Flutung am künftigen Cottbuser Ostsee eine Woche nach Flutungsbeginn (Foto: imago/Weisflog)
Audio: Antenne Brandenburg | 26.04.2019 | Holger Kessler | Bild: www.imago-images.de

Spree bekommt Talsperren-Wasser - Ostsee-Flutung wegen Trockenheit vorläufig gestoppt

Tagelang kein Regen, stattdessen Sonne und Wind: Die anhaltende Trockenheit macht sich in der Lausitz verstärkt bemerkbar. Die Spree bekommt mehr Wasser aus der Talsperre Spremberg. Außerdem wurde die Flutung der Lausitzer Tagebaue gestoppt.  

Die anhaltende Trockenheit macht sich auch in den Lausitzer Flüssen bemerkbar. Damit die Spree in Bewegung bleibt, wird zurzeit deutlich mehr Wasser als sonst aus der Talsperre Spremberg (Spree-Neiße) in den Fluss abgelassen. Das sagte Kurt Augustin, Leiter der Abteilung Wasser im brandenburgischen Umweltministerium, im Gespräch mit rbb|24.  

Kurt Augustin, Leiter der Abteilung Wasser im brandenburgischen Umweltministerium (Foto: rbb/Screenshot)
Kurt Augustin vom Umweltministerium | Bild: rbb

"Niedrigwerte, die wir nicht gekannt haben"

Die Talsperre leite nach Angaben Augustins bereits seit dem 10. April Wasser in die Spree und andere Flüsse in der Region, damit der Pegel nicht schon im Frühjahr sinke. "Wir haben insgesamt schon 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser abgegeben", sagte Augustin. Die Talsperre sei aber aktuell mit einem Volumen von zehn Millionen Kubikmetern noch gut gefüllt, erklärte Augustin weiter. Außerdem könnte der Wasserspiegel in der Talsperre sogar noch steigen, weil es nach wie vor Zulauf gebe.

Mit großer Sorge schaut Augustin jedoch auf die Grundwasservorkommen: "Da haben wir im Trend tatsächlich absinkende Niedrigwerte." Das kenne man aus den letzten 30 Jahren so nicht, sagte Augustin. Das sei das wesentlich schwierigere Thema, bei dem "wir nicht wissen, wie wir jetzt dem entgegensteuern können".

Vorerst kein Wasser für Tagebauflutungen

Wegen der Trockenheit hat das Bergbauunternehmen LEAG derweil die Flutungen aller Tagebaue in der Lausitz gestoppt, sagt Sprecher Thoralf Schirmer rbb|24. Davon betroffen ist auch der künftige Ostsee bei Cottbus. Dort wurde erst vor zwei Wochen der Wasserhahn aufgedreht. Die Entscheidung für den vorläufigen Stop der Flutungen ist laut Schirmer von den Wasserbehörden in Brandenburg und Sachsen aufgrund der lang anhaltenen Trockenheit und der daraus resultierenden niedrigen Spreeabflüsse gekommen. Sobald sich die Situation wieder entspannt hat, werde die Flutung fortgesetzt, so Schirmer. Auch das würden dann die Wasserbehörden der Länder entscheiden.

Das Wasser für den künftigen Ostsee kommt nach Betreiberangaben zu etwa 80 Prozent aus der Spree. Der übrige Anteil wird aus dem Grundwasser bezogen. Der Sprecher der Leag betont allerdings, dass der geplante Flutungszeitraum von fünf bis sechs Jahren nicht in Gefahr sei. "Wir haben in den Prognosen für die Flutung durchaus Phasen von Trockenheit einkalkuliert und natürlich auch damit gerechnet, dass es Unterbrechungen geben wird."

Grüne Liga sieht sich in Kritik bestätigt

Die Grüne Liga in Cottbus reagierte mit Unverständnis. "Dass diese Flutung nicht lange laufen wird, war schon klar, bevor der Hahn aufgedreht wurde", sagte Sprecher René Schuster. Der See sei zu groß und zu flach geplant worden. Der Ostsee werde "durch die riesigen Verdunstungsverluste die Wasserbilanz besonders dann belasten, wenn ohnehin wenig Wasser in der Spree ist." Ein kleinerer und tieferer See hätte dieses Problem zumindest verringert, heißt es weiter

Anbaden im Cottbuser Ostsee soll im Jahr 2025 möglich sein. Es soll der größte künstliche See Deutschlands werden..

Dürre für 2019 prognostiziert

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht in seiner jüngsten Prognose davon aus, dass 2019 ein weiteres Dürrejahr werden könnte, sollte es weiter so trocken bleiben. Vor allem die östlichen Bundesländer würde das aus Sicht des DWD besonders hart treffen.

Der Grund dafür seien die fast leeren Wasserspeicher aufgrund der Dürre im letzten Sommer, hieß es am Mittwoch. Der Monat April sei schon jetzt deutlich trockener als der im Hitzejahr 2018. Damals konnten Pflanzen und Bäume mit langen Wurzeln noch die Feuchtigkeit aus tiefen Bodenschichten ziehen und kamen so noch verhältnismäßig gut über die Trockenheit hinweg.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Die Grünen und die Grüne Liga sind aber zwei unterschiedliche Schuhe :)
    Die Grüne Liga ist ein Netzwerk ökologischer Bewegungen und die GRÜNEN sind eine Partei.
    (die in diesem Artikel kein Statement gegeben hat)

  2. 8.

    Erstaunlich, dass man nach dem letzten Sommer überhaupt mit der Flutung beginnen durfte. Ist doch abzusehen, dass unserer Region Wasser fehlt. Wie soll da über Jahre ein See gefüllt und befüllt bleiben, wenn wir so schon nur mit künstlicher Regulierung durch Spremberg über den Sommer kommen....
    Also manchmal frag ich mich echt wo Entscheider in diesem Land am Morgen ihren Kopf abgeben.

  3. 7.

    Sie sollten sich vorher informieren. Die Grüne Liga sind nicht die Grünen. Sie können ja gerne mal ein Argument bringen, was ihnen in dem Artikel hier nicht gefällt. Und was für 30 Jahre, die Linken sind doch in Regierungsverantwortung.

  4. 6.

    Achtung "Grüne Liga" ist nicht gleich "die Grünen", siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCne_Liga
    @rbb Wieviel Grundwasser wird denn - trotz Wassermangel - weiterhin in den noch bestehenden Tagebauen in der Region täglich abgepumpt?

  5. 5.

    Wie ist das eigentlich wenn man nichts begreift?
    Es mag Sie ja stören das es die Grünen sind die den Finger in die Wunde legen, ändert aber nichts daran das sie letztendlich recht behalten.
    Für die LEAG und für Kohlelobby Woidke ist das nur eine Blamage, für die Brandenburger und Berliner eine Katastrophe, dauert nur noch etwas bis es alle merken.

  6. 4.

    Die Grüne Liga sind nicht die Grünen. Da sollte sich der mündige und gebildete Bürger besser informieren. Ausserdem ist Herr Augustin Abteilungsleiter Wasserwirtschaft im Umweltministerium und nicht im Landesamt für Umwelt.

  7. 3.

    Bei der Grünen Liga handelt es sich um einen Verein, also eine Umweltorganisation, und nicht um eine Partei.

  8. 2.

    Wenn die GRÜNEN nicht dauerhaft etwas zu kritisieren hätten, wären es offensichtlich nicht die GRÜNEN. Diese Besserwisserei und der nicht legitimierte vermeintliche Anspruch, dass nur das Gedöns der GRÜNEN die absolute Wahrheit darstellt, erinnert mich sehr an die Rechthaberei der SED. Die Genossen hatten auch immer Recht. (glaubten Sie zumindest)30 Jahre in Brandenburg nicht in Regierungsverantwortung, ja das ist bitter aber logische Konsequenz, wenn man mündigen und gebildeten Bürgern ständig erklärt, wie die Welt zu funktionieren hat.

  9. 1.

    Der Mensch verändert die Natur und wundert sich dann.

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