Kevin Weidlich jubelt im Trikot von Energie Cottbus. (Quelle: imago images/Christian Schroedter)
Bild: imago images/Christian Schroedter

Interview | Kevin Weidlich - Warum der Ex-Cottbus-Kapitän noch keinen neuen Verein hat

Kevin Weidlich war in der vergangenen Saison Kapitän von Energie Cottbus in der Dritten Liga - heute ist er vereinslos. Im Interview spricht der 30-Jährige über die Gründe, seinen neuen Alltag und die Suche nach dem passenden Verein.

rbb|24: Herr Weidlich, Sie sind momentan vereinslos. Wie sieht gerade Ihr Alltag aus?

Kevin Weidlich: Ich habe das Glück, dass mein bester Freund Personal Trainer ist, von daher bin ich jeden Tag bei ihm und trainiere - meistens vormittags. Er stellt mir jede Woche einen neuen Plan mit unterschiedlichen Workouts zusammen. Da geht es von Ausdauer über Krafttraining bis zu Sprinteinheiten. Und seit letzter Woche trainiere ich im Verein meines Jugendtrainers in Hamburg mit. Ansonsten schaue ich ganz viele Fußballspiele. Der Fußball, auch wenn es momentan schwierig ist, ist immer noch Hauptthema.

Sie waren in der vergangenen Saison Kapitän von Energie Cottbus in der Dritten Liga - wie kann es sein, dass Sie jetzt ohne Vertrag dastehen?

Ich glaube, da spielen mehrere Faktoren zusammen. Ich hatte Angebote, die sehr konkret waren. Einige Vereine haben sich um mich bemüht. Aber beispielsweise der Standort war ein wichtiges Kriterium - das hat dann nicht gepasst. Ich wollte etwas an der Situation ändern, dass meine Familie in Hamburg ist und ich weit weg und pendeln muss. Von daher habe ich die Angebote abgelehnt und abgewartet, dass sich noch andere Möglichkeiten ergeben. Das war nicht der Fall. Ich bleibe aber positiv, jeden Tag kann etwas passieren.

Das heißt, Sie sitzen momentan auf heißen Kohlen und schauen ständig auf Ihr Handy, ob sich ein Verein meldet?

Die Vereine melden sich ja schon. Seit Beginn der laufenden Saison hat mein Telefon regelmäßig geklingelt. Ich bekomme schon fast täglich Anrufe, aber eben von Vereinen, bei denen ich mich momentan nicht sehe. Deshalb habe ich mir gesagt, dass ich jetzt Geduld mitbringen muss. Klar ist das jetzt eine sehr schwere Phase, nicht zu spielen, keine Mannschaftskollegen um sich herum zu haben, keinen Wettbewerbsbetrieb. Aber das ist jetzt nun mal so und ich muss das Beste daraus machen.

Dann beschreiben Sie doch am besten nochmal die Phase direkt nach Ende der vergangenen Saison - nach dem Abstieg mit Energie in die Regionalliga.

Nach dem letzten Spiel, dem gewonnen Landespokalfinale in Rathenow, kamen wir in die Kabine und man hat schon gemerkt: Das ist das Ende einer Ära. Wir hatten zwar den Pokal geholt, aber die Stimmung war gedrückt. Wir wussten, dass Spieler den Verein verlassen würden. Meiner Zukunft war ich mir noch nicht sicher - ich hatte zu dem Zeitpunkt aber auch nicht den Kopf dafür. Spätestens als ich dann aus dem Urlaub zurückkam, begann die Phase, in der ich mich neu orientieren musste. Einige sagen, ich hätte zu spät damit angefangen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Dass etwas falsch gelaufen ist, weiß ich jetzt selbst.

Aber Ihr Ziel war von vornherein weiter in der Dritten Liga zu spielen...

Ja, auf jeden Fall. Wenn ich jetzt hier etwas anderes sagen würde, wäre das gelogen. Und es ist auch immer noch mein Ziel. Auch wenn das für den einen oder anderen unrealistisch scheint. Ich weiß, welche Qualitäten ich habe und bin überzeugt, dass ich einigen Mannschaften in der Dritten Liga helfen kann.

Kevin Weidlich freut sich über den Sieg im Landespokal. (Quelle: imago images/Steffen Beyer)

Sie waren im August bei Hansa Rostock zur Laufanalyse: Wieso hat es mit den Hanseaten nicht geklappt?

Es gab gute Gespräche danach. Sehr offene Gespräche. Aber ich war nicht bei 100 Prozent. Es ist sowieso schwierig, das Maximum zu erreichen, wenn man sich selbst fit hält und nicht im Mannschaftstraining steht. Hansa brauchte jemanden, den sie am Wochenende direkt reinwerfen können, der sofort funktioniert. Zu dem Zeitpunkt lief es bei ihnen nicht gut und sie konnten es sich nicht erlauben, einem Spieler zwei bis drei Wochen Eingewöhnungszeit zu geben. Ich habe das damals alles etwas anders gesehen, habe die Entscheidung aber natürlich akzeptiert.

Was macht es mit einem Fußballer, wenn er vereinslos ist?

Ja, es ist eine sehr schwere Phase. Aber ich habe Gott sei Dank meine Familie und meine Freunde um mich herum, die mir immer weiter Mut zu sprechen. Ich bleibe positiv und werde weiter ackern.

Haben Sie mit dem Gedanken gespielt, mit Fußball aufzuhören?

Nein, momentan nicht. Klar wird häufig gesagt, mit 30 Jahren ist es schwer. Aber ich fühle mich gut. Deshalb habe ich solche Gedanken nicht.

Wie in anderen Berufen auch, stellt sich die Frage, wie Sie sich als vereins- und vertragsloser Fußballer finanzieren...

Ich bin arbeitslos gemeldet. Ich hab mein Leben lang Fußball gespielt. Wenn es das nicht gegeben hätte, wäre es jetzt sehr kritisch.

Wie schauen Sie auf Ihre Zeit in Cottbus zurück? Sind Sie mit dem Verein im Guten auseinander gegangen?

Ich glaube schon. Es gab einfach am Ende keinen Anruf mehr vom Verein. Das habe ich dann so verstanden und akzeptiert. Ich hatte natürlich trotzdem drei wundervolle Jahre und wünsche Energie alles Gute. Ich habe noch zu sehr vielen aktuellen und Ex-Spielern Kontakt, die waren für mich wie eine Familie. Wir haben immer noch eine Whatsapp-Gruppe von früher.

Hätten Sie sich von Energie Cottbus mehr Initiative gewünscht, Sie zu halten?

Ich habe von Energie einfach nichts mehr gehört. Letztendlich wurde es dann irgendwie so dargestellt, als hätte ich ein Angebot abgelehnt und mehr Geld gefordert. Daraufhin bekam ich viele Mails und Nachrichten und wurde darauf aufmerksam und habe beschlossen, das nicht so auf mir sitzen zu lassen. Es gab letztendlich nie ein Angebot - ob ich eines angenommen hätte, ist nochmal eine andere Frage. So haben sich dann wie Wege getrennt. Als Leistungsträger, der ich auch war, hätte ich mir schon gewünscht, dass man sich um meine Person etwas mehr bemüht hätte - oder zumindest eine Tür offen gehalten hätte.

Setze Sie sich denn eine Deadline? Wenn bis zum Tag X kein richtiger Verein dabei war, dann orientiere ich mich um?

Allerspätestens zur Rückrunde will ich wieder aktiv bei einem Verein spielen. Ich bin guter Dinge, dass da etwas passieren wird.

Sind Sie bei der Vereinssuche vielleicht zu wählerisch?

Mag sein. Aber es ist schwer, immer die richtige Entscheidung zu treffen. Ich hatte aus der Regionalliga wirklich gute Angebote dabei. Aber es hat sich für mich einfach nicht richtig angefühlt. Ich bin ein Bauchmensch - so habe ich meine Entscheidung für Cottbus vor drei Jahren auch getroffen - und so werde ich auch meinen Weg weiter gehen. Ich bin davon überzeugt, dass nochmal das Richtige für mich kommen wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Uri Zahavi.

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