Philipp Basener in der Lausitz - Wie ein Drag-Artist die Cottbuser Theaterlandschaft pimpt

Sa 14.01.23 | 11:41 Uhr | Von Philipp Manske
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Staatstheater Cottbus_DER GROSSE GATSBY_foto: Marlies Kross
Marlies Kross
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 09.012023 | Phillipp Manske | Bild: Marlies Kross

Drag-Artist, Künstler, Bühnen-Ausstatter: Philipp Basener hat am Staatstheater Cottbus innerhalb einer Spielzeit gleich drei Produktionen ausgestattet. Der gebürtige Düsseldorfer sieht sich als queerer Künstler - und will Minderheiten eine Bühne geben. Von Phillipp Manske

Philipp Basener liebt es bunt und schrill und wild. Der Kostüm- und Bühnenbildner hat seinem "Großen Gatsby", der gerade im Cottbuser Staatstheater läuft, einen 80er-Jahre Popstar-Look verpasst. Ein optischer Gegenentwurf zur aalglatten Romanfigur. Es wird posiert und stolziert auf der Bühne, mit pink gefärbten Haaren, weißer Lederjacke und Federschmuck. Viele Figuren sind selbstbewusst und queer - so wie Philipp Basener.

Philipp Basener (Foto: Lenja Kempf)
Philipp Basener | Bild: Staatstheater Cottbus

"Theater nehmen viele Menschen so wahr, als wäre das ein bunter, schillernder Ort. Ich selber habe es aber so erfahren, dass es kaum queere Perspektiven gibt", sagt der 34-Jährige. Man müsse nur auf die Klassiker schauen, in denen keine queeren Menschen vorkämen. "Deswegen ist es mir wichtig, auf der Bühne eine Repräsentation zu haben. Eigentlich ist das Theater ein Sehnsuchtsort und sollte ein Ort für alle sein."

Als Dragqueen auf Instagram

Queer - das heißt unter anderem: schwul, lesbisch, bisexuell, nicht eindeutig männlich oder weiblich, also nicht der heterosexuellen Norm entsprechend. Bei Philipp Basener fließt alles ineinander über und so designt der gebürtige Düsseldorfer auch seine Kostüme für die Figuren - am Staatstheater Cottbus in dieser Spielzeit für drei Stücke, auch für "Two Penny Opera" und "Romeo und Julia".

Der ganze Look habe viel mit seinem eigenen Drag-Makeup zu tun. "Deshalb bedeutet mir das Kostüm auch sehr, sehr viel, weil ich das noch nie so in der Form hatte, dass ich Dinge, die ich selbst bei meinen Drag-Looks mache, auch so auf die Bühne gebracht habe." Regelmäßig schlüpft Philipp Basener nämlich auch selbst in andere Rollen: Als Dragqueen präsentiert er fantasievolle Kreationen. Die Fotos zeigt er auf Instagram.

Philip Basener hat seinen Weg schon früh eingeschlagen: Mit 17 Jahren schmiss er die Schule und macht eine Schauspielausbildung. Gemalt hat er schon immer, das Designen brachte er sich selbst bei.

Die von ihm für das Staatstheater Cottbus entwickelten Kostüme haben immer eine queere Ästhetik. Es interessiere ihn immer, zwischen den Geschlechtern zu wechseln, mit dem heteronormativen Bild von Mann und Frau zu spielen, und "dieses binäre Bild auf der Bühne aufzulösen, was einfach nicht mehr zeitgemäß ist."

Philipp Basener erklärt das Outfit von "Lorenzo" aus Romeo und Julia (Foto: rbb)
Philipp Basener und "Lorenzo" aus Romeo und Julia, gespielt von Lauren MaceBild: rbb

Zukunftspläne in Cottbus

Abseits der großen Städte will Philipp Basener queeren Menschen das Gefühl geben, gesehen zu werden. Rund ein halbes Jahr war Philipp Basener am Cottbuser Staatstheater. Nach der Premiere von "Der große Gatsby" Anfang Januar hat er der Stadt erstmal den Rücken gekehrt. Aber nicht für immer.

"Ich werde nächstes Jahr wiederkommen", sagt Basener. Wofür genau, dürfe er noch nicht verraten. Nur so viel: "Es wird groß und sehr verzaubernd und auf jeden Fall bunt und schrill und queer. Und der Stoff, den ich mache, ist auch ziemlich queer."

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.01.2023, 15:40 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    .......nach dem Artikel weiss ich schonmal was an Kultur für mich ausfällt. Ja Cottbus wäre auch eher unwahrscheinlich.

  2. 10.

    Von „Minderheitenpolitik“ und sonstigen Bedrohungen habe ich kein Wort geschrieben. Ich fühle mich nicht bedroht. Es wird aber höchste Zeit Ihnen entgegenzuhalten, dass „Provinz“ nichts abwertendes ist, obwohl Sie es genauso benutzen. Sie unterstützen so eine gewisse Hufeisentheorie. Provinz ist überall. Für mich ist es auch das australische Land. Für den Farmer dort, ist eventuell Werder „die große weite Welt“. Ihre Provinz“ im Positiven ist welches „Dorf“? Denn das ist Berlin: Ein Dorfzusammenschluss.

  3. 9.

    Ach Blüte...
    ich habe Gerd Glaudino überhaupt rein gar nicht falsch verstanden. Nur meinen Anteil dazu beigetragen, warum "Mescalero" es mit seinem Profilnamen erklärtermassen bitter ernst meint. Während er als "Mescalero" Unbildung über die Ausstattung und den Ausstatter einer Theateraufführung verbreitet.
    Woher Sie nun die Behauptung nehmen, die besprochene Inszenierung sei letztlich ein Minderheitenprogramm für Wenige bleibt Ihr Geheimnis. Weshalb ich auf die mehr als 100-Jährige Geschichte der Theater- und Showkultur verweise.
    Auf die sich übrigens auch die Programme des Friedrichstadtpalastes in Berlin gründen.
    Das sich reaktionäre Provinzler von Homosexuellen und queeren Kulturschaffenden umstellt und bedroht fühlen, um dann aus diesem Wahn von "Minderheitenpolitik" zu faseln - auch das hat eine lange Geschichte im rechtsreaktionären Kulturkampf. Genauso wie das Wimmern, sagt man es ihnen auf den Punkt zu.

  4. 8.

    Selbstverständlich darf man Theater für Wenige machen, freiwillig, ohne viel Einnahmen wenn man vorher „angespart“ hat und sich dies leisten kann. Nur bin ich mir ganz sicher: Sie haben den Gerd falsch verstanden und genutzt um eine unseriöse Botschaft zu transportieren: „bedrohte zukünftige Minderheit der Weissen behauptet“. Das Sie dann noch eskalierend eine „Indianererzählung“ erwähnen zeigt in welche Richtung Sie die Diskussion lenken wollen. Ob da jemand drauf reinfällt? Wir werden sehen...

  5. 7.

    Ach ja...das ist "ernst" gemeint. Sich nach Ureinwohnern zu nennen, die von einer weissen Vorherrschaft abgeschlachtet wurden, die sich heutzutage gerne als bedrohte zukünftige Minderheit der Weissen behauptet. Die Indianererzählung ist ein Standard der AfD.
    Wieso die Ausstattung einer Show /Aufführung "Minderheitenpolitik" sein soll, auch das eine abstruse Windung. Cabaret, Varieté, Burleske - schon seit urdenklichen Zeiten die Kunst einer homosexuellen, queeren Community. Gerne besucht vom verklemmten Kleinbürger. Schon in den 20-30er Jahren ein Hassobjekt des geistigen und tätlichen Sturmlokals nicht nur in Berlin.
    Alles also eher Mainstream in bestimmten Milieus.

  6. 6.

    Wir durften die "queere" Premiere erleben und freuen uns sehr, dass ER nie wieder zurückkommen wird.

  7. 5.

    Tja - den CSD e.V. Cottbus wird es freuen...

    Wenn man selbst - neben Schulklassen - zum Besuch sonstiger "moderner" und "klassische" Stücke kaum Zeit findet...

  8. 4.

    Das wahre Theater findet hinter der Bühne statt. Tolleranz ist nur ein Aushängeschild. Kenn ich aus eigener Erfahrung. Besonders bei den Bühnentechnikern!!! Selbst die Bühnenmeister sind sich nicht grün.

  9. 2.

    Irgendwie schon "witzig", dass sich jemand der sich Mescalero nennt, hier ironisch über Minderheiten lästert.

  10. 1.

    Minderheitenpolitik auf der Bühne.....da wird das Haus ja wieder voll werden.

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