Symbolbild: Ein Arzt unterhält sich mit einer Patientin. (Quelle: dpa/Christin Klose)
Video: Brandenburg Aktuell | 14.01.2021 | Lisa Wandt | Bild: dpa/Christin Klose

Recherche von ARD-Kontraste - Frauen werfen Arzt am Elbe-Elster-Klinikum sexuelle Übergriffe vor

Am Elbe-Elster-Klinikum soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Drei Patientinnen werfen einem Arzt nach Recherchen von ARD-Kontraste und "Lausitzer Rundschau" vor, sie ohne Notwendigkeit im Intimbereich berührt zu haben. Von Silvio Duwe und Lisa Wandt

Als Susann Müller* im Jahr 2015 das Elbe-Elster-Klinikum (Landkreis Elbe-Elster) aufsucht, weil sie unter chronischen Magenschmerzen leidet, passiert es. Der heute 43-jährigen fällt es noch immer schwer, davon zu erzählen. Nach einer Magen-Untersuchung habe der Arzt eine "Entspannungsmassage" durchgeführt: "Er hat mich erst an meinen Ohren gestreichelt, dann den Rücken massiert und auf einmal ist seine Hand in meine Hose gewandert," sagt sie dem ARD-Magazin Kontraste und der "Lausitzer Rundschau".

Susann Müller schämt sich, dass sie nicht sofort Stopp gesagt hat, als sie merkte, dass die Berührungen nichts mehr mit einer Untersuchung zu tun hatten. "Ich war naiv und habe dem Arzt vertraut."

"Panik, dass er mich nicht mehr gehen lässt"

Wegen einer Nach-Untersuchung musste sie erneut zu diesem Arzt. Dabei fordert er sie auf, sich hinzulegen und den BH zu öffnen. Während der Ultraschall-Untersuchung habe sie sein steifes Glied an ihrem Körper gespürt. Die ganze Zeit sei sie mit dem Arzt allein im Behandlungszimmer gewesen. "Irgendwie hatte ich Panik, dass der mich sonst nicht mehr gehen lässt", sagt Müller heute. Danach sei sie nie wieder zu dem Arzt gegangen. Erst fünf Jahre später, im Sommer letzten Jahres, zeigt sie den Arzt an - als sie über eine Arbeitskollegin von zwei weiteren Frauen hört, die dem Arzt ähnliche Handlungen vorwerfen.

Nicht der einzige Fall

Kontraste und die "Lausitzer Rundschau" kennen die Identität der zwei weiteren Betroffenen – und deren Zeugenaussagen bei der Polizei. Sie hatten sich unabhängig voneinander ihrer Hausärztin Stefanie Frank offenbart, als diese sie an die Elbe-Elster-Klinik überweisen wollte. Beide Patientinnen erzählten, es sei dort im Zusammenhang mit Ultraschalluntersuchungen zu Berührungen an der Brust und der Klitoris gekommen. Der Arzt habe sich mit abgespreiztem kleinen Finger im Schambereich der beiden Patientinnen abgestützt, schilderten beide Frauen. Frank riet den Patientinnen, die Vorfälle bei der Polizei anzuzeigen. Ihre Vorwürfe wurden wegen Verjährung jedoch nicht weiterverfolgt.

Im Fall von Susann Müller hat die Staatsanwaltschaft Cottbus ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses eingeleitet, wie deren Sprecher Detlef Hommes gegenüber Kontraste und "Lausitzer Rundschau" bestätigt. "Ich gehe nicht davon aus, dass in diesem Fall eine Verjährung eintritt", so Oberstaatsanwalt Hommes.

Beschuldigter Arzt bezeichnet Vorwürfe als falsch

Der mit den Vorwürfen konfrontierte Mediziner lässt über seinen Anwalt mitteilen, dass ihm die Vorwürfe bekannt seien. Diese seien alle falsch und von einem persönlichen Interesse einer Person geleitet, mit der alle Frauen in Kontakt stünden. Erst nach Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht der vermeintlich Belästigten könne er sich zu den konkreten Behandlungen erklären. Untersuchungen führe er außerdem nur im Beisein von Schwestern oder anderem medizinischen Personal durch.

Klinikleitung und Landrat können kein Fehlverhalten feststellen

Der Geschäftsführer des kommunalen Elbe-Elster-Klinikums, Michael Neugebauer, erklärt auf Anfrage von Kontraste und "Lausitzer Rundschau", es gebe bislang keinen einzigen Fall, in dem ein derartiges Verhalten eines Mitarbeiters festzustellen gewesen sei. Es gebiete seine Fürsorgepflicht gegenüber Mitarbeitern "unbelegten Verdächtigungen" mit Nachdruck entgegen zu treten.

Alleiniger Gesellschafter des Elbe-Elster-Klinikums ist der Landkreis Elbe-Elster. Das Klinikum hat Standorte in Finsterwalde, Herzberg und Elsterwerda. Ähnlich wie der Klinik-Geschäftsführer äußert sich auch Landrat Christian Jaschinski (CDU): "In meiner Dienstzeit als Landrat konnte ich keinen einzigen Fall verzeichnen, in dem ein derartiges Fehlverhalten eines Mitarbeiters festzustellen war." Aber er fügt hinzu: Sollten sich die Vorwürfe bestätigen oder ein belastbarer Anfangsverdacht bestehen, würden "die geeigneten arbeits- und auch strafrechtlichen Maßnahmen ergriffen".

Vorwürfe gegen Arzt seit über einem Jahr bekannt

Nach Kontraste und der "Lausitzer Rundschau" vorliegenden Dokumenten sind Klinikleitung und Landrat bereits seit über einem Jahr über Vorwürfe gegen den Arzt informiert. Ehemalige Mitarbeiter berichten Kontraste, dass seither dennoch keine wirksamen Maßnahmen ergriffen worden seien, um den Vorwürfen nachzugehen oder mögliche Übergriffe zu vermeiden. Klinik-Geschäftsführer Neugebauer erklärt, es verstehe sich von selbst, dass "aus im Ergebnis der Überprüfung haltlosen Behauptungen keinesfalls arbeits- oder strafrechtlich Maßnahmen" abgeleitet werden könnten.

* Name geändert

15 Kommentare

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  1. 15.

    Natalie, Sie können nicht nachvollziehen, dass Frauen sich in einer medizinischen Untersuchung von einem übergriffigen Arzt eingeschüchtert fühlen? Zumal wenn sie dabei halb entkleidet und auch deshalb sehr verletzlich sind?

    Wenn Sie selbst diese Klarheit und Kraft besitzen, bei einer solchen Grenzüberschreitung sofort zu reagieren, so ist das sehr gut. Doch wenn ich mich umhöre, dann ist es gar nicht so selten, dass Patient/innen sich nicht trauen, Ärzten zu widersprechen. Zumal bei den beschriebenen Vorkommnissen in der Klinik in EE offenbar das Machtverhältnis in der Arzt-Patient-Beziehung ausgenutzt wurde. Leider bringen nicht alle Mediziner/innen ausreichend Sozialkompetenz oder einen entsprechenden Berufsethos mit für den respekt- und vertrauensvollen Umgang im Sinne des Wohls und Willen der Patient/innen.


  2. 14.

    Für mich als Frau... unverständlich wie ich unter solchen Umständen nicht den Raum verlasse und so naiv sein kann mir vor einem Ultraschall die Ohren und den Rücken massieren zu lassen! Spätestens da wäre ich gegangen auch wenn die Person ja angeblich dachte das sei normal so! FAZIT!Also wenn mein Zahnarzt morgen sagt ich soll mich hinlegen und mich untenrum freimachen tue ich das auch?

  3. 13.

    Ich bin empört, hier wird öffentlich angeprangert, ohne dass Recherchen abgeschlossen sind, und das nach sage und schreibe 5 Jahren laut Zeitungsartikel. Es wird nur einseitig negativ berichtet, was auf die komplette medizinische Versorgung im EE Kreis ein total negatives Licht wirft. Es ist hier im ländlichen Bereich nicht einfach und ich denke, das EE Klinikum kann man nicht nur auf diesen einen Arzt beschränken, da arbeiten viele kompetente, tolle Menschen, welche jeden Tag einen sehr guten Job machen. Die Ärztin aus dem Beitrag eben hat ja scheinbar kein Vertrauen mehr, hoffen wir, dass sie nicht mal persönlich im Notfall die ärztliche Hilfe des Klinikums benötigt. Mit solchen Anschuldigungen wird der Ruf eines Klinikums geschädigt, das ist in meinen Augen eine sehr große Bedrohung für die medizinische Versorgung. Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, darf man urteilen, dann soll es auch eine gerechte Strafe geben, aber nicht so!!!

  4. 12.

    Auf Neudeutsch heißt das wohl victim blaming, aber: Warum sollte mir ein Arzt nach der Magenuntersuchung "zur Entspannung" an den Ohren und am Rücken rumfummeln (wollen)? Den geöffneten BH beim Magenultraschall kann ich verstehen, wenn er mit dem Ultraschallkopf eben genau auf die Unterbrustbandhöhe muss, ist es schon möglich, dass man die Stelle mal freilegen muss. Das mit dem "steifes Glied am Körper gespürt beim Magenultraschall" kommt mir jetzt etwas merkwürdig vor. Mein Arzt sitzt i.d.R. beim Ultraschall und man hat, wenn er rechts sitzt und der linke Unterbauch geschallt werden soll, höchstens mal den halben Arm auf sich drauf. Aber der Magen ist doch in der Mitte, oder nicht? Warum sollte sich der denn da so ranpressen müssen? Klingt alles sehr befremdlich-- und aber auch überaus unheimlich alles...

  5. 11.

    Was nicht heißen soll, dass ich ausschließe, dass sich die Dinge wie geschildert auch zugetragen haben. Aber ich halte es eben auch für möglich, dass diese besagte dritte Person einen derartigen Hass auf diesen Arzt hat (Exfrau?), dass sie ihn rufmorden will und dazu die drei Patientinnen instrumentalisiert hat: Es gibt ja auch immer wieder Fälle, wo enttäuschte Patienten ihre früheren Ärzte terrorisieren oder sogar tätlich angreifen bis hin zum Mord, die drehen völlig ab in ihrer (dann schon pathologischen, wahnhaften) Rachewelt. -- Es ist also absolut denkbar, dass interne Rückfragen, Recherchen und Ermittlungen im Klinikum den Arzt SO eindeutig entlasten konnten (z.B., dass doch irgendwo noch ne Assistentin dabei war etc.), dass sich der GF nun mit eben diesem Statement gelassen vor die Presse wagt. Genauso könnte das Gegenteil zutreffen, insofern ist es doch erstmal gut, dass die reguläre Verjährung (3 Jahre) bei der Frau Müller ausgesetzt wurde und nun ermittelt wird.

  6. 10.

    Das E-E-K steht zurecht nicht in einem guten Licht da, und das bereits seit langem. Das ist jetzt sicherlich der Höhepunkt und es wird seitens der Geschäftsführung und des Landkreises eher verharmlost, als konsequent den entsprechenden Arzt bis zur Klärung zu suspendieren, ein anderes Wort als Schande fällt mir gerade nicht dafür ein. Am wenigsten kann das Pflegepersonal und die übrig gebliebenen Ärzte dafür, ich denke viele von ihnen machen eine guten bis sehr guten Job, trotz widrigster Umstände. Und das war auch schon vor Corona so. Das einzig Positive ist dass das E-E-K. finanziell schon sei Jahren gut dasteht. Jedoch erfolgt das auf den Köpfen des Personals. Die Personalplanung und -umsetzung konnte und wurde dem Bedarf nicht angepasst. Tolle Pflegekräfte, als auch Ärzte sind und gehen aktuell freiwillig, vor allem aus Resignation. Wertschätzung, und nicht finanziell gemeint, ist ein Fremdwort. Es braucht einen wirklichen Neuanfang! Wir brauchen dringend ein gutes Klinikum



  7. 9.

    Erstens bin ich der Meinung, man sollte Dinge zur Anzeige bringen, bevor sie verjähren. Was im Falle sexueller Belästigung allgemein zwar wenig erfolgreich sein dürfte, allzu oft werden Verfahren eingestellt oder maximal lächerliche Geldstrafen verhängt, in diesem Falle sehe ich da aber bessere Erfolgschancen, weil das Arzt-Patienten.Verhältnis doch ein sehr besonderes ist, man als Arzt in einer besonders verantwortlichen Stellung ist und natürlich etwaige weitere Vorfälle dieser Art unterbunden werden müssen. --Zweitens kann ich mir allerdings die Variante "Intrige durch den drei Frauen nahestende dritte Person, die dem Arzt schaden wollte" tatsächlich vorstellen. Enttäuchte Patienten lassen sich gern auch mal auf jameda mit Vorwürfen aus, bei denen der Sachverhalt in Wirklichkeit ganz anders gelagert als dort von ihnen dargestellt ist. Z.B. "Behandlung verweigert, die haben wohl was gegen Ausländer", wenn z.B. etliche unbezahlte Privatrechnungen EIGTL. Grund für Nichtbehandl. sind.

  8. 8.

    Warum wird hier nicht ordentlich recherchiert? Prangert man jetzt das ganze Klinikum an? 1100 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Der Geschäftsführer hat viel Gutes für die Mitarbeiter getan. Das ist offenbar alles selbstverständlich. Die Menschen wollen nur noch Negativschlagzeilen lesen. Das ist so traurig!

  9. 7.

    Auch andere Kliniken sind nicht kritikfähig. So etwas wird gerne unter denTeppich gekehrt, auch in Berlin. Die Betroffenen, gehen dann halt nicht mehr dort hin, wenn eine offizielle Beschwerde keinen Effekt zeigt.

  10. 6.

    Hallo,

    ich kann nur P.H. aus Falkenberg Recht geben, meine meine Angehörigen und ich wollen soweit es irgendwie geht nicht mehr ins EE-Klinikum. Alles was dort geschieht ist mittlerweile unerträglich. Und, dass man jetzt noch einen Arzt dort lässt, der sich an den Frauen vergangen hat, das schlägt den Fass den Boden aus.

    Und ich gebe "Anonym" recht. Der Personalmangel ist hausgemacht. Aufgrund dieser Tatsache und auch aus der Tatsache, dass man nicht kritikfähig ist bzw. fähige Leute vergrault. Man muss sich nicht wundern, dass EE-Klinikum hat nichts mehr mit qualitativer Behandlung zu tun....da fährt man doch für geplante OP`s und Behandlung doch lieber etwas weiter.....

  11. 5.

    Das Elbe Elster Klinikum ist nicht kritikfähig. Und das in allen Belangen. Der Personalmangel ist teilweise selbstverschuldet. Wie oft hat man gehört, wie fähige Mediziner rausgeekelt wurden.

    Ich finde es richtig und mutig, dass die 3 Frauen ausgesagt haben. Und ich finde es klasse, dass ihre Ärztin hinter ihnen steht.

    Aber die Reaktion des Klinikums habe ich schon erwartet.....Kritik können und wollen die nicht hören. Und hier ist es noch nicht mal Kritik, sondern eine Straftat.


  12. 4.

    Der Fisch stinkt vom Kopf her .Man sollte doch mal fragen was am Klinikum los ist ,wenn laufend gekündigt wird und Abteilungen geschlossen werden wegen Personalmangel.

  13. 3.

    Am Ende müssen es wieder die Angestellten ausbaden. Sie tragen den, nicht erst jetzt, versauten Ruf, die Arbeitsbelastung und dürfen sich mit den oftmals verärgerten Patienten oder dessen Angehörigen rum schlagen.
    Es gibt viele tolle Ärzte, Schwestern, Hebammen im Elbe Elster Klinikum die die diese Schmach nicht verdient haben.
    Einen Angestellten welcher so belastet ist und solch eine Verantwortung, in Sachen vertrauen im Umgang mit Patienten, inne hat kann man nicht im Dienst belassen. Die Krankenhaus Leitung hat schon seit Ewigkeiten ein Vertrauensproblem von seiten der Patienten, durch etliche schreckliche und weniger schreckliche Vorkommnisse im Elbe-Elster Klinikum. Die Leitung sollte sich endlich bewusst werden dass es an ihnen liegt dass jeder Rettungswagenfahrer/assisten den Spruch von Notfall Patienten im Ohr hat: " Bitte! Mich nicht ins Elbe Elster Klinikum fahren! ".

  14. 2.

    Hr. Neugebauer ist also nichts bekannt. Na wem wunderts noch. Beim Ärtztemangel sieht er eine überversorgung, warum Ärzte und Pflegepersonal das Elbe-Elster Klinikum verlassen kann er ja auch nicht verstehen .... es ist nicht nachzuvollziehen warum dieser unfähige Geschäftsführer noch nicht in die Wüste geschickt wurde. Aber anscheinend hat der Landrat Interesse an Unfähigkeit

  15. 1.

    Ich sehe vor allem den Job von Hr. Neugebauer, dem Geschäftsführer, als gefährdet an :-) hoppla. Diese Zeiten sind selbst im östlichen Teil der Republik schon etwas länger vorbei, und nein, Frauen finden es NICHT toll, von einem ARZT angegrabbelt zu werden! Ieeeeh! Wie ekelig! Alles, was ich jetzt weiter schreiben würde, verkneife ich mir aus Contenance-Gründen....

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