Von Umweltforschung bis Welterbe-Management - Brandenburger Unis punkten mit Alleinstellungsmerkmalen

ARCHIV - Der Neubau des Potsdamer Institutes für Klimafolgenforschung (PIK) auf dem Telegrafenberg in Potsdam (Brandenburg) (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Die Universitäten in Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus werden in diesem Jahr 30 Jahre alt. Sie ziehen Studierende aus aller Welt nach Brandenburg. Viele kommen, weil sie bestimmte Fachrichtungen und Studiengänge nur dort finden. Von Marcus Latton

Wer sich als Nachwuchsforscherin beziehungsweise Nachwuchsforscher mit Klima und Umwelt befasst, ist in Potsdam in der Regel gut aufgehoben. Die Brandenburger Landeshauptstadt beherbergt Einrichtungen wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, eine Zweigstelle des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung sowie das Hasso-Plattner-Institut.

Alle Einrichtungen sind enge Kooperationspartner der Universität Potsdam, die im kommenden Wintersemester ein neues englischsprachiges Masterprogramm anbietet. "CLEWS - Climate, Earth, Water, Sustainability" heißt der Studiengang - also Klima, Erde, Wasser, Nachhaltigkeit.

Laut Annegret Thieken, Professorin am Institut für Geographie und Umweltwissenschaften, soll CLEWS eine neue Generation an Fachleuten für Umwelt- und Klimafragen heranbilden. "Wir möchten mit dem Studiengang auf aktuelle Probleme vorbereiten, so dass wir das Klimasystem besser verstehen und Klimafolgen abschätzen können", sagt sie. "Wir wollen unsere Studierenden darauf vorbereiten, Lösungen für diese Probleme zu finden."

Wasserkreisläufe, numerische Modellierungen, Bodenanalysen: Der interdisziplinäre Ansatz nimmt eine zunehmend wichtigere Rolle in der Klimaforschung ein. Die Universität Potsdam soll dabei laut Thieken als Standort für Umweltwissenschaften weiter gestärkt werden. "Wir möchten sichtbar sein als die Region in Deutschland, in der man gut Klimaforschung betreiben kann. Potsdam blickt auf eine lange Geschichte in der Naturgefahrenforschung zurück und in dieser Tradition stehen wir", so Thieken.

Die deutsch-polnische Juristenausbildung in Frankfurt/Oder

Naturwissenschaftlich geht es an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder weniger zu. Die Viadrina hat ein klar geisteswissenschaftliches Profil. Eine europaweite Besonderheit ist das deutsch-polnische Rechtsstudium, in dem die Rechtssysteme beider Länder gelehrt werden.

Pola Ostalowska kam aus der polnischen Woiwodschaft Lebus zum Studieren nach Frankfurt (Oder.) "Wir leben in einer globalisierten Welt und in der EU", sagt sie. "Grenzüberschreitende Verträge werden geschlossen, aber auch Ehen oder Testamente." Gerade die deutsch-polnische Nachbarschaft solle ausgebaut werden, sagt die Studentin.

Laut der Studentin Ostalowska gehen viele der Absolventen des Studiengangs in die Wirtschaft oder arbeiten in EU-Institution. "Gerade weil sie eine Internationalität gelebt haben, möchten sie hier in der Grenzregion bleiben."

Kulturerbe-Spezialisten strömen nach Cottbus

Die Internationalität der brandenburgischen Hochschulen zu fördern, ist auch Michael Schmidt ein Anliegen. An der heutigen Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) hat der Professor am Lehrstuhl für Umweltplanung vor mehr als 20 Jahren den Studiengang World Heritage Studies aufgebaut. Die Welterbe-Organisation der Vereinten Nationen, die Unesco in Paris, kooperiert dafür eng mit der BTU und entsendet regelmäßig Lehrpersonal nach Cottbus.

"Welterbe-Management umfasst eine Vielzahl von Aspekten", sagt Schmidt. "Es geht um den konservatorischen Erhalt unserer Welterbestätten, aber auch um die Entwicklung von Tourismuskonzepten im Sinne der Nachhaltigkeit."

Knapp 50 Personen schreiben sich jedes Jahr für den Studiengang ein. Die meisten kommen aus dem Ausland. Cottbus sei international ein anerkannter Name geworden, wenn es um Spezialisten für die Pflege und das Management von Kultur- und Naturdenkmälern gehe, sagt Schmidt. Viele Absolventinnen und Absolventen würden später für die Unesco und Kulturbehörden arbeiten.

Für Schmidt geht es auch um mehr: "Die Anerkennung der kulturellen Vielfalt trägt wesentlich zur Völkerverständigung bei und leistet einen Beitrag zum Frieden in der Welt."

Sendung: Brandenburg aktuell, 13.07.2021, 19:30 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich vermisse bei diesen Jubelbotschaften eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema BTU. Vor 8 Jahren wurde sie mit der Hochschule Lausitz zwangsfusioniert. Seitdem beschäftigt sich die BTU mit den Folgen dieser Entscheidung. Sinkende Studierendenzahlen, sinkende Anzahl an Professuren, ständig neue Anforderungen welchselnder Wissenschaftsministerinnen. Die BTU ist die einzige Technische Universität im Land und chronisch unterfinanziert. Das mag niemand gerne hören, weil sie ohnehin viel Geld kostet. Es mag zwar dem Wunsch nach Weltläufigkeit entsprechen, dass man hier über die tollen Welterbemanager berichtet, die in Cottbus ausgebildet werden. Viel wichtiger sind jedoch die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer. Das Land und die BTU-Leitung möchten jetzt die BTU zur "Strukturwandel-Uni" machen. Gleichzeitig will man viele Absolventen, Promotionen und Spitzenforschungsgelder. Lieber RBB, mach doch einfach mal deinen Job!

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