Mehr Brände - Brandenburger Grüne wollen Änderungen im Waldgesetz

Mi 03.08.22 | 07:59 Uhr
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Symbolbild: Löscharbeiten der Feuerwehr in Brandenburg. (Quelle: dpa/S. Kahnert)
dpa/S. Kahnert
Audio: Radioeins | 03.08.2022 | Paul Vorreiter | Bild: dpa/S. Kahnert

Die Brandenburger Grünen fordern angesichts der zunehmenden Waldbrände im Land umfassende Änderungen im Waldgesetz. Das werde in den nächsten Monaten angegangen, bekräftigte die grüne Landesvorsitzende Julia Schmidt in einem Interview mit der dpa, wie diese am Mittwoch berichtete.

"Wir haben momentan das Problem, dass 75 Prozent des Waldes in privater Hand ist. So ist es schwierig, als Land präventiven Waldbrandschutz zu betreiben. Die Waldbesitzer fordern ja auch selber eine stärkere Unterstützung vom Land", führte Schmidt an.

Schneisen, Löschwasserbrunnen und Totholzbeseitigung

Bei der Reformierung des Gesetzes geht es der Grünen-Chefin zufolge unter anderem um die Schaffung von Schneisen, das Bohren von Löschwasserbrunnen und die Beseitigung von Totholz am Wegesrand. "Es gibt einige Maßnahmen für den Waldbrandschutz, die wir sofort angehen", betonte Schmidt.

Ein dauerhaftes Problem bleibt indes weiter bestehen - die kampfmittelbelasteten Flächen und Verdachtsflächen in Wäldern und Heidelandschaft. Rund zwölf Prozent der Gesamtfläche Brandenburgs gelten nach Angaben des Landes derzeit noch als belastet. Experten der Kampfmittelbeseitigung vernichten jedes Jahr Hunderte Tonnen Bomben, Granaten und Munition. 2021 waren es 328 Tonnen Kampfmittel.

Waldeigentümer fühlen sich allein gelassen

Das Problem der Räumung von Flächen liegt nach Ansicht von Verbänden und Politik unter anderem bei den Kosten für den Einsatz der Kampfmittelräumer. Auch Personal für die Beseitigung der Munition fehlt. Waldeigentümer fühlen sich an dieser Stelle vom Land häufig alleingelassen.

"Hier muss eine Lösung gefunden werden. Da hilft es nichts, wenn sich gegenseitig die Bälle zugespielt werden, sondern da müssen sich alle an einen Tisch setzen, das Problem wird akuter werden", fordert Grünen-Chefin Schmidt. Um die Wälder zukunftsfest zu machen, sei der Waldumbau im Land ein "absolut wichtiges Thema".

In dieser Hinsicht hätten Versäumnisse der Politik in den vergangenen Jahrzehnten zu der Lage mit vielen großen Bränden geführt, kritisierte Schmidt. "Man sieht jetzt auch an den Waldbränden: Die Klimakatastrophe ist da. Und sie kommt nicht von ungefähr. Was wir jetzt erleben ist auch eine Folge der Versäumnisse beim Klimaschutz in den letzten Jahrzehnten."

1,1 Millionen Hektar Wald in Brandenburg

In Brandenburg ist die Kiefer mit rund 70 Prozent der Gesamtwaldfläche die dominierende Baumart. In den vergangenen zehn Jahren sind nach Angaben des Landesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald von 1,1 Millionen Hektar Wald auf mehr als einem Drittel der Landesfläche ungefähr erst 18.000 Hektar umgebaut worden.

Die Grünen setzen beim Umbau des Waldes auch auf die Forstreform, die ab Januar 2023 umgesetzt werden soll. "Für den Waldumbau ist das der erste Schritt", sagte Schmidt. "Wir haben jetzt eine starke Forstverwaltung mit umfassenden Befugnissen und guter Ausbildung." Ohne die Umsetzung der Reform werde das nichts mit dem Waldumbau.

Sendung: Radioeins, 03.08.2022, 09:00 Uhr

25 Kommentare

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  1. 25.

    Wir können uns darauf einigen, dass es nicht überall geht. Fläming, Odergebiet. Da wo das Land platt ist, bspw. Heidesee etc. geht es problemlos und wird seit Jahrzehnten praktiziert. Die Staustufen verhindern das schnelle Abfließen des Wassers in die Seen, wie Oderbruch, Fläming. Hier müssten bspw. Gewässer aufgestaut werden. Ähnlich den Kaskaden in anderen Gegenden. Würde die Spree nicht ihre Schleusen haben, wäre der Wasserstand nicht geeignet das Frachtschiffe fahren können. Somit die Gräben mit handbetriebenen Staustufen regulieren. Wir müssen halt neu Denken wollen wir nicht zur Steppenlandschaft verkommen. Denn sind die Wälder abgebrannt, wächst nicht so schnell etwas nach.

  2. 24.

    Es gibt keinen "feuerfesten" Wald. Es gibt nur Wälder, die aufgrund bestimmter Umstände eine besonders schnelle Ausbreitung der Flammen fördern, zum Beispiel aufgrund der Baumarten oder wegen fehlender Unterholzpflege. Und es gibt Wälder, in denen das zu verhindern versucht wird. Viele Nadelbaumarten brennen deutlich schneller und auch gefährlicher, als Laubbäume, wegen des enthaltenen Harzes oder der trockenen Nadeln. Auch neigen Nadelbäume eher zu Wipfelbränden, die besonders gefährlich und schwer zu bekämpfen sind. Andererseits gibt es aber auch Laubbäume mit extrem langsam verrottendem Laub (z.B. Eichen), welches eine hohe Brandlast bildet. Am besten sind daher Wälder mit abwechslungsreichem Baumbestand, Monokulturen sind sehr kritisch. Das Problem ist natürlich, dass Waldbesitzer möglichst viele einheitliche Hölzer zur Bewirtschaftung haben wollen.

  3. 23.

    Das Gesetz ist dringend notwendig und überfällig. Die Sommer in Mitteleuropa sollen immer heißer und trockener werden, also steigt die Waldbrandgefahr.

    Der letzte Abschnitt der Meldung ist widersprüchlich: Wenn die Forstverwaltung laut Schmidt jetzt doch so stark ist, warum bestehen dann Zweifel an der Umsetzung der Waldgesetz-Reform? An Kampfmitteln im Boden kann es nicht liegen, 88% der Flächen gelten als unbelastet. Etwa weil Waldarbeiter fehlen? Wie wäre es mit mehr Freiwilligen, beispielsweise Stellen in der Forstwirtschaft für das Freiwillige Ökologische Jahr. Derzeit entfällt nur ein Prozent der angebotenen Stellen des FÖJ auf diesen Bereich. Oder liegt es an Fehlplanungen (siehe Link „Löschwasserbrunnen“ im Artikel)?

    Hoffentlich bleibt die Erkenntnis, wie wichtig der Wald für die Menschheit ist, nicht im Gestrüpp der Bürokratie hängen.

  4. 22.

    Sicherlich gelingt es wegen der Bodenbeschaffenheit nicht, alle Koniferen-Monokulturen in Mischwald umzubauen. Einfacher ist das in Gebieten, wo statt der heimischen Misch- oder Laubwälder ortsfremde Nadelholz-Plantagen angelegt wurden, weil so schnell viel Holz geerntet werden kann.

    Es gibt durchdachte Konzepte, und es gibt bereits umgestaltete Wälder. Ihr Urteil „Grüne sind Träumer“ ist unangemessen.

  5. 21.

    „Die meisten Brände entstehen durch das Rauchen. Tabakverbot. Da sind andere Länder schon viel weiter.“
    Meines Wissens ist in keinem Land der Welt Rauchen generell verboten, das Ist auch nicht durchsetzbar. Es gibt nur Rauchverbote für bestimmte Räume wie Restaurants, Krankenhäuser usw. In manchen Ländern ist Rauchen im öffentlichen Raum auf reservierte Stellen begrenzt. Das könnte bei uns eingeführt werden und würde die Umweltverschmutzung durch Kippen verringern.

    Ebenfalls wichtig finde ich eine Sensibilisierung der Bevölkerung für die Waldbrandgefahr, beispielsweise durch Anzeigen der Gefahrenstufe an großen Straßen in der Nähe von Waldgebieten und durch Hinweise an Parkplätzen und ÖPNV-Stationen bei Naherholungsgebieten.

  6. 20.

    Mann sollte erstenmal in BRb eine feuerloscheinheit aufbauen dazu die entsprechende Ausrüstung richtige schutzkleidung Pumpen Fahrzeuge Leitungen in den Wäldern vor verlegen. Und mal nachdenken über loscheinheiten aus der Luft eigene Hubschrauber mit grosser traglasst und Flugzeuge an zu Schafen denn wenn Baumkronen brennen bringt es kaum von unten zu löschen.

  7. 19.

    Sorry dein Vorschlag ist Unsinn Wälder liegen höher als sehen und bb hat das Problem das kieferwalder Kies Boden haben dort wird kein andere baumart wachsen drauf und dein Wasser würde versichern schneller als es Pumpen könntest hinzu kommt wo willst das Wasser her holen Seen leer Pumpen. Grundwasser weiter senken.

  8. 18.

    Was bringt ein schneller Umbau du fällst Bäume es gibt noch mehr totholz. Pflanzt neue an bis sie groß sind dauert Jahrzehnte und ob diese auf den Boden überhaupt an wachen ist die Frage da die flächen für Wind und Sonne angreifbar sind ohne Regen werden auch diese Bäume nicht wachsen grüne sind Träumer. Warum werden nich brandschneissen angelegt an Straßen Häuser Autobahn bahntrassen um Waldbrände zu verhindern. Und Wälder sperren für Autos in Sommermonaten. Brunnen verschlimmern noch alles da das Grundwasser gesenkt wird die Bäume noch schneller vertrocknen wenn man überlegt wie viele Mio Liter enzogen werden dadurch bei Bränden. Man sollte über loscheinheiten nachdenken.

  9. 17.

    Da haben waldbesitzer und Staat selbst schuld schlacht Bäume hin und keiner kann mehr rein fahren. Problem gelöst. Es sind er die Probleme das an Autobahnen und Straßen bahndämme die brandschneisse fehlen wie auch bei Ortschaften. Auch durch abpumpen durch Brunnen singt der Grundwasser Spiegel und verschlimmert die Situation mit der trockenheit

  10. 16.

    @ Martin, dies alles mindert die schnelle Ausbreitung des Feuers. Aber was zum Teufel ist 'feuerfester Wald'?

  11. 15.

    @ Steffen, ist mir schon klar. Bleibt aber die Tatsache, dass Munition selten Brandursache ist. Also was ist 'feuerfeste Wald'?

  12. 14.

    Ja denke auch. Vielleicht kommt jemand mal auf die Idee und fragt beim lokalen öffentlichen Rundfunk nach, ob die mal recherchieren können. Die bringen hin und wieder auch solche grenzüberschreitenden Berichte.
    Polen oder Tschechien und ansatzweise MV dürften bei vielen naturbeeinflussten Problemen für Brandenburg relevanter als Berlin oder Bayern sein.
    Den "Wassernotstand" z.B. haben die östlichen Nachbarn schon vor einigen Wochen ausgerufen.
    Brennt es da auch so häufig? Kiefernwälder gibt es da auch reichlich.
    Wie ist die Feuerwehr und Forstverwaltung personell und technisch aufgestellt?
    Wie geht man dort mit den Kriegslasten um?

  13. 13.

    Hoffentlich wird dann bei der Forstverwaltung nicht noch weiter am Personal gespart. Immer wieder hört man, dass die Reviere größer werden und somit der einzelne Förster mehr Waldbesitzer betreuen muss, Fahrwege werden länger,...
    Und Landesforst wie auch Bundesforst müssten auf ihren Flächen als Vorreiter des Waldumbaus agieren.

  14. 12.

    Gutes Argument. Dann vielleicht eher ein Blick über die Oder nach Osten, die Sander und Endmoränen ziehen sich ja da ganze Warschau-Berliner-Urstromtal entlang, die Probleme könnten bei der Waldbewirtschaftung also auch ähnlich sein und bei der Munitionsbelastung war es auch die Stoßrichtung der Roten Armee auf Berlin.

  15. 11.

    Ausreichend Tiefbrunnen, Wasserentnahmestellen, sandige Waldschneisen in regelmäßigen Abständen, die dauerhaft frei von Bewuchs sind. Mittelfristig Wälder lichten, sodass mehr Laubgewächse im Unterholz wachsen. Das oberflächennahe Böden durch deren Wurzelwerk feuchter bleiben und das Laub den Boden kühlt vor direkter Sonneneinstrahlung, eine Selbstentzündunggefahr verringert wird. Gräben ziehen mit Anschluss an Seen, dass die Wälder mit Wasseradern durchzogen werden. Deren Wasserstand mit kleinen handbetriebenen Staustufen regulieren. Wie naturnahe Gärten nur eben im größeren Maßstab.

  16. 10.

    Könnte nachteilig für BB werden, da in Brandenburg mehrere Schwierigkeiten zusammentreffen und sich viele Probleme überlagern, die andere vielleicht nur zum Teil haben.
    Trockenheit, hoher Privatanteil, hoher Waldflächenanteil, hohe Munitionsbelastung, geringe Bevölkerungsdichte also wenig Personal für große Flächen, historisch "falsche" Baumarten etc.
    All dies und sicher noch einiges mehr dürfte in keinem anderen deutschen Land zusammen und so geballt auftreten. Daher ist föderale Gesetzgebung in dem Fall gar nicht so verkehrt.
    Schon auf der anderen Seite der Elbe dürfte das ganz anders aussehen. Die westlichen Allierten waren deutlich effizienter im Umgang mit Munition, um die Nazis zu besiegen was man u.a. vielen Städten in Thüringen oder Sachsen-Anhalt ansieht.

  17. 9.

    Munition erschwert nicht nur die Brandbekämpfung sondern auch die Brandprävention, weil eine normale Waldpflege auf solchen munitionsbelasteten Flächen kaum möglich ist. Also bleibt Totholz einfach im Wald liegen, weil sich keiner reintraut. Gebüsch kann ungehindert wuchern, weil die Beseitigung zu explodierender Munition führen kann. Somit hat ein Feuer ausreichend Nahrung, um sich schnell und ungehindert durch den Wald zu fressen. Natürlich braucht Natur auch ungehinderte Entfaltungsflächen, dann müssen diese aber auch mit Schneisen abgetrennt und gefahrlos betretbar sein. Brandschutz und Naturschutz sind leider oft gegenläufig.

  18. 8.

    Den Wald bei Waldbrandstufe dicht machen und das auch kontrollieren. Wenn ich sehe das aus Berlin kommende Badegäste mit Zigarette in den Wald gehen,oder sich mit ihren Autos vor eine Einfahrt zum Wald stellen,da frage ich mich ob die noch alle Sinne beieinander haben.
    Hauptsache ich kann baden gehen.
    Die Politik ist nur am quatschen,eh die was auf die Reihe bekommen,sind die Wälder abgebrannt.

  19. 7.

    Die meisten Brände entstehen durch das Rauchen. Tabakverbot. Da sind andere Länder schon viel weiter. Das wäre nicht nur gut fürs nicht vergiftete Grundwasser, für genervte Nachbarn, Bahnhöfe und Haltestellen, Eingänge zu allen möglichen Gebäuden und Märkten. Es liegen keine Kippen mehr überall herum, weniger Kranktage entlasten die Kassen und Arbeitgeber wie auch die Vertretungskollegen.

  20. 6.

    @ Martin, wie mach ich denn einen Wald "feuerfest". Die Munition ist meistens nicht ursächlich für den Brand sondern erschwerend für die Brandbekämpfung.

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