Grafik: Ärztinnen bringen im Operationssaal ein Mädchen per Kaiserschnitt zur Welt. (Quelle: rbb24/dpa/G. Bally)
Bild: rbb24/dpa/G. Bally

rbb|24-Datenrecherche - Viele Geburtskliniken erfüllen Qualitätskriterien nicht

Viele Geburtskliniken der Hauptstadtregion beschäftigen zu wenige Hebammen, um die geforderte Betreuung durch eine Hebamme zu gewährleisten. Vier Brandenburger Kliniken fallen durch eine zu hohe Kaiserschnittrate auf. Von Dominik Wurnig

In mindestens zehn von 19 Berliner Geburtskliniken und in sieben von 25 Brandenburger Geburtskliniken arbeiten weniger Hebammen (in Vollzeitäquivalenten) als die Qualitätsrichtlinie empfiehlt. Das zeigt eine Datenrecherche von rbb|24. Eine Eins-zu-Eins-Betreuung der gebärenden Frau – wie sie eigentlich die Leitlinie empfiehlt – ist dort höchst unwahrscheinlich.

Zudem lag in vier Brandenburger Geburtskliniken die (risikoadjustierte) Kaiserschnittrate über dem Toleranzbereich für gute Qualität. Im Städtischen Krankenhaus Eisenhüttenstadt kam etwa 2018 (neueste Daten) fast jedes zweite Kind (44,9 Prozent) mittels Kaiserschnitt zur Welt – das ist weit über dem Bundesdurchschnitt von rund 30 Prozent.

"Dieses Thema wird auf Landesebene in den Gremien und Fachgruppen der Qualitätssicherung bearbeitet", bestätigt Dagmar Schmidt, Unternehmensbereichsleiterin Strategie und Planung Krankenhäuser bei der AOK Nordost die hohe Kaiserschnittrate in Brandenburg. "Die Fachgruppen sind mit einzelnen Kliniken dazu in einem sogenannten strukturierten Dialog zur Qualitätsentwicklung."

In Berlin hingegen ist die risikoadjustierte Kaiserschnittrate in allen Geburtskliniken im Toleranzbereich oder niedriger.

Recherchekooperation mit dem Science Media Center und 11 Regionalmedien

Die Zahlen sind Ergebnis einer monatelangen Recherchekooperation zwischen rbb|24, der Organisation Science Media Center und zehn weiteren Regionalmedien. Erstmals wurden alle 649 Geburtskliniken deutschlandweit mittels eines standardisierten Fragebogens zur Qualität der Versorgung befragt. Da über 90 Prozent der Kliniken in Berlin und Brandenburg sich am Fragebogen beteiligten, sind vergleichbare Aussagen über die Qualität möglich. Ergänzt wurden die Daten durch die Auswertung der Qualitätsberichte, die Kliniken veröffentlichen müssen.

Hier können werdende Eltern eine gute Geburtsklinik in Berlin und Brandenburg finden

Während der Pandemie ein Kind zu erwarten, macht vieles komplizierter. So gut wie überall entfallen momentan die Kreißsaalführungen, bei denen sich die werdenden Mütter und Väter selbst vor Ort ein Bild machen können. Das macht es auch für Eltern schwieriger, an Informationen zu kommen und die richtigen Fragen zu stellen.

Bleibt die Internetrecherche: Die Websites von Kliniken enthalten völlig unterschiedliche Informationen. Es liegt in der Natur eines eigenen Webauftritts, dass dort die Stärken der jeweiligen Geburtsabteilung präsentiert werden und nicht die Schwächen. So bleiben Eltern oft im Dunkeln darüber, wie hoch die Kaiserschnittrate ist, wann ein Kinderarzt anwesend ist oder genügend Hebammen für eine Eins-zu-Eins-Betreuung Dienst machen.

"Eltern fragen in Geburtskliniken häufig nach Dingen, die zweitranging sind", sagt Maike Manz, die den Bereich "klassische Geburtshilfe" der medizinischen Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) leitet. Zum Beispiel danach, wie die Kreißsäle aussähen oder ob es Familienzimmer gebe. "Das liegt daran, dass Eltern verständlicherweise davon ausgehen, dass in einem Krankenhaus immer das nötige Personal vor Ort ist. Das ist aber nicht der Fall. Eltern sollten unbedingt danach fragen, bevor sie sich für eine Klinik entscheiden."

Statt nach einer Gebärbadewanne sollten werdende Eltern besser fragen, wie viele Hebammen nachts Dienst machen und ob ein fertig ausgebildeter Kinderfacharzt rund um die Uhr anwesend ist.

Sieben Mal "auffällige Qualität" in Brandenburg

Auffällige Qualität kann Gutes oder Schlechtes meinen – in der komplizierten Welt der Krankenhausqualitätssicherung bedeutet "auffällige Qualität" so etwas wie die Gelbe Karte im Fußball. Bei insgesamt sieben Brandenburger Kliniken wurde von der zuständigen Fachgruppe für das Berichtsjahr 2018 (neueste Zahlen) eine "auffällige Qualität" in bestimmten Qualitätsindikatoren bemängelt.

"Struktur- und Prozessmängel"

Die Entscheidungs-bis-Entbindungs-Zeit (E-E-Zeit) beschreibt, dass bei einem Notkaiserschnitt die Dauer zwischen der Entscheidung ("Wir müssen das Kind jetzt sofort per Notkaiserschnitt holen") bis zur Entbindung nicht länger als 20 Minuten dauern darf. Im Qualitätsindikator zum kritischen Gesundheitszustand werden die Ergebnisse des sogenannten APGAR-Tests risikoadjustiert verglichen.

Der Qualitätsindikator zur risikoadjustierten Kaiserschnittrate vergleicht die Zahl der zu erwartenden Kaiserschnitte (Entscheidungs-bis-Entbindungs-Zeit, kritischer Gesundheitszustand) mit den tatsächlich durchgeführten Kaiserschnitten. Während die ersten beiden Indikatoren in der Regel auf wenigen Einzelfällen beruhen und naturgemäß hohen jährlichen Schwankungen unterliegen, ist die Kaiserschnittrate in der Regel ein recht konstanter Wert.

Vier Fälle ließen sich durch fehlerhafte Dokumentation entkräften, erklärte die Landesgeschäftsstelle Qualitätssicherung Brandenburg in einer schriftlichen Stellungnahme. "Bei den weiteren Fällen ergaben sich für die Fachgruppe Hinweise auf Struktur- und Prozessmängel, denen dezidiert nachgegangen wurde." Vor Ort habe sich die Fachgruppe "ein eigenes Lagebild" verschafft. "Als Folge wurden den Kliniken konkrete Maßnahmen vorgeschlagen. Die Umsetzung wird im weiteren Verfahren durch die Fachgruppe überprüft", heißt es weiter in dem Statement.

Nur zwei Prozent der Hebammen betreuen nur eine Frau während der gesamten Geburt

"Frauen sollten ab der aktiven Eröffnungsphase unter der Geburt eine Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme erhalten." Diese Empfehlung steht in der Leitlinie zur Vaginalen Geburt am Termin. Wissenschaftlich belegt ist, dass eine solche 1:1-Betreuung zu mehr vaginalen Geburten führt sowie die Zahl der Kaiserschnitte und höhergradigen Dammrisse senkt und den Einsatz von Schmerzmitteln reduziert.

In der Realität bleibt die ausschließliche Betreuung durch eine Hebamme oft Wunschdenken. Wie oft Kliniken die Empfehlung nicht einhalten können, weiß niemand. Die AOK-Nordost spricht davon, dass die Umsetzung der Leitlinie "sicherlich noch verbesserungsbedürftig" sei. "Eine adäquate Betreuung der Geburt durch eine Hebamme ist die Grundlage für eine sichere Geburt", sagt Dagmar Schmidt, Unternehmensbereichsleiterin Strategie und Planung Krankenhäuser bei der AOK Nordost.

Bisher muss nicht erhoben werden, wie oft die Eins-zu-eins-Betreuung vorkommt. Anhaltspunkte liefert eine Studie des IGES-Institut [externer Link]: Laut der zu Grunde liegenden Umfrage unter rund 2.100 Klinik-Hebammen betreuten gerade zwei Prozent nur eine Gebärende während der gesamten Geburt. Fast die Hälfte (46 Prozent) betreuten gleichzeitig drei Frauen. Selbst während der Phase der sogenannten "aktiven Geburt" betreuten 67 Prozent der Hebammen zwei Gebärende gleichzeitig.

Rainhild Schäfers, Professorin für Hebammenwissenschaften und Mitglied der Bundesfachgruppe Perinatalmedizin, empfiehlt daher: "Eltern sollten unbedingt fragen, wie häufig es vorkommt, dass eine Hebamme mehr als zwei Frauen unter der Geburt betreuen muss."

Hebamme dringend gesucht

Gute Berechnungsgrundlagen für einen Hebammenschlüssel, der zu einer Eins-zu Eins-Betreuung führen würde, gibt es nicht. Einzig die S1-Leitlinie "Empfehlung für die strukturellen Voraussetzungen der perinatologischen Versorgung" [externer Link] macht dazu konkrete Empfehlungen: Kliniken bis 600 Geburten sollten 5,65 Hebammen (gemessen in Vollzeitäquivalenten) beschätigten, um rund um die Uhr eine Hebamme im Dienst zu haben. Größeren Kliniken empfiehlt die Leitlinie je 100 weitere Geburten 0,93 Stellen zusätzlich. Die Leitlinie gibt an, damit sei zu 95 Prozent eine Eins-zu-eins-Betreuung möglich - ob dies tatsächlich machbar sei, zweifeln Experten an.

Lediglich 36 Prozent der befragten Kliniken in Berlin und Brandenburg gaben an, mindestens die empfohlene Anzahl an Hebammen zu beschäftigen. Besonders viele Hebammen im Verhältnis zur Zahl der Geburten beschäftigen einige kleinere Geburtskliniken in Brandenburg wie das St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam, Klinikum Barnim Werner-Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde sowie das Evangelisches Krankenhaus in Ludwigsfelde. In Berlin hat - trotz vierstelliger Geburtenzahl - die Charité am Standort Campus Mitte einen hohen Hebammenschlüssel.

Verhältnismäßig wenige Hebammen - unter den Krankenhäusern die Angaben gemacht haben - sind im Sana Krankenhaus Templin, in den Havelland Kliniken Rathenow, in der Caritas-Klinik Maria Heimsuchung in Berlin-Pankow sowie im Vivantes Klinikum im Friedrichshain beschäftigt. Die Zahlen zu jeder Klinik stehen in der obigen Karten-Grafik.

Welche Kriterien halten Fachleute bei der Wahl der Geburtsklinik für wichtig?

Neben der ständigen Anwesenheit von ausreichend Hebammen halten es die befragten Fachleute für wichtig, dass immer mindestens ein Gynäkologe, ein Kinderarzt und ein Anästhesist anwesend sind. "Es geht immer um den Faktor Mensch", sagt Frank Louwen, Chefarzt am Universitätsklinkum Frankfort a.M. und Vizepräsident Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: "Sind die Menschen qualifiziert, die während der Geburt an meiner Seite sind? Und: Sind sie überhaupt da?"

Die Leiterin der Geburtshilfe am Klinikum Darmstadt, Maike Manz, führte aus, selbstverständlich brauche man diese Fachärztinnen und Fachärzte nicht für jede Geburt. Es gebe viele problemlose Geburten, die allein mit einer Hebamme auskämen. "Aber in anderen Situationen kann es passieren, dass tatsächlich auch aus dem sprichwörtlichen Nichts heraus eine Situation kippen kann, wo ganz schnell reagiert werden muss."

Daneben empfehlen die Fachleute, sich nach Interventionen zu erkundigen: Wie hoch ist die Kaiserschnittrate? Wie oft kommt es zu Zangengeburten, Saugglockengeburten oder Dammschnitte? Ein weiteres Kriterium ist das Versorgungslevel der Klinik. Ein hochspezialisiertes Level 1 Zentrum ist auf alles vorbereitet - aber solche Krankenhäuser gibt es in der Regel nur in Großstädten.

Halbe Stunde Fahrt in Kauf nehmen

Ein entscheidender Faktor ist aber immer die Entfernung zur Geburtsklinik. Eltern müssen abwägen, wie viel Zeitverlust sie für eine besser ausgestattete Geburtsklinik in Kauf nehmen wollen. "Wie weit ist die nächste, besser ausgestattete Klinik entfernt? Wie viel weiter müsste ich wirklich fahren? Und ist mir die Sicherheit, die ich dadurch gewinne, das nicht wert?", schildert Frank Louwen die Fragen, die Eltern abwägen sollten.

Die Geburt in einer Level-4-Klinik, ohne Kinderarzt und Kinderklinik, sei zu vertreten, wenn die nächste, bessere Klinik sehr weit weg sei, sagt die Hebamme und Ärztin Maike Manz. Aber nur dann, wenn wirklich keinerlei Risikofaktoren bei Mutter und Kind vorlägen. "Das ist bei rund 80 Prozent aller Geburten der Fall." Manz sagt: "Ich denke, eine halbe Stunde Fahrt kann man ohne Sorge einkalkulieren."

Kreißsaal-Navi

Hilfe bei der schwierigen Abwägung bietet nun eine Anwendung des Science Media Centers, die rbb|24 exklusiv veröffentlicht: das "Kreißsaal-Navi" [externer Link].

Damit können werdende Eltern nach einer geeigneten Geburtsklinik in ihrer Nähe suchen. Der Kreißsaal-Navigator enthält für alle 649 Geburtskliniken in Deutschland einige Informationen, die aus öffentlichen Daten abzuleiten sind, so zum Beispiel die Geburtenzahl und die Kaiserschnittrate. Für die 351 Kliniken, die sich an der Umfrage beteiligt haben, gehen die Informationen weit über die öffentlichen Daten hinaus: Die Eltern erfahren, welche Ärzte rund um die Uhr anwesend sind, wie viele Hebammen im Kreißsaal arbeiten und ob es ausgebildete Stillberaterinnen gibt, die ausschließlich für diese Beratung eingesetzt werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer ursprünglichen Fassung wurde berichtet, lediglich 34 Prozent der befragten Kliniken in Berlin und Brandenburg hätten mindestens die empfohlene Anzahl an Hebammen beschäftigt. 36 Prozent ist korrekt.

Begriffserklärung Level 1-4

16 Kommentare

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  1. 16.

    Herr Uwe H. - also wirklich!
    Welches Interesse haben Sie schlicht die Wirklichkeit nicht zur Kenntnis zu nehmen?
    Die Frage des Versicherungsschutzes war nur eine, die jahrelang nicht beantwortet wurde. Zumal das betriebswirtschaftlich renditegetriebene Krankenhaussystem selbstständige Hebammen nicht wünschte. Um dann bei der Privatisierung eines Krankenhauses als erstes die Geburtsstation dicht zu machen. Rechnet sich für Krämerseelen halt nicht. Die Betriebswirtschaft notorisch mit Volkswirtschaft verwechseln und das auch noch als ökonomische Sachkunde ausgeben. Von sozio-ökonomischer Expertise ganz zu schweigen.
    Hat denn Prenzlau nun wieder eine Geburtsstation nach der Privatisierung, oder müssen Schwangere weiterhin 70 Kilometer nach Schwedt fahren? Und zahlen die Renditehelden nun Reinigungspersonal, das Fachpersonal mit Sachkunde des Infektions- und Seuchenschutz in einem Krankenhaus ist, oder gilt billig immer noch als Fachexpertentum der neoliberalen Krämerseelen?

  2. 15.

    Wer glaubt das Deutschland, Berlin, ein High-Tech-Medizin-Wunderland ist, kommt als Privatpatient auf Empfehlung eines Privatarztes.- Kassenpatienten suchen sich eine Geburtsstation die für die Angehörigen erreichbar ist und Nachsorge Hebammen denen Sie vertrauen. Beides wird in den letzten 30 Jahren immer seltener. Gefördert durch Politik, Krankenkassen, Versicherungsunternehmen und Ärzteverbände.
    Ein Kaiserscjnitt mit OP-Nachsorge bei gleichzeitigem Risiko der Kinderbetreuung wird schließlich besser bezahlt als die Hebammen-Entbindung mit Nachsorge im Haushalt der Wöchnerin. Und die Zahl der Kinderärzte könnte man mindestens verdoppeln. - Ist vom Wähler so gewollt. Legt den Tätern das Handwerk. Macht euer Kreuz bei dem Wahlkandidaten der für Euch arbeitet.

  3. 14.

    Hebamme ist ein so unglaublich wichtiger und sinnvoller Beruf und wie Pflegepersonal und Erziehung absolut unterbezahlt. Ein organischer Geburtsvorgang auf Basis von Erfahrungen aus Jahrhunderten wird durch den Rentabilitätszwang zunichte gemacht. Im Übrigen: Macht Kaiserschnitte nur im absoluten Notfall, dem Kinde zuliebe. Schont euch und verhindert damit eine Frühgeburt, das ist möglich. Erspart eurem Kind den Frühchenstart! Lasst euch nicht das Zufüttern einreden! Stillen geht länger als die Babybreiindustrie euch einreden möchte!

  4. 13.

    Wieviele Kinder haben Sie geboren? Wieviele Erfahrungen konnten Sie sammeln mit Hebammen und unterbesetzten Krankenhäusern? Was zeichnet Sie aus, hier einen m.M.nach falschen Kommentar abzuliefern?

  5. 12.

    Warum ist in dem interaktiven Klinikfinder eigentlich eine Kaiserschnittquote von 35 % in nForst zu hoch, während eine von 45% in Frankfurt (O) als unauffällig gewertet wird?

  6. 11.

    Solange man sich nicht schon VOR dem positiven Schwangerschaftstest eine Hebamme gesucht hat, passiert gar nix, da fährt niemand irgendwohin. Die meisten Hebammen rufen nicht mal zurück! Am Schluss geht man dann (ohne Nachteile übrigens...) ohne Vorbereitungskurs und ohne Rückbildungskurs und ohne EIGENE Hebamme in ein KH, das gerade ein Bett frei hat, weil der RTW einen dorthin fährt. Und man ist froh, dass überhaupt jemand im Dienst war. Und dass man schnell wieder aus dem KH raus war und alleine daheim.

  7. 10.

    Ich habe keiner Mutter irgendwelche Schuld gegeben. Das ist möglicherweise Ihre Wahrnehmung, dass Mütter schuld seien. Aus dem Artikel ist das auch nicht zu entnehmen. Wenn Sie sich als schuldig oder als Opfer sehen, werden andere Sie auch so wahrnehmen.
    Es ist eine systemische Lösung erforderlich..da haben Sie recht.
    Soweit ich das erlebt habe, kommt die selbstgewählte Hebamme auch in ein anderes Krankenhaus als das gewählte, falls die Ambulanz eine andere Klinik ansteuert. Das finde ich schon sehr luxuriös und das gibt es meines Wissens in keinem anderen EU-Land.

  8. 9.

    Ich weiß, Sie haben es so nicht gemeint, aber es geht nicht, dass Müttern die Schuld an systematischen Problemen unserer Gesellschaft gegeben wird. Nein, Frauen dürfen sich für Kinder entscheiden und können gute Betreuung im Kreißsaal erwarten und sie dürfen Unterstützung in der Pandemie erwarten. Ich finde es so schlimm zu sehen, wie übergriffig so viele Kommentatoren hier sind; dieser Automatismus Mütter = selbst schuld. Unfassbar.

  9. 8.

    Also ich fand es nicht komfortabel mir die Klinik aussuchen zu können und dann eine Hebamme zu haben, die keine Zeit hatte.. dann doch lieber das schwedische System. Und tut mir leid, man kann nicht Müttern die Schuld am System geben und sagen sie hätten ja die richtigen Fragen stellen können. Diese Verantwortung ist NICHT bei den Müttern!!!

  10. 7.

    Daran scheint ersichtlich, dass die Art der Trägerschaft nicht die Qualität bestimmt. Wobei links und rechts nicht wenige, welche meinen, dass die Art der Trägerschaft der relevanteste Faktor, und dann geht es bei solchen Themen oft nur darum ob kommunalisiert oder privatisiert wird - was jedoch nicht unbedingt die eigentlichen Probleme löst, ähnlich wie z.B. landeseigene Wohnungen an für sich keine Garantie, dass von weiterer Regierung dort die Mieten nicht angehoben werden z.B. um Flughafen zu finanzieren usw.

    Und damit ist eben auch bei dem Ding dessen, dass wenn man generell mal behauptet, dass es vielen Gesundheitsbetrieben aller Träger schwer fällt sich ordentlich zu finanzieren, mit dem derzeitigen Vergütungssystem und Ausgaben in Marktpreisen, die Finanzierung muss ja von irgendwo sein. Und eines der Dinge scheint mir da persönlich, dass eine Politik von Niedriglohnsektor nicht solcher Finanzierung hilft, da niedriger Lohn eben auch niedriger KV-Beitrag.

  11. 6.

    Falsch ! Seit 2014 bekommen selbständige Hebammen (nur diese betrifft das Problem der Versicherungssumme) auf Antrag 2/3 der Versicherungssumme ( aktuell ca. 9000€ ) vom Staat zurückerstattet.
    Leider wird dies gerne verschwiegen. Warum auch immer.
    Und viele Kliniken haben inzwischen Wege gefunden, um das letzte Drittel durch Vergütung von Leistungen der Hebammen für die Klinik auch noch zu erstatten.

  12. 5.

    Die Klinik kann man sich nur aussuchen, wenn man ganz in Ruhe selber hinfahren kann (gefahren wird meist ;-) ). Bei einem Blasensprung kommt der Krankenwagen, und man wird in das nächste freie KH gefahren... Tip: sucht euch ein Wunschkrankenhaus UND schaut euch das nächstgelegene gut an... im Zweifel landet man dort!
    Ein wohlgeplanter Kaiserschnitt ist übrigens nicht problematischer als eine ungeplante Geburt ohne Dienstzeiten der Hebammen und Ärzte! Das haben auch schon die Schwangere entdeckt. Wenn du da liegst und dich ringelst vor Schmerz und keine Hebamme ist da und kein Doc, hilft es dir nicht wirklich, den Riss der Gebärmutter im Wehensturm abzuwarten. Dann lieber geplant und "meist" ist dann auch Personal anwesend. Fachpersonal...

  13. 4.

    Wenn es die Möglichkeit gibt, dass man sich die Klinik aussuchen kann, ja dann sollte man die richtigen Fragen stellen um sich entscheiden zu können. Das ist doch eine faire und auch komfortable Situation. Im allseits beliebten Schweden ist es so: wenn Frau meint es ist so weit, ruft sie eind Hotline von FHM an und bekommt die Klinik, die gerade Kapazitäten hat, zugewiesen. Dort ist dann auch alles da. Falls keine Kapazitäten frei sind und man sehr weit weg muss - über 200 km ca.- kommt der Hubschrauber, der nimmt natürlich nur die werdende Mutter mit.
    Hier kann man sogar seine eigene Beleghebamme mitbringen.

  14. 3.

    Ich würde mir sehr wünschen, dass diese Studie Anlass zu Reformen ergibt. Da jedoch die Krankenhäuser meist wirtschaftlich orientiert arbeiten und ein Kaiserschnitt und weniger Personal mehr Gewinn für die Unternehmen darstellt, wird sich jedoch aus meiner Sicht nicht allzu ändern.

    Auch schon 2010, bei der Geburt meiner ersten Tochter im Krankenhaus Köpenick, sah die Personalsituation nicht anders aus. Ich habe während der Geburt 3 Schichten Hebammen erlebt. Die Frauen wurden an Überwachungssysteme „angebunden“, womit freie Bewegung während der Geburt kaum noch möglich war, alles damit die Frauen über einen zentralen Monitor durch die viel zu wenigen Hebammen überwacht werden konnten. Diese erste Geburt im Krankenhaus war traumatisch für mich und das Kind.

    Bei Erkundigen im Krankenhaus Königs Wusterhausen zur zweiten Geburt wurde uns der finanzielle Aspekt durch eine Ärztin sogar noch offen kommuniziert: auf den Wunsch nach einer ambulanten Geburt kam die Antwort, ob ich Geld sparen möchte ...(gesetzlich versichert) und das Krankenhaus bekäme das Geld so oder so. Wir waren sprachlos.

    Am Ende habe ich mich für eine Geburt im Geburtshaus Apfelbaum in Potsdam entschieden (Krankenhaus gleich um die Ecke für den Notfall). Und, diese Entscheidung war für mich gut: 2 Hebammen waren ständig dabei. Zum Schluss sogar noch eine 3. Hebamme in Ausbildung. Die Geburt verlief ohne Schmerzmittel, ohne Wehentropf in sehr entspannter und lustiger Atmosphäre. In der Nacht sind wir wieder nach Hause gefahren, auf die Couch geplumpst und hatten das Gefühl, wir kämen von einer unglaublichen Party... Diese Hebammen haben für uns eine unglaubliche Arbeit geleistet.

    Dieses Gefühl und Leichtigkeit wünsche ich mir für jede Frau bei der Geburt. Auch für die Kinder ist das, aus meiner Sicht, ein besserer Start ins Leben.

    Dieses Gesundheitssystem sollte nicht mehr nach wirtschaftlichen Zielen ausgerichtet sein. Das gehört zu den infrastrukturellen Grundlagen, die den Mensch im Fokus haben muss. Und ich wünsche mir sehr, dass diese Studie dazu beitragen kann.

  15. 2.

    In de Artikel fehlt vollkommen, was die Implikation ist: Frauen mit schweren Traumata und teuren Nachfolgebehnadlungen... Frauen, die kein zweites Kind bekommen wollen/können. Es ist unfassbar, wenn man allein im Kreißsaal liegt und merkt, ups, die Hebamme ist super, aber Zeit hat sie leider nicht.. und spannend dass Eltern dafür verantwortlich sind die richtigen Fragen zu stellen.

  16. 1.

    War da nicht irgendetwas in den letzten Jahren?
    Gestiegene Versicherungskosten für Hebammen?
    Das sich Kinderstationen nicht „rechnen“ und abgebaut wurden?
    Sind Kinder für die Gesellschaft statt zu einer Investition für die Zukunft, zu einem Kostenfaktor geworden?
    Also wird nicht investiert.
    Gleiches kann auf die Bildung übertragen werden.
    Alles schon vergessen?
    Ich bin sicher das wurde von unseren Medien analysiert und umfassend verfolgt.

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