Herthas U23 besiegt am 30.07.19 den Drittliga-Absteiger und Traditionsverein FC Energie Cottbus mit 5:2./31. August 2019 im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam: SV Babelsberg 03 - VfB Germania Halberstadt Trainer Marco Vorbeck ( Babelsberg )/FC Viktoria 1889 - FC Energie Cottbus, Felix Brügmann (Energie Cottbus), am 28.08. 2019. (Quelle: imago images/Patrick Franck/Matthias Koch)
Bild: imago images/Patrick Franck/Matthias Koch/Metodi Popow

Das große Regionalliga-Zwischenzeugnis - Starke Bubis, furioser Aufsteiger und strauchelnde Favoriten

Sieben Spieltage sind in der Regionalliga Nordost absolviert. Am Wochenende ist Pause. Der Landespokal steht an. Zeit also für ein erstes Zwischenzeugnis für die zehn Teams aus der Region - mit einem sehr guten Liganeuling und einem schwachen Aufstiegsaspiranten.

Note 1

Kaum jemand hat ihnen wirklich etwas zugetraut. Und so staunt die Regionalliga Nordost über Lichtenberg 47. Die Hälfte seiner sechs Spiele hat der Aufstieger gewonnen - und sich gegen die vermeintlich Großen völlig unbeeindruckt gezeigt. Den Berliner AK bezwang das Team von Uwe Lehmann mit 1:0. Wacker Nordhausen ging im Hans-Zoschke-Stadion gar mit 1:5 unter.

"Man muss anerkennen, dass es völlig sensationell ist", sagte der Trainer danach im Gespräch mit rbb|24 - bremste jedoch auch die Euphorie: "Es gilt einzuordnen, dass das wahrscheinlich nicht so oft passieren wird." Das zeigte sich etwa am vergangenen Sonntag. Da verloren die Lichtenberger mit 0:2 bei Mitaufsteiger BSG Chemie. An einer Tatsache ändert das nichts: Der Aufsteiger ist vielleicht das Überraschungsteam der ersten Spieltage.

Bilanz: 6 Spiele - 8:6 Tore - 10 Punkte - Platz 8

Die Auftritte von Hertha II sind weniger überraschend - aber dadurch nicht minder beeindruckend. Der Nachwuchs des Fußball-Bundesligisten ließ sich von der Auftaktpleite bei Lok Leipzig nicht beirren und holte danach sechs (!) Siege in Folge. Die Belohnung für den sportlichen Höhenflug? Tabellenplatz eins. Erst Wacker Nordhausen stoppte das Team von Andreas "Zecke" Neuendorf am Mittwochabend - und das auch, weil das Prunkstück der Mannschaft schwächelte: die Offensive. 25 Tore haben die Hertha-Bubis bereits erzielt. Das sind deutlich mehr als jeder andere Verein in der Liga.

Das sei auch ein Verdienst des Trainers, sagte Kapitän Tony Fuchs im rbb|24-Gespräch: "Er ist ein echter Typ. Er will, dass wir uns vorne keine Platte machen und volle Kanone spielen. Dieser Power-Fußball macht unglaublich viel Spaß." Und dann profitieren die jungen Herthaner auch noch von der Hilfe von oben: Profi-Neuzugang Daishawn Redan vom FC Chelsea steuerte in der Regionalliga schon vier Tore bei.

Bilanz: 8 Spiele - 25:9 Tore - 18 Punkte - Platz 1

Note 2

Einen einstelligen Tabellenplatz hat sich die VSG Altglienicke vorgenommen - und liegt nach sieben Spielen voll auf Kurs. Nach Platz 14 und 15 in den ersten beiden Regionalliga-Jahren ist der Verein auf einem guten Weg, die Kellerkind-Zeit tatsächlich zu beenden. In der Englischen Woche gab es zuletzt aus den Spielen gegen BAK, BFC und Wacker Nordhausen sechs Punkte - eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Mit der Berliner Fußball-Größe Karsten Heine scheint der Club den Trainer gefunden zu haben, der den leicht ruckelnden Aufbau-Prozess mit einem verjüngten Team wieder richtig anschiebt. 

Bilanz: 7 Spiele - 16:10 Tore - 13 Punkte - Platz 4

Christian Benbennek bei einem Spiel des BFC Dynamo. Quelle: imago images/Matthias Koch
BFC-Coach Christian Benbennek. | Bild: imago images/Matthias Koch

Platzierung und Punktzahl sprechen für den runderneuerten BFC Dynamo. Der Trend tut es hingegen nicht. Zunächst holten die Weinroten neun Punkte aus den ersten drei Spielen. Die Maximal-Ausbeute - und eine positive Überraschung durch das Team, das nach einer Katastrophen-Saison einen großen personellen und finanziellen Umbruch hinter sich hatte. Doch danach kamen nur noch magere zwei Zähler dazu. Im dicht gedrängten Mittelfeld der Regionalliga Nordost, die in dieser Saison sehr ausgeglichen wirkt, kann der BFC die Pole Position damit nur noch knapp halten. Gleich fünf Teams lauern hinter der Mannschaft von Christian Benbennek mit jeweils zehn Zählern auf der Haben-Seite.

Bilanz: 7 Spiele - 9:10 Tore - 11 Punkte - Platz 5

Der Start war mau. Auf ein Unentschieden folgten drei Niederlagen und Union Fürstenwalde stand mit nur einem Punkt auf einem Abstiegsplatz. Das lag daran, dass der Verein es gleich zu Beginn mit einigen Liga-Schwergewichten zu tun bekam. Doch Matthias Maucksch - vor der Saison zum zweiten Mal auf die Trainerbank des Clubs zurückgekehrt - haderte auch mit der Einstellung. "Wir haben zu wenig Mentalität gezeigt. Teilweise haben wir wie eine Jugendmannschaft agiert. Uns ist die Bissigkeit abgegangen", sagte er dem MDR, als sein Team auch am 4. Spieltag gegen Wacker Nordhausen verlor.

Es wirkte fast wie in der Vorsaison. Da musste Fürstenwalde acht Spieltage auf den ersten Sieg warten. Aber diese Negativ-Erfahrung wiederholte sich nicht. Im Gegenteil. Die Gegner wurden machbarer - und die Ergebnisse besser. Ganz entscheidend sogar. In der Englischen Woche legte Fürstenwalde zuletzt einen wahren Punkte-Sprint hin. Aus den Spielen gegen Babelsberg, die BSG Chemie und Bischofswerda gab es die vollen neun Punkte. Der Lohn? Ein Satz in der Tabelle von Platz 15 auf sechs. "Wenn ich einen Wunsch frei hätte, könnten wir vielleicht noch einmal einen einstelligen Tabellenplatz erreichen", hatte Maucksch vor der Saison gesagt. Es scheint möglich.

Bilanz: 7 Spiele - 10:7 Tore - 10 Punkte - Platz 6

Note 3

Wirtschaftliche Stabilität und sportliche Entwicklung. Das waren die Ziele von Viktoria 1889 nach den Turbulenzen um den chinesischen Investor, die im Dezember 2018 in der Insolvenz endeten und den Verein in der vergangenen Saison auch in der Schlussabrechnung neun Punkte kosteten. Die konkreten fußballerischen Ambitionen für die laufende Spielzeit hatte der neue Trainer Benedetto Muzzicato bei rbb|24 ausgegeben: "Das Ziel muss sein, dass man die Top 5 erreicht."

Eine durchaus selbstbewusste Aussage. Ob sie auch realistisch ist? Momentan noch schwer abzusehen. Als aktuell Siebter liegt der Club inmitten der fünfköpfigen Gruppe der Zehn-Punkte-Teams. Interessant ist der Blick auf das Torverhältnis. Erst sieben Mal gab es einen Torjubel der Hellblau-Weißen, aber sie mussten auch nur vier Gegentore hinnehmen. Offensives Spektakel ist selten, defensive Stabilität die Regel. Kein Team verteidigte effektiver. Die Folge der Treffer-Gegentreffer-Relation zeigt sich an den Ergebnissen: Gleich drei Spiele endeten 0:0.

Bilanz: 7 Spiele - 7:4 Tore - 10 Punkte - Platz 7

Note 4

Nach sieben Spielen ist eine Erkenntnis unbestritten: Claus-Dieter Wollitz hatte Recht. Der Trainer von Energie Cottbus hatte immer wieder gemahnt, sein Team sei nicht bereit für die Plätze ganz oben in der Tabelle. "Die Mannschaft ist noch nicht reif und wird diese Saison noch lange nicht soweit kommen, um das Ziel Wiederaufstieg zu schaffen", hatte er gesagt - und Realismus gefordert. Bei einem Team, dessen ziemlich kleiner Kader im Schnitt gerade einmal rund 22 Jahre alt ist.

Das zeigt sich auch auf dem Platz. Etwa bei der Zahl der Gegentore. 17 kassierten die Lausitzer bislang und damit mehr als jedes andere Team der Liga. Es ist auch Zeichen einer gewissen jugendlichen Unerfahrenheit, ja Naivität im Abwehrverhalten - das mit dazu beitrug, dass der Saisonstart der Cottbuser insgesamt eher ernüchternd war. Der Tiefpunkt? Die 1:4-Heimniederlage gegen den damaligen Tabellenletzten VfB Auerbach. Energie ist aktuell Regionalliga-Mittelmaß - auf dem Platz und in der Tabelle.

Bilanz: 7 Spiele - 17:17 Tore - 10 Punkte - Platz 10

Note 5

Das hatten sie sich beim Berliner AK ganz anders vorgestellt. Der Club wollte nach den Plätzen drei und zwei nach ganz oben vorpreschen und gab selbstbewusst die Meisterschaft als Ziel aus. Es ging auch gut los. Drei Spiele, drei Siege - der BAK marschierte vorweg. Doch es folgte der Einbruch. Das Team verlor gegen Lichtenberg, Altglienicke und Hertha II.

Die Verantwortlichen zogen gleich Konsequenzen. Der Vertrag mit Trainer Ersan Parlatan wurde aufgelöst. "Wir mussten reagieren. Wir haben nach dem Spiel gegen Altglienicke gesehen, dass da was nicht stimmt", sagte der Sportliche Leiter Mehmet Öztürk. Mit dem Interimstrainer Munier Raychouni gab es ein 1:1 gegen Erfurt. Als Tabellenneunter mit acht Punkten Rückstand auf die Spitze scheint das Ziel Aufstieg früh in der Saison in weite Ferne gerückt zu sein.

Bilanz: 7 Spiele - 11:10 Tore - 10 Punkte - Platz 9

Babelsberg-Trainer Marco Vorbeck (Quelle: imago images / Manngold)Enttäuschung bei Trainer Marco Vorbeck: Babelsberg 03 wartet noch immer auf den ersten Saisonsieg.

Beim SV Babelsberg 03 hatten sie bereits geahnt, dass es keine leichte Saison werden würde. Nicht nur, dass der ohnehin nicht üppige Etat noch einmal gekürzt wurde. Schon in der Vorbereitung hatten die Nulldreier mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen. Und das änderte sich auch in den ersten Wochen der Saison nicht. "Wir haben nach wie vor zu viele Ausfälle. Die Leistungsträger, die nicht mitwirken können, tun uns weh - und das merkt man dann halt auch immer wieder", sagte der neue Trainer Marco Vorbeck rbb|24.

Keinen Sieg konnten die Babelsberger bisher feiern und sind mit vier Punkten Drittletzter. Zumindest Stand jetzt ist damit das formulierte Ziel - "Nicht absteigen wäre schon mal schön" (O-Ton Vorbeck) - in Gefahr. Von einer Krise zu sprechen hält der ehemalige Bundesliga-Stürmer dennoch für verfehlt. "Es geht Stück für Stück voran. Die Mannschaft findet sich langsam. Aber die Punktausbeute entspricht natürlich nicht dem, was wir uns vorgenommen haben - und auch möglich gewesen wäre", sagte er - und: "Es ist ein normaler Entwicklungsprozess, den wir haben. Wir brauchen mehr Konstanz. Und einen Sieg, um mal richtig in die Saison reinzukommen. Ich war mit den Spielen an sich nicht unzufrieden, sondern vor allem mit den Ergebnissen."

Bilanz: 6 Spiele - 6:9 Tore - 4 Punkte - Platz 16

Es war in der vergangenen Saison so und ist auch in der neuen nicht anders: Optik Rathenow - überhaupt nur in der Liga geblieben, weil der FC Oberlausitz Neugersdorf zurückzog - steckt tief im Tabellenkeller. Dabei sollte es eigentlich anders laufen. "Wir wollen natürlich die Chance nutzen, dieses Jahr von Anfang an Gas zu geben und drin zu bleiben", hatte Ingo Kahlisch vor dem Start der Spielzeit gesagt. Nun haben die Rathenower im 30. Dienstjahr ihrer Trainer-Legende aus sechs Spielen gerade einmal zwei Punkte geholt und stehen auf dem vorletzten Tabellenplatz. Dass sie weiterhin auf den ersten Sieg warten, liegt auch an einer besorgniserregenden offensiven Flaute: Gerade einmal drei Treffer konnte die Mannschaft bejubeln. Negativwert der Liga.

Bilanz: 6 Spiele - 3:16 Tore - 2 Punkte - Platz 17

Sendung: rbb24, 02.09.2019, 21.45 Uhr

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