Auf dem Dach des Schlachtbetriebs in Niederlehme rollen Aktivisten ein gelbes Plakat mit einem Tierschutz-Protest-Losung aus
Video: rbb|24 | 18.07.2020 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: dpa

Zufahrten blockiert - Tierschützer protestieren bei Wiesenhof in Niederlehme

Zuletzt war es deutschlandweit auf mehreren Schlachthöfen zu erhöhten Corona-Infektionszahlen gekommen - auch bei Wiesenhof in Niederlehme. Am Samstagmorgen protestierten dort Tierschützer und sorgten für einen Großeinsatz der Polizei.

Mehrere Dutzend Tierschützer der Bewegung Animal Save haben am Samstagmorgen einen Geflügelschlachthof in Niederlehme (Dahme-Spreewald) bei Königs Wusterhausen besetzt.

Die Polizei sprach von rund 70 Teilnehmern und die Aktivisten selbst von bis zu 100 Teilnehmern. Etwa zwei Dutzend Aktivisten hätten zwei Zufahrten des Schlachthofs blockiert und sich an die Tore des Betriebs gekettet, sagte eine Polizeisprecherin. Zehn Aktivisten stiegen laut Animal Save auf zwei Dächer. Nach ersten Angaben der Polizei beschränkte sich der Einsatz auf den Schlachthof, die ebenfalls im Ort befindliche Hähnchenmast war von der Besetzung nicht betroffen.

Auf Bannern stand: "Killing animals is killing us" ("Tiere töten tötet uns"). "Wir wollen, dass der Schlachthof geschlossen wird", sagte Tierschützerin Franziska Döring. Der Betrieb war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Großeinsatz der Polizei

Die Aktivisten räumten ein Tor wieder frei, bei dem anderen Tor durchtrennten Polizeibeamte die Ketten. Die Beamten stellten die Identität der Tierschützer fest. Gegen die Teilnehmer werde wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, Störung der Betriebsabläufe, Hausfriedensbruchs und Nötigung ermittelt, sagte die Polizeisprecherin.

Hintergrund der Aktion, die nicht angemeldet war, ist auch ein Coronavirus-Ausbruch. Bisher wurden in dem Gefügelhof nach Angaben des Landkreises Dahme-Spreewald neun Corona-Infektionen gezählt, rund 700 Menschen wurden getestet. Nachdem der Betrieb täglich einen Teil der Mitarbeiter testete, waren Anfang des Monats erste Infektionsfälle bekannt geworden.

700 Menschen in Niederlehme beschäftigt

In Niederlehme sind rund 700 Menschen beschäftigt. In Brandenburg gibt es im Bundesvergleich nur wenige große Schlachtbetriebe. Aktuell sind landesweit 138 fleischverarbeitende Betriebe behördlich zugelassen, von denen 47 mehr als 20 Beschäftigte haben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18. 07. 2020, 13.40 Uhr

Kommentar

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24 Kommentare

  1. 24.

    Sich um Corona sorgen und selbst zur Verbreitung beitragen. Schizophrener gehts ja kaum noch.
    Hoffentlich werden die ordentlich zur Kasse gebeten.
    Ich schieb mir erst mal ein paar Chicken Wings in den Backofen...

  2. 22.

    Der Slogan ist logisch, wenn man bedenkt, wie Natur (dessen Teil wir sind) unter der Massentierhaltung leidet. Um das zu erkennen, müsste man allerdings weiter als bis zum nächsten Risa-Imbiss denken. Eine artgerechte Haltung gibt es übrigens nicht bei domestizierten Tieren, das ist ein grün-kapitalistisches Märchen.

  3. 21.

    Wenn es denn einen Namen für industrialisierte Landwirtschaft gäbe, dann ist es der Name Wiesenhof. Klingt ja erstmal romantisch. Und dann, wer nachdenkt, kann darauf kommen, dass auch schon 10 mal 20 Meter als Wiese definiert werden können.

  4. 19.

    Jo, bessere als in Deutschland zur Zeit. Wenn Deutschland seine Blockadehaltung in der EU zum Thema Agrarpolitik aufgibt wird es sogar noch besser.

  5. 18.

    Wiesenhof betreibt nicht bloß Hühnerschlachtbetriebe. Noch Fragen? Dann schauen Sie z.B. nur mal in die Fleischregale von Rewe.

  6. 17.

    Tierschutz sollte mit ganz oben auf der Agenda stehen. Aber warum diese Aktion bei Wiesenhof? Die verarbeiten dort Geflügel. Sinnvoller wären Aktionen in Mastanlagen mit Massentierhaltung. Dort entsteht das Problem durch nicht artgerechte Tierhaltung.

  7. 16.

    @RBB24:
    "Hintergrund der Aktion, die nicht angemeldet war, ist auch ein Coronavirus-Ausbruch. Bisher wurden in dem Gefügelhof nach Angaben des Landkreises Dahme-Spreewald neun Corona-Infektionen gezählt, rund 700 Menschen wurden getestet." (unter 1%)
    Wie unseriös ist das denn? Entweder durch die Aktivisten oder durch Sie. Was hat das Verteidigen eines Lebensstils (Veganismus) mit den Corona-Fällen zu tun?!

  8. 15.

    Auf Bannern stand: "Killing animals is killing us" ("Tiere töten tötet uns"). "Wir wollen, dass der Schlachthof geschlossen wird", sagte Tierschützerin Franziska Döring.
    Das ist der blödeste Slogen, den ich je gehört habe. Und was die Tierschützerin will, ist einfach nur unlogisch.
    Es kommt nicht darauf an Werke zu schließen, sondern auf eine artgerechte und umweltbewußte Haltung zu achten.



  9. 14.

    Meine Aussage prognostiziert die Entwicklung der Tierfleischerzeugung, wenn es in D schwerer wird.
    Genau, das Ausland fährt die Produktion hoch, zu welchen Bedingungen ahnen Sie sicher...

  10. 13.

    Wenn das alles unsere Politiker wüssten, würden sie diesem Dilemma bestimmt ein Ende setzen??? Jetz gilt es jedoch erst einmal die Corona-Hilfen in der EU zu verteilen. Da kann man nicht parallel dazu die (Fleisch-) Wirtschaft noch schwächen.

  11. 12.

    Das wäre ein tolles Argument, wenn es nicht Deutschland wär aus dem andere Länder Billigfleisch importieren. Ausbeutung der Arbeiter, schlechte Tierhaltung, illegale Güllemengen: das ist Fleischherstellung in Deutschland. Die Tagesschau berichtete erst vor kurzem zum Beispiel: https://www.tagesschau.de/ausland/fleisch-industrie-dumping-loehne-101.html

  12. 10.

    Wahre Worte. Danke. Meinen morgigen Geburtstag werde ich reinen Gewissens mit einem vegetarischen Gericht und einen guten Roten feiern. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit habe ich die Veganer Kultur nur belächelt. Jetzt kann ich diese Leute mehr und mehr verstehen.

  13. 9.

    Zu Fuß oder mit dem Rad? Die kommen aus ganz Europa. Und die Bewegung hat natürlich Sponsoren. Lesen Sie eben auch mal in anderen Medien oder Googles sie die Organisation. Das sind organisierte Gruppen. Animal Save, einfach nachschauen.

  14. 8.

    Höchste Zeit, das kranke, perverse System Massentierhaltung abzuschaffen....Da nützt auch das diffamieren und hetzen der Bauern, usw. nichts....go vegan....

  15. 7.

    Ganz genau, Lothar! Es müsste viel mehr Menschen geben, die sich für die geschundene Kreatur einsetzen - bzw. müsste sich viel mehr ein allgemeines Bewusstsein durchsetzen, dass Tiere nicht nur als möglichst billig herzustellende Ware angesehen werden.

    Aber wenn man die Ihnen nachfolgenden Kommentare liest, die sich überhaupt nicht mit dem eigentlichen Gegenstand, nämlich der ausser Rand und Band geratenen Fleischproduktion befassen, sondern rein ideologisch argumentieren und sogar noch (Heiko/Lübbenau) Putin als armen Geschmähten ins Spiel bringen, ist das nur noch lächerlich.

  16. 5.

    Ja, meistens gehen sie zu Fuß oder fahren mit dem Rad und finanzieren sich selbst. Es handelt sich nicht immer um dieselben Leute, deswegen können viele Aktionen an vielen unterschiedlichen Orten stattfinden.

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