Buch Staatstheater Cottbus (Quelle: rbb/Anke Blumenthal)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.05.2019 | Anke Blumenthal | Bild: rbb/Anke Blumenthal

Neuer Spielplan präsentiert - Staatstheater Cottbus setzt auf Heimat und Aktuelles

Mutiger und offener werden: Das steht sinnbildlich über dem neuen Spielplan des Staatstheaters Cottbus. Es soll eine Offensive nach unruhigen Zeiten werden- und weiter ohne eine feste Führungsspitze im Haus. Von Anke Blumenthal  

Als vor einem Jahr der Plan für die kommende Spielzeit in Druck ging, löste sich gerade die gesamte Führungsriege am Staatstheater in Cottbus auf. Nach Mobbingvorwürfen gegen den Generalmusikdirektor Evan Christ ging erst dieser, dann folgte ihm der Intendant Martin Schüler, schließlich musste der Verwaltungsdirektor seinen Hut nehmen. Das Theater war vor allem mit sich selbst beschäftigt.  

Heute, ein Jahr später, ist zwar noch immer alles in der Schwebe, weil neue Chefs erst für die übernächste Spielzeit Verantwortung übernehmen. Interims-Direktor ist zurzeit René Serge Mund. Doch dieser "Zwischenzeit" könnte ein eigener Zauber inne wohnen. Die Theaterleute wollen mutiger werden und vor allem offener den Cottbusern gegenüber. Auch aktuelle politische Themen sollen auf die Bühne kommen. "Wir müssen über den Tellerrand schauen, aber immer mit Blick auf die Region", sagte Mund am Montag. Er wolle dazu alle Ressourcen des Vierspartenhauses nutzen. "Wir sind in dieser Übergangsphase noch produktiver und erkunden neue Wege".

Chefdramaturgin Wiebke Rüther bei der Spielplanpräsentation (Bild: rbb/Anke Blumenthal)
Chefdramaturgin Wiebke Rüther bei der Spielplanpräsentation | Bild: rbb/Anke Blumenthal

Bühne wird zur "angstfreien Zone" erklärt

Besonders die jungen Schauspieldramaturgen Wiebke Rüter und Lukas Pohlmann hoffen auf eine neue Debatte. "Uns geht es darum, permanent offen zu sein und über das, was wir auslösen, auch reden zu können. Es gibt kein gut oder schlecht. Wir müssen die Türen offenhalten, um damit nicht allein zu bleiben. Ganz egal, ob Theater abschreckt oder vereinnahmt."

Seit zwei Jahren arbeitet das junge Team unter dem Theaterdirektor Jo Fabian. Der Regisseur wird in der kommenden Spielzeit "Faust" inszenieren, aber seinen "Anti-Faust" hinterher auch noch auf die Bühne bringen. Die Kammerbühne wird zur "angstfreien Zone" erklärt, als ein Ort der offenen Debatte. Der neu gegründete Bürger-Sprech-Chor erhält ein eigenes Rechercheprojekt, in dem er den Bedürfnissen und Befindlichkeiten der Cottbuser nachspürt.  

Pressekonferenz der Spielplanpräsentation (Quelle: rbb/Anke Blumenthal)
| Bild: rbb/Anke Blumenthal

"Effi Briest" im Fontane-Jahr

Ambitioniert soll auch das Musiktheater als Kerngeschäft des Staatstheaters auftreten: Mit einer Uraufführung startet es in die neue Spielzeit. Der 85-jährige Siegfried Matthaus hat für das Fontane-Jahr die Oper "Effi Briest" geschrieben. Als "mäßig modern" bezeichnet Musikdramaturg Bernhard Lenort die Komposition, dennoch bleibt zeitgenössische Oper nicht nur in Cottbus ein großes Wagnis.

Die Philharmoniker werden derzeit kommissarisch von Alexander Merzyn geleitet.  Sie widmen sich in ihren Philharmonischen Konzerten den neun Nachbarländern von Deutschland. Drei Uraufführungen gibt es auch hier, unter anderem ein Konzert für Querflöte und Tuba.

Neuer Intendant Märki ab 2020

Ein frischer Wind weht auch bei den Tänzern. Ab Sommer 2019 stehen ihnen Eleven aus renommierten Ballettschulen zur Seite, die auf der Cottbuser Bühne erste Berufserfahrungen sammeln.

Darüber hinaus ist viel Verlässliches im Programm 2019/2020 zu finden, viel Beethoven im Beethoven-Jahr und auch leichte Kost wie "Im Weißen Rössl". Wieviel Zauber dieser "Zwischenzeit" im Staatstheater Cottbus tatsächlich innewohnt, wird sich in einem Jahr zeigen. Dann stellt der neue Intendant Stephan Märki den Spielplan vor. Ende Mai soll der Vertrag mit ihm unterzeichnet werden.

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