Klimawandel - "Die Vegetation in Brandenburg hat sehr große Ähnlichkeit mit einer Wüste"

So 22.05.22 | 07:37 Uhr
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Das Bild zeigt ein ausgetrocknetes Feld in der Uckermark. (Quelle: dpa/Ingolf König-Jablonski)
Audio: rbb24 Inforadio l 19.05.2022 | Interview mit Maik Veste | Bild: dpa/dpa-Zentralbild | Ingolf König-Jablonski

Satellitenaufnahmen dokumentieren eine deutliche Veränderung der Landschaft in Brandenburg durch den Klimawandel. Schon jetzt gleiche die Vegetation einer Wüste, sagt der Biologe Maik Veste von der BTU in Cottbus im rbb-Interview.

rbb: Herr Veste, warum wird Brandenburg immer trockener?

Maik Veste: Das Bundesland ist schon sehr trocken, bedingt durch seine geografische Lage und sehr geringe Niederschläge. Das wird sich in den nächsten Jahrzehnten weiter verstärkten.

Durch den Klimawandel haben wir ja schon ein oder zwei Grad Temperaturanstieg gehabt. Allein in Cottbus in den letzten 30 Jahren von acht auf etwa zehn Grad Celsius im Jahresdurchschnitt. Der Klimawandel führt auch dazu, dass wir gerade hier, im östlichen Teil des Landes, weniger Niederschläge haben werden. Das ist nicht nur im Durchschnitt so, sondern wir bekommen auch viele Trockenzeiten. Wir hatten das hier zuletzt im März, dass die Böden nicht mehr ausgesättigt werden mit Wasser.

Sie machen Feldforschung in Brandenburg, wo ist das in der Region besonders gut sichtbar?

Das ist eigentlich in unserem gesamten Bundesland sichtbar, weil wir natürlich mit den Sandböden auch nicht die großen Wasserspeicher haben. Und wir hatten ja schon drei Jahre Trockenheit hinter uns.

Sie haben Testflächen in der Region, wo Sie die Vegetation beobachten. Welche Erkenntnisse gibt es da?

Die Vegetation hier in Brandenburg hat schon eine sehr große Ähnlichkeit mit Wüsten, auch wenn wir hier natürlich nicht in einer Wüse leben werden. Wir haben große Flächen, die fast vegetationsarm sind. Da gibt es Gräser und wenige Bäume, zum Beispiel in der Lieberoser Heide und auf Sandflächen im nordöstlichen und nordwestlichen Brandenburg. Hier existieren sehr interessante langfristige Untersuchungen auch mit Satelliten, wie sich diese Vegetation verändert hat. Das waren vorher auch militärisch genutzte Flächen.

Hat die Vegetation einen großen Einfluss auf den Wasserhaushalt?

Die Vegetation hat natürlich als Verbraucher großen Einfluss, denken Sie nur an die Kiefernwälder, die dem Boden Wasser entziehen. Aber auch umgekehrt gibt es Möglichkeiten, dass Pflanzen an der Oberfläche das Eindringen von Wasser in den Sandboden verhindern.

Wir haben so genannte biologische Bodenkrusten, die aus Moosen, Flechten, Grünalgen und Bakterien gebildet werden und die obersten Millimeter des Bodens versiegeln. Die haben natürlich einen Einfluss, gerade wenn es kein kräftiger Landregen ist, sondern nur ein leichter Regen, der herunterkommt.

Was kann uns in so einer Situation helfen?

Sicherlich werden wir unterschiedliche Strategien fahren müssen, das heißt bei Getreide, wassereffiziente Pflanzen zu finden, die temperaturangepasst sind. Bei Temperaturen ab 30 Grad kann Getreide auch schon Probleme mit der Photosynthese bekommen. Was die natürliche Bodenvegetation betrifft, wird sich das von alleine regulieren, darauf werden wir auch keinen Einfluss haben. Für Wälder brauchen wir angepasste Baumarten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview mit Maik Veste führte Michael Castritius, rbb24 Inforadio. Der Text ist eine redaktionell bearbeitete Fassung. Das Gespräch können Sie auch oben im Audio-Player nachhören.

Sendung: rbb24 Inforadio, 19.05.2022, 10:25 Uhr

36 Kommentare

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  1. 36.

    Das liegt an der Misswirtschaft, hätte man vernünftige Nutzpflanzen angebaut, gewässert, wäre auch der Boden besser. Aber wir brauchen uns ja nicht mehr versorgen, es wird schließlich alles importiert. Also geht es dem Boden auch nicht gut.

  2. 35.

    Ich sehe immer noch das tv-Interview vor mir, als Musk albern herumhampelte (erinnerte mich an eine Rumpelstielzcheninszenierung) mit den Worten "Wasser? Wieso Wasser? Hier ist doch überall Wasser. Das ist doch keine Wüste hier."
    Und jetzt bekommen die Anwohner Wasserrationierungsbescheide und die Landwirte können bald umschulen. Bloß gut, dass unsere Lebensmittel aus dem Supermarkt kommen, genauso wie der Strom aus der Steckdose und das Wasser aus dem Wasserhahn (oder aber auch nicht).

  3. 34.

    Die Land- und Forstwirtschaft hat einen hohen Anteil an der „Verwüstung“ der Landschaft.
    Wenn die wenigen unbestellten Flächen gerodet und zu Großschlägen verbunden werden, wenn Monokulturen (zum Teil unter Folie) vorherrschen und der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden nicht unterbunden wird, kann sich kein gesunder Wasserhaushalt entwickeln. Von Artenvielfalt ganz zu schweigen!

  4. 33.

    Große Felder bieten eine Angriffsfläche für den Wind und führen zu Erosion und damit zur Austrocknung der Böden.

  5. 32.

    "Tesla aus dem Trinkwasserschutzgebiet entfernen, der erste Schritt." Richtig erkannt: Tesla muss weg.
    Warum?
    Weil mit diesem Unternehmen und seinem Raubbau an den natürlichen Ressourcen im Raum Grünheide-Erkner-Rüdersdorf nicht nur Wald vernichtet wurde, den man jetzt nicht mehr umbauen kann, sondern auch Trinkwasserrationierungen erfolgen, bereits jetzt für einen Teil der Bevölkerung dort und in den nächsten 12 Monaten für die restlichen Anwohner.

    Außerdem wurde ein Zuzugsstoff verhängt, der die Entwicklung der Region abwürgt.

    Entscheidender ist aber die Tatsache, dass hier mit Duldung/Unterstützung der Landesregierung ein völlig falsches Signat gesetzt wurde, dass aber beim Großkapital jetzt bereits Wirkung zeigt. Dieses Signal heißt: "Go to Brandenburg if you want to increase your investment capital quickly and easily, without environmental obstacles." - in einem Wirtschaftsblatt gelesen.
    Im ersten Schritt Teslaagitation unterbinden.
    20:55/22:44/23:12

  6. 31.

    Richtig erkannt: Tesla muss weg.
    Warum?
    Weil mit diesem Unternehmen und seinem Raubbau an den natürlichen Ressourcen im Raum Grünheide-Erkner-Rüdersdorf nicht nur Wald vernichtet wurde, den man jetzt nicht mehr umbauen kann, sondern auch Trinkwasserrationierungen erfolgen, bereits jetzt für einen Teil der Bevölkerung dort und in den nächsten 12 Monaten für die restlichen Anwohner.

    Außerdem wurde ein Zuzugsstoff verhängt, der die Entwicklung der Region abwürgt.

    Entscheidender ist aber die Tatsache, dass hier mit Duldung/Unterstützung der Landesregierung ein völlig falsches Signat gesetzt wurde, dass aber beim Großkapital jetzt bereits Wirkung zeigt. Dieses Signal heißt: "Go to Brandenburg if you want to increase your investment capital quickly and easily, without environmental obstacles." - in einem Wirtschaftsblatt gelesen.
    Im ersten Schritt dazu ist zu unterbindenden, dass hier (bezahlte?) Teslaagitatoren den Umweltraubbau verharmlosen dürfen.
    20:55/22:45

  7. 30.

    Brandenburg war sehr wohl mal geprägt auch von Mooren. Die waren hier neulich auch bereits Thema gewesen. Aber trösten Sie sich: Viele andere glauben auch, dass Kiefernmonokulturen von der Natur in Brandenburg gewollt sind oder Tesla der erste oder größte industrielle Wasserverbraucher ist.

  8. 29.

    Die großen Felder sind ja eine Hinterlassenschaft der DDR, aber ich bin nicht überzeugt dass deren Wirkung so schlimm war wie teils vermutet. Immerhin gibt es in Brandenburg an vielen Stellen Störche (die übrigens Feuchtgebiete lieben, und diese Feuchtgebiete sind ja vorhanden - von wegen Wüste) und andere geschützte Vogelarten. DIese Störche sind "immer schon" da und waren nie weg. Anders in Westdeutschland, wo Störche in vielen Gebieten seit den 1970er Jahren verschwunden sind, und erst in jüngerer Zeit teils mühselig wieder neu angesiedelt wurden.

    Schulwissen: Flurbereinigung (West), LPGen mit riesigen Feldern (Ost). Offenbar hat letzteres nicht so schlimm gewirkt wie ersteres.

  9. 28.

    "Wie Sie sich vielleicht aus der Schule erinnern war Brandenburg bis vor wenigen hundert Jahren ein in weiten Teilen Sumpf"

    Daran erinnere ich mich nicht. Vielmehr erinnere ich sehr deutlich, dass Brandenburg eiszeitlich geprägt ist: Da gibt es Urstromtäler (= sumpfig, so zB halb Berlin) und Sander (= trocken, zB die Hochfläche des Barnim im Norden oder des Teltow im Süden Berlins). Das ist immer noch so. Der Mensch hat einige der Sümpfe für die eigenen Belange trocken gelegt, aber da wo das nicht passiert ist, ist immer noch Sumpf. Im Havelland zB gibt es viele solche Stellen.

    "und gleicht jetzt, dem Experten zufolge, zunehmend einer Wüste."

    Er beschreibt die sogenannten Sander. Falls Sie in Berlin wohnen, fahren Sie mal in die Baumberge bei Tegel. Da hat Berlin richtige Sanddünen wie in der Wüste. Die sind aber nicht neu, sondern die sind an die 10.000 Jahre alt, und eine Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit.

  10. 27.

    Zum Thema Baumfällungen in Brandenburg:
    https://brandenburg.nabu.de/natur-und-landschaft/baumschutz/alleenschutz/10330.html
    https://www.bund-brandenburg.de/alleen-und-baumschutz/alleen-in-gefahr/
    Eigenartiger Weise sieht es in MeckPom nicht so gravierend sch ... schlecht aus. Da scheint es mit Neuanpflanzungen deutlich besser auszusehen.
    Tja, warum flammt das Thema immer wieder neu auf?
    Weil es hier nach wie vor aktuell ist, uns alle betrifft, sich aber nur wenige drüber aufregen und leider zweitweise von anderen Themen überlagert wird - neue Toiletten z.B.

  11. 26.

    Man könnte einen vergnügungspark "Wüste" gründen. Der Aufwand ist minimal, nur Eingangstor und Zaun. Elon Musk wird schon Verwendung für das Restwasser haben. Zur Dekoration schlage ich Sand aus der Sahara vor. Dieser lässt sich dann in kleinen Dosen als Sovenir verkaufen. In der Mitte der Wüste wird eine Oase angelegt, dort gibt es dann für zahlendes Publikum ein Glas Wasser zu kaufen. </Ironie>

  12. 25.

    Ist das Satire?
    Frage mich ob einige in der Schule nicht aufgepasst haben. Bei einem Vulkanausbruch, der so stark ist, dass er die Erde abkühlt der wird uns ganz andere Probleme bringen. Das wäre es dann mit der Landwirtschaft. Ausserdem hoffe ich mal, dass man so eine Explosion nie wird künstlich herbeiführen können.

  13. 24.

    "Einfach machen! Aber Ihr wollt doch gar nicht, sonst habt Ihr ja weniger zu jammern."
    Liebe Katie, sie wissen doch sie leben in Deutschland, da hat alles seine Ordnung:
    Jahr1: Beauftragung einer Beraterfirma
    Jahr2: Auswertung der Daten
    Jahr3: Antrag für die Bewilligung der Gelder aus dem Haushalt
    Jahr4: Auslegung der Pläne und Möglichkeit für Einsprüche
    Jahr5-7: Gerichtsverfahren
    Jahr8: Ausschreibung EU weit
    Jahr9-12: Beginn des Umbaus oder Einstellung der Pläne wegen gestiegener Kosten!
    Ich hab bestimmt noch einiges vergessen, das könnte das Ganze u.U. noch etwas verzögern! ;-)
    Ironie off
    Schönen Sonntag
    PS: ich hätte, grad in unserer Gegend, gegen mehr Wald nix einzuwenden!

  14. 23.

    Mutter Erde lebt schon Millionen von Jahren, und braucht uns Menschen bestimmt nicht.....

  15. 22.

    Warum flammt immer wieder dieses Thema neu auf?
    Warum fällt man seit Jahrzehnten die brandenburger Alleebäume, ersetzt sie nicht oder unzureichend und lässt zu, dass sich die Strassen aufheizen?
    Warum wurde bisher nicht genug gegen die Großfelderwirtschaft der DDR-Landwirtschaft unternommen?
    Warum ist der Waldumbau noch nicht passiert?
    Warum wurde das Meliorationsprogramm aus den 70erJahren! nicht zurückgebaut?
    Einfach machen! Aber Ihr wollt doch gar nicht, sonst habt Ihr ja weniger zu jammern.

  16. 21.

    Der ,,Alte Fritz,, hat leider noch viel mehr Sumpfgebiete trockenlegen lassen - Rhinluch, Havelluch, etc. Die Landwirtschaft der DDR mit ihren riesigen Flächen und LPG,s , hat die Austrocknung von Böden und Klima noch weiter vorangetrieben.

  17. 20.

    Na dann könnte man doch in niederschlagsarmen Zeiten diesem künstlichen Planschbecken Wasser entnehmen und das wieder der Spree zuführen.

  18. 19.

    Die Überschrift ist nur ein Zitat, aber trotzdem völliger Quatsch.
    Brandenburg ist zwar im Sommer relativ trocken, hat aber auch unzählige grüne Wälder und Wassergebiete.
    Offenbar sollen nur noch in schöner Regelmäßigkeit den Leuten und sogenannten "Unbelehrbaren" bestimmt KLIMA-Narrative eingetrichtert werden.

  19. 18.

    Sollte es wirklich mal zu heiß auf der Erde werden, wird die Menschheit wohl das Mittel einer riesigen Explosion in unbewohntem Gebiet wählen, um die Sonneneinstrahlung etwas zu dämpfen und die Erde abzukühlen.
    Leider verursacht diese politisch-mediale DAUERAPOKALYPSE bei den Menschen das Gegenteil: Handlungsunfähigkeit! Sie sehen keine Hoffnung und reagieren mit "NACH MIR DIE SINTFLUT".

  20. 17.

    Pflegen Sie wieder Ihr Feindbild?
    Was würde es dem Wasserhaushalt in Brandenburg nutzen, wenn in niederschlagsreichen Zeiträumen, der dann höhere Wasserstand der Spree in die Nordsee abfließt?
    In niederschlagsarmen Zeiten, wenn die Spree wenig Wasser führt, wird die Fluting meines Wissens eingestellt.

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