Cottbusser Fans zünden im April Pyrotechnik und stürmen den Platz beim Auswärtsspiel in Babelsberg (Quelle: imago/Draws).
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Energie-Präsident "tiefenentspannt" - DFB macht Cottbus-Skandalspiel zur Chefsache

Die Ausschreitungen beim Auswärtsspiel in Babelsberg im April 2017 könnten für Energie Cottbus weitere Konsequenzen haben. Nachdem der Nordostdeutsche Fußballverband das Verfahren unlängst einstellte, nimmt nun der Deutsche Fußball-Bund die Sache in die Hand. Von Philipp Büchner

Fußball-Regionalligist Energie Cottbus drohen erneut Konsequenzen nach dem Skandalspiel in Babelsberg im April 2017. Das Derby hatte kurz vor dem Abbruch gestanden, nachdem Vermummte aus dem Cottbus-Block versucht hatten, den Platz zu stürmen. Der Lausitzer Viertligist musste daraufhin 16.000 Euro Strafe zahlen.

Ein zweites Verfahren wegen antisemtischer Parolen und Hitlergrüße aus dem Cottbuser Fanblock hatte der Nordostdeutsche Fußballverband unlängst eingestellt, wie erst am Donnerstag bekannt wurde. Die Sache schien mit dem Erfolg vor dem Berufungsgericht für den FC Energie erledigt.

DFB hat "erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit"

Doch nun kündigt der Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Rainer Koch, auf der Internetseite des Verbands ein Nachspiel an: "Wir haben erhebliche Bedenken an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung des NOFV-Verbandsgerichts. Daher habe ich den DFB-Kontrollausschuss gebeten, diesen Fall eingehend zu prüfen und gegebenenfalls Revision beim DFB-Bundesgericht einzulegen. Rassismus und Diskriminierung haben im Fußball keinen Platz, und deshalb wäre es ein fatales Signal, wenn Vorfälle dieser Art ungeahndet bleiben würden." Im Klartext: Die Verbandsjuristen des DFB könnten den Fall nun neu aufrollen. Bei rassistischen Verfehlungen drohen Vereinen drastische Konsequenzen bis hin zum Ausschluss aus dem Wettbewerb.

Energie Cottbus zeigt sich "tiefenentspannt"

Damit beginnt das nächste Kapitel in einer monatelangen Kontroverse im Brandenburger Fußball, an der auch der SV Babelsberg 03 als Gastgeber der Partie im April beteiligt war und nach wie vor ist. Auch die Babelsberger fechten eine 5.000-Euro-Strafe wegen des Rufs "Nazischweine" an.

Der Präsident des FC Energie Cottbus, Michael Wahlich, zeigte sich in einer ersten Reaktion auf die überraschende Entwicklung auf rbb-Anfrage "tiefenentspannt." Er sehe keine andere Möglichkeit, als das Verfahren - wie der NOFV - für beendet zu erklären.

Später präzisierte Wahlich, dass er die "überzogene Formulierung von Dr. Koch" nicht verstehe. Zwar habe man fast erwartet, dass der DFB die Revisionsmöglichkeit nutzt. Allerdings habe man "keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entscheidung". Natürlich verurteile auch der FC Energie Cottbus "jegliches rassistisches oder diskriminierendes Verhalten". Allerdings seien die Vorfälle bereits in einem ersten Verfahren bekannt und dann nicht weiter verfolgt worden. Deshalb sei das Verfahren zu Recht eingestellt worden. "Auch der DFB wird sich sicher diesen rechtsstaatlichen Grundsätzen unterordnen", so Wahlich.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 11.01.2018, 19.30 Uhr.

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4 Kommentare

  1. 4.

    Es ist schon sehr verwunderlich, wenn man sich hinterher hinstellt und meint, dass ein Verfahren nicht auf den Grundsätzen des Rechtsstaates beruht hat.

    1. Es gab ein Verfahren und dort wurden die Vorwürfe nicht weiter verfolgt. Wessen Schuld ist das? Mit Sicherheit nicht
    die Schuld der beiden beteiligten Fußballvereine.

    2. Mal davon abgesehen, ist es durchaus zu überlegen, dass man gerade bei "Problemspielen" mit personalisierten
    Tickets arbeitet. Wenn mich nicht alles täuscht, dann fand das Spiel in Babelsberg statt. Das bedeutet, dass
    grundsätzlich erst einmal der HEIM-Verein für die Ausrichtung und die Sicherheit des Spiels zuständig ist und dieser
    HEIM-Verein hat sich mit dem GAST-Verein eng abzustimmen. Dieses wurde offenbar nur unzureichend durchgeführt.

    Schade das man nur 1000 Zeichen hat, denn ich könnte noch weitermachen.

  2. 3.

    Der Schein trügt, Herr/ Frau Nachdenker. Die von Ihnen angesprochenen Probleme sind auch in Cottbus nicht normal. Ihre Schmähungen sind im übrigen oberflächlich und beleidigend. Vielleicht sollten Sie vor dem Schreiben nachdenken.

  3. 2.

    Der Nachdenker aus Berlin hat es wohl nicht so mit dem Denken.
    Was soll das, eine ganze Stadt und einen Fußballverein mit all seinen Fans in die rechte Ecke zu stellen.
    Habt Ihr in Eurem größenwahnsinnigem Berlin nicht genug eigene Nazis, das Ihr Euch derart an anderen abarbeiten müsst?

  4. 1.

    Das scheint in Cottbus normal zu sein das rassistische und menschenverachtende Probleme der Bevölkerung unter den Teppich geschoben werden sollen! Wie ein brauner Faden zieht sich das durch diese Stadt. Glücklicherweise gibt es immer ein paar Menschen die das öffentlich machen und denen das auffällt. Ob Asylheim oder Stadion der Freundschaft.

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