Archivbild: Zwei muslimische Schülerinnen stehen in Ganzkörper-Badeanzügen am Rande des Schwimmbeckens. (Quelle: dpa/Haid)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.07.2018 | Beitrag von Anja Kabisch | Bild: dpa/Haid

Erfahrungsbericht aus Spremberg - So schwer ist es für Flüchtlinge, schwimmen zu lernen

Vor einem Jahr kamen mehrere Flüchtlingsfrauen aus Tschetschenien, Afghanistan und Syrien in die Kleiderkammer Spremberg (Spree-Neiße). Sie brachten Sylvia Schwietzke ein Anliegen mit: "Wir wollen schwimmen lernen." Ihre Kinder würden es ja auch in der Schule lernen.

Also machte sich Sylvia Schwietzke daran, einen Kurs zu organisieren. Sie ist schon lange ehrenamtlich bei der Spremberger Freiwilligenagentur tätig. Von den Schwierigkeiten, die  dieser Schwimmkurs mit sich bringen würde, ahnte sie noch nichts.

Bernd Schädel vom Stadtsportbund Cottbus Bild: Anja Kabisch

Knappe Bikinis sind tabu

Denn zunächst wollten einige der Ehemänner ihren Frauen nicht die Erlaubnis für einen Schwimmkurs gegeben. Auch die Bekleidung war ein Thema - denn Bikinis kamen nicht in Frage. "Wir haben Möglichkeiten gefunden. Es gibt ja Neoprenanzüge und das funktioniert dann schon", erzählt Sylvia Schwietzke.

Als diese Hürden genommen waren, kam ein weiteres Problem dazu. Denn als die Spremberger Schwimmhalle mitbekam, dass es sich um Flüchtlingsfrauen handelte, wollte sie dem Kurs laut Schwietzke nicht mehr zustimmen. Auf eine schriftliche Nachfrage des rbb bei der Schwimmhalle Spremberg, warum der Kurs nicht zustande kam, antwortet der Pressesprecher der Stadt Spremberg, Alexander Adam.

Ausweichend heißt es: "Die Schwimmausbildung selbst erfolgt auf privatrechtlicher Basis, nicht über die Stadt Spremberg. Die notwendigen Kontaktdaten von den Schwimmausbildern werden dem Fragesteller/Antragsteller übermittelt. Inwieweit es dann zu vertraglichen Vereinbarungen kommt, entzieht sich unserer Kenntnis."

Knapp die Hälfte der Frauen legte das Seepferdchen ab

Doch Schwietzke ließ nicht locker und kontaktierte den Cottbuser Stadtsportbund. Der organisierte den Kurs im Cottbuser Freizeitbad Lagune. Zehn mal fuhr Sylvia Schwietzke mit den zwölf Frauen nach Cottbus. Manche hätten richtig Panik gehabt vor dem Wasser. "Aber zum Schluss sind sie dann schon ein Stückchen geschwommen", sagt Bernd Schädel vom Cottbuser Stadtsportbund.

Knapp die Hälfte der Frauen hat es am Ende geschafft und das Seepferdchen abgelegt. Ein Anfangserfolg, aber dabei ist es bis heute geblieben. Denn in diesem Jahr gibt es keinen Kurs.

Sportbund bedauert, dass es keine weiteren Kurse gibt

Bernd Schädel, der sich beim Sportbund für das Thema Integration einsetzt, bedauert das: "Ich denke schon, dass weitere Flüchtlinge gerne schwimmen lernen wollen. Die Betreiber der Flüchtlingsunterkünfte wissen auch eigentlich, dass es dieses Angebot gibt. Die Betreuer in den Unterkünften haben jedoch sehr viel zu tun. Vielleicht können sie es deshalb nicht leisten, einen Kurs zu organisieren und die Teilnehmer vor Ort zu betreuen."

Dabei wäre der Bedarf eigentlich da, denn viele Flüchtlinge können nicht schwimmen. Deshalb sei es nicht ausgeschlossen, dass es auch in diesem Jahr wieder Badetote unter den Flüchtlingen gebe.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.07.2018, 16:10 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Das es etwas Zit braucht sich an andere Sitten zugewöhnen überrascht mich nicht.
    Wenn man bedenkt wie lange manche Bürger der ehemaligen DDR brauchten / Brauchen , um in der Brd
    anzukommen.......

  2. 1.

    "Denn zunächst wollten einige der Ehemänner ihren Frauen nicht die Erlaubnis für einen Schwimmkurs gegeben." Mich überrascht, daß in D Frauen die Erlaubnis ihrer Ehemänner zum Schwimmen lernen brauchen. Ich dachte, diese Zeiten sind seid über 40 Jahren vorbei.

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