Trotz Rückschlägen durch Pandemie - Landesbeauftragte sieht Integration in Cottbus auf gutem Weg

Geschäftsführerin Ivette Kirschner (re.) und Mitarbeiterin Viola Nethe sortieren Kinderkleidung.
Bild: Josefine Jahn

Cottbus war lange ein Brennpunkt von Konflikten und Auseinandersetzungen bei der Integration. Die Brandenburger Landesbeauftragte Doris Lemmermeier bilanziert klare Fortschritte. Doch sie warnt vor Versäumnissen in der Pandemie. Von Josefine Jahn

Die Brandenburger Integrationsbeauftragte Doris Lemmermeier sieht die Integration von Flüchtlingen im Land auf einem guten Weg. Auch die Situation in Cottbus habe sich entspannt, unter anderem mit Hilfe des Landes, sagt Lemmermeier. Nach Cottbus waren ab 2015 viele Geflüchtete gezogen. Die Stadt war teilweise überfordert, Cottbuser und Zugezogene gerieten aneinander, es kam zu vielen fremdenfeindlichen Übergriffen. Dass es dort nun ruhiger ist, führt Lemmermeier unter anderem auf dieses "flexibel einsetzbare Instrument der Migrationssozialarbeit" zurück, das sich nach ihren Worten auch in Cottbus bewährt hat.

Hilfe im Willkommenstreff für jeden einzelnen - kein großer Andrang wie 2015

Im regionalen Willkommenstreff Cottbus wird diese Integration praktiziert. Der dreijährige Ahmad spielt in der Kinderecke, seine Mutter Shaza Kabbash kommt gerne hier her - vor ein paar Jahren noch, um sich Unterstützung zu holen, oder wie jetzt, um sich einfach auf einen Kaffee mit Freunden zu treffen.

2016 ist Shaza Kabbash aus Syrien hierher gekommen. Negative Erlebnisse habe sie nur selten: "Ich trage ein Kopftuch und ich treffe manchmal Menschen, die schimpfen oder machen uns schlecht. Ich ignoriere das."

Der Willkommenstreff im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf ist für alle da: Kleidung, Möbel, Spielsachen werden hier an Bedürftige ausgegeben und es gibt Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen oder Schreiben von Bewerbungen - alles in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Jobcenter.

2015 und 2016 war der Andrang noch extrem groß, bis zu 80 Besucher kamen damals innerhalb einer Stunde. "Das war schon mehr oder weniger ein Abfertigen", sagt Geschäftsführerin Ivette Kirschner. Heute ist die Lage entspannter und die Mitarbeiter hätten nun die Möglichkeit, sich "individuell mit den Fragen, mit den Problemen, mit der Hilfestellung zu befassen".

Geschäftsführerin Ivette Kirschner im Gespräch mit Shaza Kabbash. Quelle: rbb/Josefine Jahn
Bild: Josefine Jahn

Miteinander in der Stadt hat sich verbessert

Auch das Miteinander in der Stadt hat sich nach Einschätzung von Stefanie Kaygusuz-Schurmann, Leiterin des städtischen Servicebereiches Bildung und Integration, verbessert: "Auch wenn es immer mal wieder zu Konfliktlagen kommt, wird weniger über Alltagsrassismus gesprochen bzw. wird er weniger wahrgenommen." Doch dieser Rassismus sei natürlich noch immer da. Trotzdem denke sie, dass die Stadt hier auf einem guten Wege sei: "Ich glaube, die Personen müssen es auch erst erleben, miteinander - wie funktioniert Integration, wie funktioniert Zusammenleben."

Ein gelungenes Beispiel für Integration ist Shaza Kabbash. Vor fünf Jahren ist sie ihrer Mutter nach Cottbus gefolgt, hat mittlerweile selbst ein Kind und fühlt sich wohl. Die Stadt habe eine gute Größe, die Wege sind kurz. "Ich kenne hier viele Leute, ich habe mein deutsch verbessert und viele Deutsche kennen gelernt." Momentan belegt die 29-Jährige noch einen Sprachkurs. Ab Oktober wird sie an der Brandenburgischen Technischen Universität studieren - ihre Zulassung für Medizininformatik hat sie bereits erhalten.

Allerdings warnt Brandenburgs Integrationsbeauftrage Lemmermeier auch, dass durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie die Integrationsprozesse verlangsamt und teilweise sogar gestoppt wurden. So seien viele Deutschkurse ausgefallen und für das Homeschooling habe in den Gemeinschaftsunterkünften das Internet gefehlt. Dies gelte es nun, aufzuholen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 14.07.2021, 19.30 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Es ist noch kein Jahrhundert her, als sehr viele Menschen flüchteten und eigentlich als Deutsche in Deutschland ankamen. Die Missgunst war auch damals riesig, auch die Abwertung und der Verteilungskampf. Aber immerhin gab und und gibt es auch heute Menschen, die weder weggucken, noch verdrängen oder abwerten. Das liegt an der Struktur des Menschen, ob er tatsächlich fair mit anderen umgehen kann und man nennt es sozial und humanistisch und selbst die ärmsten und einfachsten Menschen sind oftmals die herzlichsten und gütigsten. Im Gegensatz dazu kommt manch anderer gedanklich nicht so weit und muss etwas gegen andere Menschen sagen, aus Prinzip.

  2. 3.

    1. Steht doch ganz deutlich da, dass sie studieren will und bald studieren wird.

    2. Sind nicht die, die immer "schnelle Integration" plärren, dann auch auf dem nächsten Rassistenmarsch anzutreffen? Die wollen doch gar keinen Kontakt. Und darum geht es.

  3. 2.

    Integration,also die Zwangsverschmelzung von etwas ist bei Menschen ein rassistisches Projekt.
    Diese prozedur setzt voraus,dass Menschen an einem Ort zusammen kommen damit deren Verschmelzung überhaupt möglich ist.
    Das aber bedeutet,dass sich Menschen aus ihrer angestammten Heimat entwurzeln was die Frage aufwirtft warum sie das tun sollten.
    Sie sind entweder heimgesucht und müssen flüchten
    oder
    sie haben sich an ihren Heimatländern vergangen und müssen stiften gehen.
    Es ist klar,dass die Verüber und die Vertuscher von Rassismus,Gewalt,Terror und Krieg für ihr Treiben bezahlen müssen.

  4. 1.

    Wieso die "Integration" der fast 30 Jährigen auf "gutem Wege" ist, habe ich nicht verstanden. Hatte sie in Syrien keinen Beruf, dass sie jetzt hier nochmal wie eine 19 Jährige anfangen muss?

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