Plastinarium seit 15 Jahren in Guben - "Ich bin ganz froh mit der Standortwahl, das war eine gute Entscheidung"

Fr 19.11.21 | 14:28 Uhr
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Der Gründer des Plastinariums in Guben, Gunther von Hagens (links) mit seinem Sohn Rurik
Audio: Antenne Brandenburg | 19.11.2021 | Iris Wußmann | Bild: rbb/Iris Wußmann

Unter Protesten wurde vor 15 Jahren in Guben das Plastinarium des umstrittenen Körperwelten-Erfinders Gunther von Hagens eröffnet. Davon ist nichts mehr zu spüren. Mit einem Besuchertag und einer Investitionsankündigung wurde gefeiert. Von Iris Wußmann

Am Geburtstag kommen viele in das Plastinarium in Guben (Spree-Neiße). Darunter auch Einheimische. Manche von ihnen hatten vor 15 Jahren gemischte Gefühle als sich Gunther von Hagens in der Stadt ansiedelte. Inzwischen haben die meisten wohl ihren Frieden mit dem gemacht, wofür Gunther von Hagens steht: aus verstorbenen Tieren und Menschen Plastinate zu machen. Gezeigt werden sie in Körperwelten-Ausstellungen und gekauft werden sie vor allem von medizinischen Universitäten für die anatomische Ausbildung von Studenten.

Die Gubener Plastinationswerkstatt gehöre einfach dazu, sagt eine Besucherin und ergänzt, dass die Gubener auch nichts mehr dagegen hätten. Es ist mulmig, die Ausstellung hier zu sehen, beschreibt eine andere Besucherin ihr Gefühl. "Vielleicht muss man ausschalten, dass es mal Lebewesen waren", sagt sie.

Besucher im Gubener Plastinarium
Besucher im Gubener Plastinarium | Bild: rbb/Iris Wußmann

Plastinarium will mehr Mitarbeiter einstellen

Das Gubener Plastinarium beschäftigt derzeit 95 Mitarbeiter. Das Unternehmen will weitere zehn Leute einstellen, die Suche läuft. Kerstin Brose hat hier Arbeit gefunden, früher ist sie mit einem Bäckereiwagen über Land gefahren. Jetzt präpariert sie Teile von toten Körpern. Es sei ein schönes und interessantes Arbeiten, jedes Präparat ist anders, beschreibt sie ihren Job. Besucher können ihr dabei zusehen, die Werkstatt ist transparent. Kerstin Brose erfahre viel positive Resonanz von Gästen, sagt sie. Schließlich sei dass, was hier gemacht wird auch wichtig für die Forschung und Medizin.

Große Nachfrage an Präparaten für Universitäten

Das Plastinarium wird seit einigen Jahren von Rurik von Hagens geleitet. Er hat die Geschäfte von seinem Vater übernommen. Gunther von Hagens ist an Parkinson erkrankt und dadurch nicht mehr in der Lage, diese Arbeit zu bewältigen. Am Geburtstag aber ist er dabei, manche Besucher nutzen die Gelegenheit, ein Selfi mit ihm zu machen.

Alle Ausstellungen mussten während der Corona-Pandemie zeitweise geschlossen werden, beschreibt Rurik von Hagens die Situation. Aber die Nachfrage von Universitäten nach Präparaten sei nicht eingebrochen. "Das war ganz wichtig, denn ohne das wäre es für uns jetzt sehr schwierig." Es sei ein Glück, sagt von Hagens, dass man zwei Standbeine habe, einerseits die Ausstellungen und andererseits die Werkstatt zur Herstellung von Präparaten.

Ein plastinierter Elefant im Gubener PlastinariumEin plastinierter Elefant

Produktion von Skeletten

Und so konnten 600-tausend Euro in eine neue Produktion investiert werden. Wahrscheinlich schon ab Dezember sollen Skelette und Gefäßgestalten hergestellt werden, kündigt von Hagens an.

Er ist überzeugt davon, dass sein Unternehmen langsam weiter wachsen werde. "Ich bin ganz froh mit der Standortwahl, das war rückblickend auf die 15 Jahre eine gute Entscheidung", resümiert Rurik von Hagens heute am Jubiläumstag. Und er kündigt an, man werde auch die nächsten 15 Jahre und länger in Guben bleiben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.11.2021, 14.40 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Nach den "Anlaufschwierigkeiten" eine wirklich gelungene Ausstellung.
    Ich war dort schon einige Male mit interessierten Bekannten aus verschiedenen Ländern.
    Es waren alle angetan, von soviel gelebter/anschaubarer Anatomie.

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