Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus, Quelle: rbb
Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus | Bild: rbb

Steigende Infektionszahlen - Südbrandenburger Krankenhäuser spüren die "Dritte Welle"

Die Patienten werden jünger und es werden mehr - die südbrandenburger Krankenhäuser richten sich auf die dritte Corona-Welle ein und bekommen sie bereits zu spüren. Erneut müssen Stationen verlegt oder geschlossen werden. Eine Hauptursache sind die Corona-Mutationen.

Die Krankenhäuser im Süden Brandenburgs stellen sich derzeit auf eine steigende Zahl von Corona-Patienten ein. Das hat eine Abfrage bei den größten Häusern der Region durch den rbb ergeben. So wird beim Elbe-Elster-Klinikum mit seinen Standorten in Finstwerwalde, Herzberg und Elsterwerda der Standort Finsterwalde wieder ausschließlich zur Behandlung von Covid-Patienten genutzt. Die Vorbereitungen dafür seien bereits abgeschlossen, heißt es vom Klinikum.

Das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus hat erneut damit begonnen, Stationen zusammenzulegen und so Reserven zu schaffen. Das Klinikum Niederlausitz konzentriert die Behandlung von Corona-Patienten in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz), einige Bereiche müssen daher erneut vorübergehend in den zweiten Standort nach Lauchhammer ausgelagert werden, erklärte die Geschäftsführung dem rbb.

Patienten werden jünger, Behandlung dauert länger

Die Belastung des Klinikums Niederlausitz sei aktuell besonders hoch, so Geschäftsführer Tobias Vaasen. So gebe es derzeit "Kollisionen" zwischen der steigenden Zahl an Corona-Patienten und den "normalen" Notfällen, wie Vaasen sagt. Ursache dafür seien zahlreiche Fälle von Operationen, die im letzten Jahr als nicht dringlich verschoben wurden, nun aber akute Notfälle seien. Die Kapazitäten seien sehr schwer zu steuern, so Vaasen.

Das Klinikum Niederlausitz hat angesichts der steigenden Zahlen einen Stufenplan aufgestellt. Je nach Aufkommen werde der Betrieb im Haus stufenweise heruntergefahren, so Vaasen weiter. Die Lage verschärfe sich auch dadurch, dass die Covid-Patienten immer jünger werden und die Behandlung von Corona-Mutationen länger dauert, erklärt der Geschäftsführer.

Das bestätigt auch der Chefarzt der Intensivmedizin im Klinikum Niederlausitz, Volkmar Hanisch. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin Brandenburg Aktuell vom rbb erklärte er, dass die Covid-Patrienten insbesondere im März deutlich jünger geworden seien. Der jüngste Patient auf der Intensivstation sei 26 gewesen, so Hanisch. Die schnellere Übertragung durch die Virusmutationen zeige sich daran, dass ganze Familien in Behandlung sein - vom Enkel bis zu den Großeltern. In Mehrfamilienhäusern seien teilweise ganze Hausaufgänge infiziert.

Mehr Corona-Intensivfälle

Unterdessen werden immer mehr Intensivbetten in Südbrandenburg für Covid-Patienten gebraucht. So ist im Landkreis Oberspreewald-Lausitz bereits jedes zweite Intensivbett durch einen Covid-Patienten belegt. Vier davon müssen künstlich beatmet werden. Im benachbarten Landkreis Elbe-Elster ist bereits mehr als die Hälfte der Intensivbetten mit Corona-Infizierten belegt. Im Cottbuser CTK wird derzeit etwa jeder sechste Patient wegen Covid-19 intensivmedizinisch behandelt.

Finanziell werden die Kliniken wegen fehlender Einnahmen weiterhin vom Bund unterstützt, so der Geschäftsführer des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums, Götz Brodermann. Im letzten Jahr hatte der Bund allerdings noch 100 Prozent der ausgefallenen Einnahmen kompensiert, aktuell seien es 85 Prozent. Eine neue Variante zur Kostenübernahme befinde sich derzeit in Abstimmung.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.03.2021, 8:30 Uhr

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