Wollen weiter jubeln: Claus-Dieter Wollitz und seine Cottbuser Spieler. / imago images/Steffen Beyer
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Energie Cottbus erwartet Chemie Leipzig - Euphorisch ja, überheblich nein

Vier Siege, zwei Remis. So lautet die Bilanz von Energie Cottbus aus den vergangenen sechs Regionalliga-Partien. Die Lausitzer sind damit an die Spitzenteams herangerutscht - und wollen den Lauf gegen Chemie Leipzig fortsetzen. Von Johannes Mohren

Die Laune in der Fußball-Lausitz ist gut. Da macht auch Claus-Dieter Wollitz keine Ausnahme. "Wir dürfen optimistisch sein - und euphorisch", sagt der Cheftrainer des FC Energie Cottbus. Vier Siege und zwei Unentschieden hat sein Team aus den vergangenen sechs Spielen in der Regionalliga Nordost geholt.

Und so ist bei den Pressekonferenzen - zu Saisonbeginn oft noch eher mittelschwere Krisensitzungen - das gewachsene Selbstbewusstsein spür- und vor allem hörbar. "Unsere Situation ist sicherlich nicht schlecht. Wir haben zugelegt. Das sieht man", sagt der 54-jährige Wollitz vor dem Heimspiel gegen die BSG Chemie Leipzig (Sonntag, 13:30 Uhr). Das Ziel? Ganz klar: "Ich habe absolut die Erwartung, dass wir am Sonntag die drei Punkte holen."

Beide Außenverteidiger könnten ausfallen

So wie beim bislang letzten Liga-Auftritt in Nordhausen. Einem der Top-Teams der Liga. Was seine Elf da in den ersten 35 Minuten auf den Platz brachte, lässt Wollitz immer noch schwärmen - und im Regal der Superlative weit nach oben zugreifen. "Das war für mich das Beste in der Zeit, seit ich 2016 hierhin gekommen bin", sagt er. Beeindruckt davon, "wie ein Team so geil spielen kann, nach so kurzer Zeit". Der Trainer merkt, wie etwas zusammenwächst. Wie die Spieler ankommen. Sich wohlfühlen. Und gerne zuhause spielen. Am Sonntag eben gegen die BSG Chemie aus Leipzig.

Mit Sir Alfred Ernest Ramsey kann es Claus-Dieter Wollitz dabei nicht halten. Selbst wenn er es gerne wollte. "Never change a winning team", sagte einst der - inzwischen verstorbene - Mann, der England zum Titel bei der Heim-WM 1966 führte. Sein Cottbuser Trainer-Kollege ist Jahrzehnte später trotz Siegen zum Wechseln gezwungen. Tobias Hasse ist nach seiner Gelb-Roten Karte aus dem Spiel in Nordhausen gesperrt. Einen Außenverteidiger muss Wollitz also ganz sicher ersetzen. Und es sieht so aus, als könnte noch ein zweiter hinzukommen. Axel Borgmann habe "oberhalb der Kniescheibe Probleme", berichtet der Trainer.

Chemie kommt mit Derby-Rückenwind

Die Prognose? Eher ungünstig. "Da laufen noch Untersuchungen. Das wird eng bis Sonntag. Aber wir hoffen natürlich", sagt Wollitz.  Fallen beide aus, "könnte das bedeuten, dass wir höchstwahrscheinlich ein anderes System spielen". Und das gegen einen Gegner, der sich im Aufwind befindet. Zwei Wochen ist es her, dass die BSG Chemie das 103. Leipziger Derby gewann - und Stadt-Rivale Lok die erste Saisonniederlage überhaupt zufügte. Ein Ausrufezeichen des Tabellenelften. Sportlich, aber auch emotional. Es folgte der Einzug ins Landespokal-Achtelfinale bei Budissa Bautzen. "Sie werden daher mit Selbstbewusstsein antreten", sagt Wollitz.

Es ist der Satz, mit dem der 54-Jährige den mahnenden Teil der Pressekonferenz vor dem Spiel einleitet - und mit ihm auch so schnell nicht wieder aufhört. "Sie fighten, sind bei zweiten Bällen sehr gut organisiert und treten sehr geschlossen auf. Da spürt man auch die Euphorie eines Aufsteigers", betont er. Für Überheblichkeit ist da - bei aller berechtigten Energie-Euphorie - kein Platz. Im Gegenteil. Es gelte, das höchste Maß an Konzentration und Disziplin zu bringen, sagt der Trainer - oder in Wollitz-Worten formuliert: "Wir müssen alle Antennen ausfahren."  

Mut zum Risiko

Fordern will Cottbus den Gast mit Top-Speed - und dabei auch durchaus dem Mut zu einem gewissen Risiko. "Ich will ein hohes Spieltempo. Ich glaube, darin liegt der Schlüssel. Das bedeutet auch, dass man mal einen Fehlpass spielt oder in ein Dribbling geht, wenn man es besser nicht gemacht hätte", sagt der Trainer. Begeisterung und Freude will er sehen - und Dankbarkeit für die Situation, die man sich aus dem Nichts erarbeitet habe. "Ich bin mir sicher, dass die Jungs alles rauspusten, was in ihnen steckt." Gerade haben sie sich an die Spitzenplätze rangepirscht. Und wollen sich nicht mehr abschütteln lassen. Sie haben die Tabellenspitze anvisiert - und beim Blick auf dieses entscheidende Zahlenwerk wäre ein weiterer Erfolg "enorm wichtig", weiß auch Wollitz.

"Ich rechne uns schon aus, dass wir weiter ärgern und die besseren Plätze angreifen. Ob das dann am Ende reicht, hängt an mehreren Faktoren", sagt er. Einer von ihnen: die Kaderbreite. Möglicherweise gibt es in (sehr) naher Zukunft auch noch einen Neuzugang. Gespräche laufen. "Es liegt definitiv nicht am Geld", sagt Wollitz. Vielmehr geht es um die Teamchemie. Um das Gefüge, das gerade zusammenwächst. "Wenn ich jetzt jemanden hole, erwartet jeder, dass er Stammspieler-Potenzial hat. Sonst brauche ich ihn nicht verpflichten", betont der Trainer. Das hieße aber gleichzeitig auch, dass "irgendein Spieler auf der Strecke bleiben kann".

Neuzugänge. Auch im Plural!

Dass personell etwas passieren wird, ist jedoch äußerst wahrscheinlich. Nur eben mit Bedacht. Der Kader war vor der Saison sehr klein - und ist es noch immer. "Ich weiß, dass wir in der Breite besser werden und auch qualitativ noch ein Stück zulegen müssen. Ich muss entscheiden, was für den Verein kurz-, mittel- und langfristig das beste ist", sagt Wollitz. Er gehe daher davon aus, "dass wir vor der Tranferperiode im Januar noch Spieler verpflichten". Der erfahrene Coach nutzte die Pluralform. Und dass er das tat, war keinesfalls ein Versehen.

Doch erst einmal gilt es für die bestehende Mannschaft, die Erfolgsserie fortzuschreiben. Am Sonntag. Gegen Chemie Leipzig. Damit die Euphorie im Team bleibt. Und vielleicht sogar - zu Beginn der Saison schon schnell abgehakten - Aufstiegsträume neu aufleben.

Sendung: rbb UM6, 20.10.2019, 18:15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Unglaublich, wie es Pelé (erneut) innerhalb 3 Monaten geschafft hat, aus dem „nichts“ so eine super Truppe zu formen. Besser geht es nicht! Chapeau, unabhängig vom heutigen Ergebnis im SdF.

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