Pilotanlage in einer Halle auf dem Industriegelände in Guben
Audio: Antenne Brandenburg | 10.02.2020 | Thomas Krüger | Bild: rbb/Th. Krüger

Ansiedlung in der Lausitz - In Guben werden bald Altreifen pulverisiert

Schon mal was von Industrieruß gehört? Ein schwarzes Pulver, das beim Schreddern von alten Reifen entsteht. In Guben soll Industrieruß industriell hergestellt werden. Pulver für Uhrenarmbänder oder Brillen-Gestelle. Und für neue Reifen. Von Thomas Krüger  

Auf dem Industriegelände in Guben sollen ab Ende 2022 alte LKW- und PKW-Reifen zu Industrieruß verarbeitet werden. Das ist ein schwarzes Pulver, das beispielsweise in Armbändern von Uhren oder in Gestellen für Brillen verwendet wird. Vor allem aber geht dieser Industrieruß in die Herstellung neuer Reifen.

Das Verfahren hierfür hat ein Cottbuser entwickelt, der vor vielen Jahren aus Syrien in die Lausitz gekommen ist. Sagt der Geschäftsführer der Lausitzer Industrieruß GmbH. Renè Kassmann. Bei diesem Verfahren werden Öl und Gas unvollständig verbrannt und somit das feine schwarze Pulver erzeugt.

Renè Kassmann, Geschäftsfüher der Industrieruß GmbH in Guben
Renè Kassmann, Chef der Industrieruß GmbH | Bild: rbb/Th. Krüger

Weltweit großer Bedarf an Industrieruß

Nach Angaben des Unternehmens gehört Industrieruß zu den 50 weltweit am meisten produzierten Chemikalien. Der Stoff wird größtenteils als Füllstoff in der Gummiindustrie verwendet, hauptsächlich eben für Fahrzeugreifen und technische Gummiartikel wie Fördergurte, Schläuche und Dichtungsprofile. Aber eben auch in Uhrenarmbändern und Brillen-Gestellen.

Seit einigen Jahren läuft in Guben bereits eine Pilotanlage. Die Technologie sei soweit, dass das begehrte schwarze Pulver nun in großen Mengen hergestellt werden kann. Kassmann rechne mit einer Jahresproduktion von 8.000 Tonnen. Dabei würden gegenüber herkömmlichen Verfahren mehr als 35.000 Tonnen umweltschädlichen Kohlendioxids (CO2) eingespart.

Teil der Pilotanlage zur Herstellung von Industrieruß in Guben
Teil der Pilotanlage in Guben | Bild: rbb/Th. Krüger

Über 50 Arbeitsplätze geplant

Für die erste große Ausbaustufe rechne Kassmann mit einem Personalbedarf von über 50 Mitartbeitern. Mit den Erweiterungen der Anlage werden weitere fünf bis zehn Arbeitsplätze geschaffen.

Im Herbst dieses Jahres soll bereits eine erste Anlage fertig sein. Für Ende 2022 plane Kassmann die Fertigstellung des Betriebs.

"Guben ist ein idealer Standort"

Es gebe einen Industriepark, der biete Flächen, alle Medien zum Betrieb einer solchen Verarbeitungsanlage und es gebe einen Schienenanschluß,  schwärmt Kassmann. Guben sei deshalb ein idealer Standort.

Hinzu komme, dass Guben aus europäischer Sicht zentral zu den Nachbarn Polen und Tschechien liegt. Und genau in diesen beiden Nachbarländern gebe es große Abnehmer von Industrieruß, begründet Renè Kassmann seine Ansiedlung in Guben.  

Martin Wilke, IHK-Projektleiter Industrieansiedlungen in der Lausitz
IHK-Ansiedlungsprojektleiter Martin Wilke | Bild: rbb/Th. Krüger

Die Lausitz muß weiter entdeckt werden

Renè Kassmann hat sich mit der Ansiedlung seines Unternehmens bewußt für den Standort Guben entschieden. Dass das immer mehr machen sollten, dafür wirbt Martin Wilke. Der frühere Oberbürgermeister von Frankfurt/Oder leitet seit 2019 im Auftrag der IHK Cottbus ein Projekt für Industrieansiedlungen in der Lausitz.

Diese Region habe wirtschaftsstrategisch eine gute Lage: im Norden ist Berlin, im Süden Dresden und im Osten Wroclaw.

Leute müssen einfach verstehen, wenn sich Unternehmer für eine Ansiedlung in der Lausitz entscheiden, dann können sie erfolgreich sein, wirbt der 62-Jährige für die Region. 

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