Kristina Vogel und ihr Trainer bei der der Bahnrad-WM in Apeldoorn. (Quelle: imago/Thomas Frey)
Video: rbb Aktuell | 27.06.2018 | Rico Herkner | Bild: imago/Thomas Frey

Bahnradfahrerin im künstlichen Koma - Umfang der Verletzungen von Vogel immer noch unklar

Zwei Tage nach dem schweren Trainingsunfall von Kristina Vogel in Cottbus ist ihr Zustand stabil. Die Bahnrad-Olympiasiegerin liegt aber weiter im künstlichen Koma. Die Ärzte müssten sich nun einen Überblick verschaffen, sagte Vogels Manager Jörg Werner.

Nach dem Trainingsunfall auf der Radrennbahn Cottbus liegt die schwer verletzte Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel weiterhin im künstlichen Koma. Das sagte ihr Manager Jörg Werner am Donnerstag dem MDR. 

Zum vollen Umfang der Verletzung könne man seriös noch nichts sagen, so Werner weiter. "Da muss man abwarten und den Ärzten die Zeit geben, sich einen kompletten Überblick zu verschaffen." Wichtig sei zunächst gewesen, die Sportlerin in einer Not-OP zu stabilisieren, das sei gelungen. 

"Wir wollen die Ärzte in Ruhe arbeiten lassen"

Die Öffentlichkeit bat der langjährige Radsport-Manager um Zurückhaltung und Geduld: "Wir wollen die Ärzte in Ruhe arbeiten lassen. Es bringt jetzt nichts, jeden Tag irgendwelche Meldungen in die Welt zu setzen, wenn man seriös nichts sagen kann. Das braucht Zeit." Zwischenzeitlich hatte es geheißen, Vogel solle am Donnerstag aus dem künstlichen Koma geholt werden.

Vogel war am Dienstag beim Training auf der Radrennbahn in Cottbus mit einem niederländischen Bahnradfahrer zusammengestoßen. Dabei hatte sich die Erfurterin schwere Verletzungen an der Wirbelsäule zugezogen und am Rückenmark verletzt. In der Nacht zum Mittwoch wurde sie im Unfallkrankenhaus Marzahn operiert. Seitdem liegt Vogel im künstlichen Koma. "Die Operation war erfolgreich, aber nach Aussagen der Ärzte sind noch weitere Operationen notwendig", hatte Bundestrainer Detlef Uibel am Mittwoch dem rbb gesagt. 

Vogel und Niederländer trainierten gleichzeitig

Uibel bezeichnete den Unfall als "Verkettung unglücklicher Umstände". Die elfmalige Bahn-Weltmeisterin hatte auf der Betonbahn mit der vierfachen Junioren-Weltmeisterin Pauline Grabosch Start und Wechsel geübt. Gleichzeitig wollte der niederländische Junioren-Fahrer auf der Gegenseite ebenfalls einen stehenden Start probieren. Als Grabosch von der Bahn fuhr, beschleunigte Vogel und kollidierte dann mit dem Niederländer. 

"Dem jungen Holländer ist kein Vorwurf zu machen", sagte Uibel. Zwar könne man versuchen, den Ablauf im Training mit mehr Regularien einzuschränken. So wird es laut Uibel bei Weltcups, EM und WM gemacht und auch überwacht. "Das ist aber bei kleineren Veranstaltungen schwer leistbar und war bisher auch nie ein Problem", so der Bundestrainer.

Wie der niederländische Radsportverband mitteilte, erlitt der Junioren-Fahrer keine ernsthaften Verletzungen. "Sein Zustand ist okay", erklärte ein Sprecher. 

Maximilian Levy nach Unfall geschockt

Vogels Mannschaftskollege Maximilian Levy war zum Zeitpunkt des Unfalls auch auf der Bahn. "Den Unfall an sich habe ich nicht gesehen. Ich war als Ersthelfer bei Kristina und habe mich um die Versorgung gekümmert", so der 31-Jährige.

"Ich war genau gegenüber auf der anderen Geraden und habe es krachen gehört. Anhand der Geräusche weiß man ungefähr einzuordnen, wie schwer das ist. Man geht in diesem Moment trotzdem nicht vom Schlimmsten aus und versucht, denjenigen zu beruhigen", so der sichtlich schockierte Berliner.

Archivbild - Pauline Grabosch bei der Bahnrad-EM in Berlin. (Quelle: imago/Annegret Hilse)
Vogels Teamkollegin Pauline Grabosch | Bild: imago/Annegret Hilse

"Großer Preis" findet statt - hat aber "keinen Stellenwert mehr"

Vogels Teamkollegin Grabosch und weitere Nationalfahrer wie Maximilian Levy sollen am Freitag wie geplant beim 28. Großen Preis von Deutschland in Cottbus um Siege und Punkte kämpfen.  Am Mittwoch gab der Veranstalter, der RSC Cottbus, bekannt, dass das Rennen trotz des Unfalls stattfindet. "Wir haben mit dem Bundestrainer beraten und entschieden, die Veranstaltung auszurichteten", sagte RSC-Geschäftsführer Axel Viertler.

Absagen von den Sportlern gibt es derzeit den Angaben zufolge nicht. Radprofi Levy erklärte aber: "Der Wettkampf hat natürlich keinen Stellenwert mehr für uns." Grabosch absolvierte am Mittwoch bereits wieder eine Trainingseinheit. "Sie hat überraschend gut trainiert, ist aber mental natürlich am Boden", sagte Bundestrainer Uibel. Auf Instagram schrieb Grabosch zu dem Unfall, es gebe "keine Worte, welche die jetzige Situation beschreiben könnten". 

Vogel bereits als 18-Jährige auf der Straße verunglückt

Auch Vogels langjährige Teamkollegin Miriam Welte zeigte sich von dem Unfall "geschockt und fassungslos". Welte hofft nun, dass alles gut verlaufe, sagte sie der Deutschen Presseagentur am Mittwoch. "Kristina ist eine absolute Kämpferin und ein positiver Mensch, sie ist schon einmal nach einem schweren Unfall zurückgekommen." 

2009 mit gerade 18 Jahren war Vogel beim Training auf der Straße schwer verunglückt. Erinnerungen an das Unglück hat Vogel nicht, auch dies war ein Grund, weswegen sie schon neun Monate danach wieder ein Rennen fuhr.

Sendung: Brandenburg aktuell, 28.06.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Gute Besserung und alles erdenklich Gute, und hoffentlich auch eine Fortsetzung der so erfolgreichen
    Sportkarriere für Christina. Wir schätzen sie sehr!!!

  2. 3.

    Alles erdenklich Gute und eine hoffentlich vollständige Genesung wünsche ich dieser Klasse-Sportlerin.
    Hoffentlich ist die Behandlung und Reha versicherungsmäßig gut abgedeckt!

  3. 2.

    Alles Gute, Kristina !

  4. 1.

    Als geborener Cottbuser habe ich mit großer Bestürzung diesen schrecklichen Unfall aufgenommen. Ich wünsche ihr baldige und vollständige Genesung.

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