BrandenburgTrend | Kohleausstieg - Wachsende Skepsis gegenüber schnellem Kohleausstieg in Brandenburg

Fr 29.04.22 | 18:00 Uhr
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Brandenburg Trend 29.4.2022 zum Zeitpunkt des Kohleausstiegs. (Quelle: rbb/Infratest dimap)
Video: Brandenburg aktuell | 29.04.22 | R.Bachhofer, A.B. Hewel | Bild: rbb/Infratest dimap

Die Ampelpläne für ein vorfristiges Ende von Tagebauen und Kohlekraftwerken stoßen in Brandenburg auf deutliche Ablehnung. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen halten Kohlestrom auch nach 2038 für eine Option. Von Thomas Bittner

Ein vorzeitiger Kohleausstieg wird in Brandenburg mit wachsender Skepsis gesehen. Nur noch eine Minderheit von 16 Prozent kann sich vorstellen, dass die Braunkohleförderung schon vor 2038 beendet wird. Das geht aus dem BrandenburgTrend von infratest dimap für rbb24 Brandenburg aktuell und Antenne Brandenburg hervor.

30 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass der Kohleausstieg wie bisher verabredet bis zum Jahr 2038 vollzogen werden soll. Fast die Hälfte, 46 Prozent der Befragten, meint dagegen, die Förderung von Braunkohle soll über das Jahr 2038 weiter betrieben werden - das sind 19 Prozentpunkte mehr als im September 2021.

Lausitz skeptischer als Berliner Umland

Besonders groß ist die Skepsis in der Braunkohleregion. 56 Prozent der Befragten in den vom Strukturwandel betroffenen Gebieten, etwa der Lausitz, sprechen sich dafür aus, auch nach dem Jahr 2038 Braunkohle zu fördern. Im Berliner Umland ist eine Mehrheit von 53 Prozent dagegen für einen Ausstieg bis 2038 oder früher.

Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP heißt es, dass der Kohleausstieg "idealerweise" bis zum Jahr 2030 erreicht werden soll, acht Jahre früher als bislang gesetzlich vereinbart. Aus Klimaschutzgründen soll Kohlestrom weitgehend durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Ein solcher vorzeitiger Ausstieg hat im Verlauf der letzten Jahre in Brandenburg an Zuspruch verloren.

Im August 2019 – unmittelbar vor der letzten Landtagswahl – konnte sich noch jeder Dritte in Brandenburg vorstellen, früher als 2038 die Braunkohleförderung auslaufen zu lassen. Vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr waren noch 29 Prozent dieser Meinung. Jetzt, nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine und angesichts eines drohenden Öl- und Gas-Embargos gegen Russland, ist das nur noch für 16 Prozent eine Option.

Nur Grünen-Anhänger wollen früheren Ausstieg

Nur die Anhänger der Grünen plädieren mehrheitlich für einen früheren Kohleausstieg (61Prozent). Bei den Anhängern von Linken (26 Prozent), SPD (14 Prozent) und CDU (11 Prozent) steht nur eine Minderheit für ein schnelles Kohle-Aus. Drei Viertel der AfD-Anhänger halten ein Weiterbetreiben der Kohleförderung über 2038 hinaus für richtig.

Für die repräsentative Umfrage hat infratest dimap vom 21. bis 24. April in Brandenburg etwa 1.200 Wahlberechtigte in Telefon- und Online-Interviews befragt.

Brandenburg Trend April 2022 in Grafiken

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 29.04.2022, 19:30 Uhr

47 Kommentare

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  1. 47.

    Deutschland befindet sich beim Ausstieg aus den fossilen Energieträgern im Panikmodus ohne sich über die Konsequenzen im klaren zu sein. Bis die erneuerbaren Energien unseren Energiebedarf decken können werden noch Jahre vergehen,wenn es überhaupt jemals zu 100% gelingen wird. Grüne Politik alles gut und schön aber bitte nicht auf Kosten der Menschen in diesem Land . Klimaschutz muss man sich auch leisten können, aber kann das auch jeder in unserem Land, darüber müssen sich unsere Politiker auch im klaren sein . Denn vielen Menschen im Land reicht das Geld im Monat schon jetzt nicht mehr um alle Unkosten zu decken. Alles was unsere Regierung den Menschen jetzt als Alternativen zu russischen Öl und Gas präsentiert ist nichts weiter als Sie zu beruhigen.

  2. 46.

    Im Ausland wird Deutschlands Energiepolitik als " dümmste Energiepolitik der Welt" tituliert. Muss wohl was dran sein.

    ist es auch, abhängig, von wem auch immer, sind wir sowieso , Deutschland wählt aber die dümmste Variante , LNG aus Katar ( ab wann ?? 2027 ? ) und USA , hat aber dafür kein Terminal , zu Ende gedacht ist das nicht

  3. 45.

    " Wachsende Skepsis gegenüber schnellem Kohleausstieg in Brandenburg "

    verständlich, welche sicheren alternativen Energien sind denn verfügbar ? doch nicht nur Windräder

  4. 44.

    es reicht für mich, wenn Sie fest an diesen Unfug glauben. Es gibt genügend andere Belege.

  5. 43.

    Ungefähr aus den gleichen Gründen, wie wir hier zaudern die Braunkohle abzuschalten: es ist ein einfacher Weg Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen anzusiedeln und sie produzieren viel Kohle selbst. In den letzten zehn Jahren oder so hat sich der Anteil an Kohle im Energiemix Chinas um 25% reduziert, in etwa so wie bei uns auch im Übrigen.

  6. 42.

    Sie haben völlig Recht Umweltzerstörung hatte nie einen Preis, deshalb laufen die ganzen Fehlentwicklungen immer so weiter.
    Allerdings gehört auch zur Wahrheit, hätte sie seit der Proklamation des Club of Rome in den 70iger Jahren ihren wahren Preis, dann hätten wir nicht den flächendeckenden Wohlstand.
    Das Hauptproblem ist die gnadenlose Überbevölkerung und den damit abverlangten Ressourcen.
    Nicht lösbar egal wie man es dreht und wendet.

  7. 41.

    Eventuell doch etwas den die Grünen sitzen jetzt mit in der Regierung. Nur mal ein ganz einfaches Beispiel. Ich tanke für 50€ ca 33€ sind Abgaben und Steuern die der Staat bekommt 17€ teilen sich der Pächter und der jeweilige Konzern. Ist der Spritpreis also nun doppelt so teuer verdient der Staat demzufolge auch das doppelte. Also verdient der Staat doch an den hohen Preisen und würde sie am liebsten hoch halten. Da es aber jetzt langsam anfängt im Lande zu rumoren müssen sie der Bevölkerung etwas bieten würde ich mal sagen. Und noch eins in meinem Bekanntenkreis gibt es Kraftwerker und Kohlekummpels die es satt haben als Buhmänner des Landes bezeichnet zu werden, sie sagen eigentlich müssten wir für 2 Wochen alles runterfahren damit die Menschen mal merken wie wichtig in der aktuellen Zeit und darüber hinaus unsere Arbeit ist. Wir müssen einen geregelten Übergang schaffen damit unser Land keinen allzu großen Schaden nimmt in allen Bereichen der Gesellschaft. Panik hilft keinem.

  8. 40.

    Habe was für Sie im Netz gefunden....
    https://www.businessinsider.de/politik/russland-energie-gas-kohle-lieferstopp-deutschland-stromversorgung-auch-bei-embargo-sicher-a/

  9. 39.

    Wer hat denn das CO2 Budget festgelegt und halten sich alle Staaten an dieses Budget? Wer kontrolliert die Einhaltung und welche Sanktionen gibt es bei Überschreitung? usw.
    Klug ideologisch ohne praktische Umsetzung kann ich auch.

  10. 38.

    Bei ca. 1400000000 Einwohnern und ausreichend Platz können sie das gern tun. Aber warum bauen sie dann trotzdem soviele Kohlekraftwerke?

  11. 37.

    Wer hat dieses CO2-Budget mit wem unter welchen Bedingungen ausgehandelt? Und was ist in 9 Jahren? Da werden weltweit die Kohlekraftwerke genauso laufen wie heute. Ich wette gern um eine Kugel Eis.

  12. 36.

    Es geht doch um die einfache Frage, warum der Strom immer teurer geworden ist, obwohl die kWh mit Wind und Sonne angeblich so billig ist. Es werden Windkraftwerke nach 20 Jahren Laufzeit abgebaut, nicht weil sie defekt ist sondern weil die Förderung ausgelaufen ist. Ohne Förderung geht's wohl nicht. Und das Problem, dass in der Nacht und im Winter Solarenergie keinen bis wenig Strom liefert, ist so und wird so bleiben. Beim Agorameter kann man sehen, wieviel Sonne und Wind Anfang Januar gebracht haben, es war fast nichts. Im Ausland wird Deutschlands Energiepolitik als " dümmste Energiepolitik der Welt" tituliert. Muss wohl was dran sein.

  13. 35.

    Nur komisch, dass sich das nicht auf die hohen Strompreise in Deutschland auswirkt.
    Den die sind in den letzten Jahren MASSIV GESTIEGEN.
    Aufgrund mutwilliger Verknappung und Zerstörung von Erzeugerquellen.

  14. 34.

    Offenbar sind die Gewinnmargen bei Sonne größer, weil die keine Rechnung schickt.

  15. 33.

    Die Teuerungswelle hat sehr viel mit grüner Politik zu tun. Vom ersten Tag in der Regierung haben Habeck/Baerbock gegen die russischen Energieimporte gewettert. Bisher haben die beiden allerdings keinen verlässlichen Weg von fossilen Energieträger aufgezeigt? Sollen alle Gebäude mit E Energie geheizt werden, so wäre die kompletten Leitungen zu ändern. Möchten die Grünen Wasserstoff in das Gasnetz einspeisen? So müssten alle Heizungen umgebaut werden? Das autarke EFH mag funktionieren, aber bei großen Miethäusern sieht es da schon anders aus. Auch die Nutzung von Erdwärme/Wärmepumpen führt unweigerlich zu einem höheren Stromverbrauch. Aber Habeck kauft lieber Frackinggas und Erdgas in Katar?? Wie ernst Herr Habeck den Umbau nimmt, sieht man an der Begrenzung der Mittel bei der KFW.

  16. 32.

    Welche Probleme konkret bringt denn die Politik der Grünen grade? Bitte bei der Antwort beachten seit wann die Grünen an der Regierung sind.

  17. 31.
    Antwort auf [Jablonkski] vom 30.04.2022 um 08:25

    Energie kann man auch in ausgedienten Akkus speichern, wird auch schon gemacht. Atomkraft basierend auf der alten Technologie ist instabil und die Entsorgung der Abfälle nicht beherrschbar.
    Wenn Atomkraft, dann Kernfusion oder Flüssigsalzreaktoren, wenn einer die technischen Probleme löst.
    Ansonsten bleibt nur regenerative Energie.
    Und das ist keine grüne Spinnerei sondern eine physikalische Notwendigkeit.
    Machen wir so weiter, dann haben ihre Urenkel in Deutschland 50 Grad Umgebungstemperatur. Das Problem mit Eiweiß kennen sie??

  18. 30.

    "Ich höre nur auf in den Pool zu pinkeln wenn zeitgleich alle anderen auch aufhören in den Pool zu pinkeln."

  19. 29.

    Gefallen die Ergebnisse nicht, wird Manipulation unterstellt.
    Diese Vorgehensweise kenne ich auch vom orangenen Ex-Präsidenten.

  20. 28.

    Es macht nur Sinn, wenn alle Staaten gleichzeitig mit der Entlastung der Umwelt beginnen. Solange in Polen weiter Kohlekraftwerke arbeiten und in Frankreich Atomstrom erzeugt wird,kann auch das Vorpreschen Deutschlands nichts retten. Unsere Wirtschaft leidet massiv und die Bevölkerung wird immer mehr belastet. So macht Umweltschutz keinen Sinn

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