Einwohner im Saal des Gasthauses in Klein Oßnig (Quelle: IHK Cottbus)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.07.2018 | Anke Blumenthal

Lärmschutz an der B 169 - Donnernde LKW: Schlaflos in Klein Oßnig!

Verkehrslärm statt Vogelzwitschern - und das rund um die Uhr. Die Einwohner von Klein Oßnig  südlich von Cottbus sind nicht zu beneiden. Täglich donnern hier 1.400 LKW über die Bundesstraße 169. Die Proteste sind laut und sie werden jetzt zumindest teilweise erhört. Ein LKW-Fahrverbot oder eine Ortsumfahrung gibt es zwar nicht, aber die besonders Geplagten sollen Schallschutzfenster bekommen.

Am Dienstag gab es dazu in Klein Oßnig eine Info-Veranstaltung. Und zwar bei geschlossenen Fenstern!

Denn draußen dürfte kaum jemand sein eigenes Wort verstehen. Edeltraut Müksch erzählt, dass sie während der 90-minütigen Veranstaltung 90 LKW gezählt hat, die an der Gaststätte vorbeigedonnert sind. Macht pro Minute einen 12-Tonner.

Flucht aus dem Schlafzimmer

Evelyn und Siegfried Henke wohnen seit 30 Jahren in Klein Oßnig. Damals sei noch nicht so viel Verkehr gewesen, erzählen sie. Sonst hätten sie das Grundstück nie gekauft. Siegfried Henke hat schon eine Herz-OP gehabt, ist aus dem Schlafzimmer ausgezogen. Eine Flucht vor dem Lärm, den er für seinen Gesundheitszustand mitverantwortlich macht.   

Jetzt sollen Schallschutzfenster einschließlich Lüftung Abhilfe leisten. Die Kosten dafür werden zu 100 Prozent von Bund und Land übernommen. Dass das Land mitbezahlt, ist etwas Besonderes, heißt es. Die Betroffenen im Saal  tröstet es wenig. Dietmar Horke hat schon mal angekündigt, gegen den Landkreis zu klagen.

Dieser sei dafür verantwortlich, verkehrslenkende und - regulierende Maßnahmen einzuführen.  

Garten ohne Lärmschutz

Das soll heißen:  Der gesamte LKW-Verkehr soll raus aus Klein Oßnig.  Denn dass jetzt auch für die Bundesstraßen Maut erhoben wird, scheint die Brummifahrer nicht davon abzuhalten, durch den Ort zu donnern. Im Gegenteil: Evelyn Henke ist überzeugt, dass der Verkehr zugenommen hat.

Der Landkreis Spree-Neiße gibt sich entspannt. Gerade wird an einem Bescheid für einen Widerspruch aus Klein Oßnig gearbeitet. Dieses Schreiben an die Klägerin gegen den Lärm werde in den nächsten Wochen abgeschickt, so Landrat Harald Altekrüger.

Der LKW-Verkehr bleibt, sonst würde die B169 zur Dorfstraße verkommen, heißt es weiter.

19 Anwohner haben laut Messung ein Recht auf Schallschutzfenster. Nicht alle werden das Angebot wahr nehmen.  Aus ihrer Sicht bringt es nichts. Nur nachts ruhig schlafen zu können, reicht Dietmar Horke zum Beispiel nicht.

Für ihn stellt sich die Frage, was er in den anderen 16 Stunden des Tages macht, wenn er Rentner ist. Im Garten gibt es keinen Lärmschutz.

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