niemand hinterfragt den betroffen, weil er nicht zu finden ist..

  4. 34.

    Dieser Bericht und vor allem die Kommentare zeigen wieder einmal wie gesellschaftsfähig Rassismus bei uns ist. Ausserdem zeugt diese Begründung so sehr von Unwissenheit das ganz klar ist, dass der Geschäftsführer gar nicht daran interessiert ist Erfahrungen mit Moslems als Mitarbeiter zu sammeln. Würde mich interessieren ob er denn Vegetarier einstellt, diese könnten sich durch die Leberwurst auch belästigt fühlen. Ich hoffe er wird verklagt und das dieser verdammte Rassismus endlich keine Unterstützung bekommt. Ach dieser Preis sollte aberkannt werden, ich möchte nicht wissen, wieviele Menschen er schon mit solchen Begründungen abgesagt hat und diese Meinungen weitervermittelt in seiner Tätigkeit als Ausbilder. Schämen sollten sich die, die das ganze hier unterstützen.

  5. 33.

    Es ist doch Eine korrekte Begründung .ich kenne das Problem bei Kollegen wegen Ramadan. Da sinkt die Arbeitsleistung rapide und es gab auch schon Abmahnungen. Zu recht sage ich.

  6. 32.

    Seine Firma, seine Entscheidung und Fertig!

  7. 31.

    Es ist sehr mutig von dem GF, vielleicht schon naiv, diese Meinung in D in einer Jobabsage zu äußern. Bald werden sich die Retter des AGG und die Befürworter des Multikulti auf ihn stürzen, um ihn als Rassisten zu zerreissen. Seine vorgebrachten Gründe kann ich jedoch nachvollziehen. Sie richten sich auch nicht gegen eine Rasse, sondern eine Religionsgemeinschaft.
    Ich würde sehr wahrscheinlich auch keine überzeugten, aktiven Muslime in meinem Unternehmen beschäftigen, da es zu wahrscheinlich ist, dass die Sicht auf Dinge oder das Verständnis für die Welt sehr sehr verschiedenen sind. Zu verschiedenen. Irgendwann wird dies zu Konflikten mit Belegschaft oder unternehmerischer Freiheit führen. Das hat auch nichts mit Rassismus zu tun, sondern ist die Ausgestaltung meines Rechts auf negative Religionsfreiheit. Die ist bitte mindestens genauso hoch zu bewerten, wie das Recht auf Religion! Ich muss und will den Einfluss von Anhängern totalitärer Religionsgemeinschaften nicht in meiner Nähe haben. Weder christliche, noch muslimische.

  8. 30.

    Im Prinzip kann der Bewerber doch froh über die Ehrlichkeit des Arbeitgebers sein. In so einem Unternehmen würde er doch ohnehin nicht gerne arbeiten wollen. Ich übrigens auch nicht. Schön, dass der Chef sich so klar geäußert hat. Wäre dem Bewerber gedient, wenn der Chef sich stromlinienförmig verhalten hätte, die angesprochenen Probleme unerwähnt gelassen hätte? Letztendlich hat er ja nicht den Bewerber beleidigt, sondern ehrlich zugegeben, dass er und seine restlichen Mitarbeiter intolerant sind. Dann scheint der Fachkräftemangel ja doch noch nicht so groß zu sein, wenn man auf ein Talent verzichtet, weil einem die Religion nicht in den Kram passt. Die hätte übrigens von Seiten des Arbeitgebers gar nicht thematisiert werden dürfen.

  9. 29.

    Ich glaube hier sind mehrer Fakten nicht so einfach. Zum ersten wird die öffentliche Hand an dem Unternehmen nicht vorbeikommen um Straßen zu bauen da es einfach zu wenig Unternehmen in dem Bereich gibt. Ja und zu dem das die Mehrheit das alles gut findet daran glaube ich nicht.

  10. 28.

    Bravo und große Freude über soviel Courage,haltet durch.

  11. 27.

    Wenn die Mehrheit schweigt, also weder zu hören noch zu lesen ist, was die Mehrheit denkt - woher weiß man ob es die Mehrheit ist? Ziemlich unsinnig diese Aussage.

  12. 26.

    Seine Firma, er bestimmt - klar ? Und Anzeige wegen Beleidigung...bla, bla

  13. 25.

    Es ist schon komisch, die kirchlichen Einrichtungen schreiben in die Stellenangebote auch rein, dass die Mitgliedschaft in einer Kirche Voraussetzung ist. Ist ein Mensch, der keinen Glauben angehört weniger qualifiziert? Da geht kein Aufschrei durch die Medien. Und manche Kommentare sind genauso diskriminierend. Der GF hat seine Meinung und schon wird ihm mit Entzug der Aufträge gedroht. Diese Doppelzüngigkeit ist kaum noch zu überbieten.

  14. 24.

    Sie müssen Ihre Antwort schon als Sarkasmus/ Ironie kennzeichnen, sonst denkt irgend jemand noch es handele sich um eine ernsthafte Antwort.....

  15. 23.

    ... Und wenn sich eine Frau bewirbt, dürften Unternehmen ihr dann auch prophylaktisch unterstellen, sie würde während ihrer Menstruation (oder gar Schwangerschaft!) sicher nicht volle Leistung bringen können; ausserdem, es sei schlecht für's Betriebsklima, wenn sie sich in einen anderen Raum setzt, weil sie keine Lust auf die Nacktbildchen und sexistischen Witze der Kollegen hat?
    Nein, daher gibt es ja die Anti-Diskriminierungsgesetze.

    Ich hoffe, die Firma wird entsprechend bestraft (shame on them!) und der Bewerber erhält seinen Wunsch-Ausbildungsplatz.

    Und dass der neue Mitarbeiter, der stattdessen eingestellt wurde, radikal-veganer Aktivist ist, der den Kollegen mit den Leberwurstbroten die Hölle heiß macht. :D

  16. 22.

    Es ist so traurig und wahrlich ein Sinnbild für Brandenburg und ganz Deutschland. Offen gelebter Alltagsrassismuss, oder "das wird man ja wohl noch sagen dürfen", wie sich die johlende, kleingeistige Fangemeinde um ihr ach so geschundenes Heimatland empört. Stolz und übersättigt fräsen sie sich wöchentlich durch die Discounter-Sonderangebote und sind die größten Profiteure eines staatlichen Auffangsystems, dass von denen die von ganz woanders kommen ja so sehr ausgenutzt wird. Man muss ja noch Stolz sein können auf sein Land, das geht nur wenn man dort geboren wird und die hiesige Kultur plegt: Bier trinken, Ausländer bepöbeln und Leberwurststulle.
    Zu seiner diffamierenden Meinung zu stehen ist keine große Tat, sich einzugestehen das Andere aber darunter zu leiden haben zeugt von perfider Perversion.

  17. 21.

    Nach dem AGG mag es ja eine Diskriminierung sein, die dann auch verfolgt gehört. Was mir aber hier fehlt ist die gesellschaftliche Diskussion, darüber, dass gewisse Menschen, wie u.U. der Bewerber, sich nicht integrieren wollen, denn auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass dann einfach der Ramadan über deutsche Gesetze gestellt wird oder man in der Belegschafft aus religiösem Extremismus Frauen nicht die Hand gibt usw.

  18. 19.

    Es wird soviel diskriminiert und das ist für alle ganz normal... alt, jung, Auto, Fahrrad, Mann, Frau, Sozialauswahl, gutes Abi, schlechtes Abi, Grundschule, Gymnasium, Guteverdiener, Geringverdiener.. jeden Tag. Ob man einer Gruppe angehört oder eben nicht. Manche Diskriminierungen finden viele ok andere nicht.
    Mit 60 kriegste keinen Kredit mehr oder zu miserablen konditionen, biste Mann schlägt die Frauenquote zu, gibts Entlassungen kannste als Single so gut sein wie du willst - Kinder und Ehe bleibt. Wohnung kriegste mit Geld und ohne nicht. Willste in die U30 Party haste Pech mit 31.. gesellschaftlich völlig normal.
    Ich finde, wenn eine Firma dich nicht will, dann sollte man dort auch nicht arbeiten. Das gibt nur ein schlechtes Klima. Wann rafrft man endlich, dass man sowas nicht erzwingen kann. So ein Anspruchsdenken macht die Ablehnung in der Bevölkerung nur noch schlimmer. Das nur selten darüber berichtet und totgeschwiegen wird, davon wird es ja in der Realität nicht besser.

  19. 18.

    Wenn ein Journalist diesen Vorgang als rassistisch bezeichnet, sollte er seinen Job aufgeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Bild in groß
Bildunterschrift