Archivbild: Ein Bagger zerkleinert in Rathenow am 21.1.2003 vor dem Abtransport die bereits zerkleinerten Platten eines Wohnblocks. (Quelle: dpa/Karlheinz Schindler)
Bild: dpa/Karlheinz Schindler

Seit 2002 - Brandenburg gibt 225 Millionen Euro für Wohnungsabrisse aus

Weil es nach der Wende großen Leerstand in Brandenburg gab, sind viele Wohnungen abgerissen worden. Bezahlt haben das im Wesentlichen Bund und Land. Seit 2002 sind allein in Brandenburg für 64.000 weggebaggerte Wohungen 225 Millionen Euro geflossen.

Seit der Wende sind in Brandenburg etwa 71.500 leerstehende Wohnungen mit öffentlichen Mitteln abgerissen worden. Bundes- und Landeszuwendungen von insgesamt 225 Millionen Euro seien allein seit 2002 in den Rückbau von rund 64.000 Wohnungen geflossen, wie das Brandenburger Infrastrukturministerium mitteilte. Der Wohnungsabbau vor 2002 sei nicht einzeln erfasst worden, hieß es.

Die meisten Wohnungen mit Mitteln des 2002 in den fünf ostdeutschen Bundesländern und Berlin gestarteten Bund-Länder-Programms "Stadtumbau Ost"  wurden in Brandenburg in den Städten Schwedt (Uckermark), Wittenberge (Prignitz), Rathenow (Havelland) und Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) abgerissen.

Der Leerstand nimmt trotzdem wieder zu

Verbände von Wohnungsunternehmen und Mietern lobten den Rückbau und befürworteten dessen Fortsetzung. "Brandenburg hat frühzeitig eine auf ausgewählte Städte fokussierte Strategie gefahren, bei der Leerstandsquoten und demografische Entwicklung sehr zutreffend prognostiziert worden sind", sagte der Sprecher des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), David Eberhart.

Dennoch nehme der Leerstand in vielen Städten des weiteren Metropolenraums wieder zu. Geschätzt werde, dass er im vergangenen Jahr bei den Mitgliedsunternehmen auf etwa 28.000 Wohnungen gestiegen sei, sagte Eberhart. Der BBU hat in Brandenburg mehr als 200 Mitgliedsunternehmen, die etwa über die Hälfte des Wohnungsbestandes im Land verfügen.

Ursache des vielerorts nach wie vor hohen Leerstands sei in erster Linie der demografische Wandel, nicht mehr der Wegzug junger Leute wie nach der Wende, betonte der Sprecher. "Die derzeit sehr positive Entwicklung von Berlin-Potsdam und ihrem Umland strahlt zwar zunehmend auch in die Städte des weiteren Metropolenraums aus, kann aber vielerorts die Verluste nicht kompensieren", sagte Eberhart.

Mieterbund sieht keine Alternative zu Abriss

Auch nach Ansicht des Deutschen Mieterbunds (DMB) in Brandenburg gab es keine Alternative zum Wohnungsrückbau der vergangenen Jahre. Zwar hätten einige der Wohnblöcke wegen nicht vollständig zutreffender Bevölkerungsprognosen vielleicht bleiben können, sagte der Brandenburger DMB-Vorsitzende Rainer Radloff. "Insgesamt aber in den ländlichen Regionen wurde in der Regel richtig abgebaut."

Sendung: Inforadio, 16.03.2020, 08:20 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Sehe ich genauso!
    Denn! Viele schöne Ortschaften haben in Brandenburg viele schöne Wohnungen die nicht vermietet sind.
    Man muss nicht unbedingt in Berlin wohnen! Berlin macht krank auf nach Brandenburg.

    LG

  2. 1.

    Tja, nun sind sie unter anderem alle in Berlin und verknappen hier den Wohnraum. Es gibt keine Wohnungsknappheit, die Menschen wollen partout am falschen Ort wohnen aber nichts dafür bezahlen.

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