Angeklagter und Verteidiger im Gerichtssaal
Audio: Antenne Brandenburg | 27.01.2020 | Anke Blumenthal | Bild: rbb

Bei Tempo 120 Motorradfahrer gerammt - Landgericht Cottbus verurteilt Autofahrer zu drei Jahren Haft

Mit voller Absicht habe er mit Tempo 120 ein Motorrad auf der A10 am Schönefelder Kreuz gerammt, ist sich das Landgericht Cottbus sicher. Ein Autofahrer wurde zu drei Jahren Haft und Führerscheinentzug verurteilt. Der Kradfahrer habe nur mit Glück überlebt.

Zu einer Haftstrafe von drei Jahren und Führerscheinentzug ist ein 35-jähriger Angeklagter am Montag vor dem Landgericht Cottbus verurteilt worden. Der Mann hatte nach Überzeugung des Gerichtes im April 2018 auf der A10 am Schönefelder Kreuz einen Motorradfahrer bei einem Tempo von 120 Kilometern pro Stunde mit Absicht gerammt.

Verhandlungssaal am Landgericht Cottbus
Verhandlungssaal am Landgericht Cottbus | Bild: rbb

Der 35-Jährige habe in Kauf genommen, dass der Motorradfahrer auf der dicht befahrenen Autobahn hätte sterben können. Nur durch Glück, so das Gericht in der Urteilsbegründung, sei das Opfer nur leicht verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Monate mehr gefordert, die Verteidigung hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da in den nächsten Tagen noch Rechtsmittel eingelegt werden können.

Schlagabtausch bereits auf der Bundesstraße

Der Auto- und Motorradfahrer kannten sich vor dem Tag des Zusammenpralls nicht. Allerdings habe es kurz vor der Tat auf der Autobahn bereits eine Begegnung auf einer Bundesstraße gegeben, hatten Zeugen im Prozess ausgesagt. Demnach hatten sich die beiden auf der B179 gegenseitig provoziert.

An der Ampel vor der Autobahn-Auffahrt gab es demnach einen kurzen verbalen Schlagabtausch, bei dem es auch mindestens den Versuch einer Handgreiflichkeit gegeben haben soll. Dann fuhren beide auf die A10. Dort rammte - einem Gutachten und Zeugenaussagen zufolge - der 35-jährige Autofahrer den Motorradfahrer von links hinten derart, dass dieser stürzte und mit großem Glück nur leicht verletzt worden ist.

Die Kammer habe lange diskutiert, bevor sie sich über das Urteil einig war, erklärte der Richter am Montag. Die mehrjährige Haftstrafe fuße auf der Erkenntnis des Gerichts, dass der Angeklagte in Kauf genommen hatte, dass der Motorradfahrer stirbt. Nur weil andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig ausweichen oder anhalten konnten, sei er nicht überrollt worden.

Sendung: rbb24, 27.01.2020, 13.00 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Da verstehe ich nicht das man das nicht als Mordversuch einstuft, weil genau das ist es. Bei einem illegalen Autorennen geht das ja auch, selbst wenn da kein Unfall passiert...

  2. 3.

    Insbesondere Autofahrer sind sehr ungeduldig und stellenweise sehr aggressiv geworden. Fahren mit Kraftrad habe ich aufgegeben, Auto fahren macht auch nur wenig Spaß. Fahre zügig und sehr beobachtend, immer wieder Drängler und Situationen, wofür manche MPU bekommen müssten oder mehr. Die Strafen sind allgemein zu niedrig, Kontrollen faktisch null.

  3. 2.

    Wer den Tod eines anderen Menschen dergestalt billigend in Kauf nimmt, gehört wesentlich länger weggesperrt.

    Selbst wenn es im Vorfeld einen Zwist zwischen Motorradfahrer und Autofahrer gegeben hat, liegt die mögliche Gefährdungshaftung eindeutig beim Autofahrer.

  4. 1.

    Viel zu wenig der Mopedfahrer hat nur mit Glück überlebt.

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