Verhandlungssaal Amtsgericht Cottbus mit Angeklagtem
Video: Brandenburg aktuell | 03.02.2020 | Rico Herkner | Bild: rbb/Iris Wußmann

Prozessauftakt in Cottbus - Schulleiter aus Forst bestreitet Misshandlungsvorwürfe

Weil er mehrere Kinder geschlagen und getreten haben soll, muss sich der Schulleiter einer Grundschule in Forst vor dem Amtsgericht Cottbus verantworten. Beim Prozessauftakt am Montag hat der 45-Jährige die Misshandlungsvorwürfe bestritten.

Wegen Misshandlungsvorwürfen steht der ehemalige Leiter einer Grundschule in Forst (Spree-Neiße) seit Montag vor dem Cottbuser Amtsgericht. Der 45-Jährige soll mehrere Kinder geschlagen und getreten haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Körperverletzung in 20 Fällen vor.

Zwischen September 2015 und März 2017 soll der Mann sieben Grundschüler attackiert haben. Die Rede ist unter anderem von Schlägen gegen den Hinterkopf und auch ins Gesicht. Die Vorwürfe wurden bekannt, als sich Eltern der betroffenen Kinder an die Öffentlichkeit wendeten.

Verteidigung beantragte teilweise Einstellung des Verfahrens

Der Angeklagte schilderte zu Prozessbeginn ausführlich seine Sicht der Dinge und wies dabei die Misshandlungsvorwürfe entschieden zurück. Die Verteidigung beantragte zu Beginn die teilweise Einstellung des Verfahrens. Vorwürfe zu Tatort und Tatzeit seien unkonkret und unpräzise, argumentierte sie.

Es habe Anstupser und Ermahnungen gegeben, aber niemals Schläge oder Tritte, sagte der suspendierte Schulleiter am Montag vor Gericht. Der Lehrer, gegen den das Bildungsministerium  nach Bekanntwerden der Vorwürfe ein Kontaktverbot zu den Schülern verhängt hat, räumt lediglich einen Zusammenstoß mit einem Schüler ein. Der sei unglücklich mit seinem Arm kollidiert.

Schläge auf den Hinterkopf, Backpfeifen, Tritte ins Gesäß habe es nicht gegeben. Auch nicht den besonders drastischen Vorfall, bei dem ein Schüler durch einen Schlag zu Boden gegangen und dann noch getreten worden sei.

Elternbündnis spricht von "abgestimmter Kampagne"

Der Angeklagte beschrieb die betreffenden Schüler als verhaltensauffällig, auch aggressiv, mit ihnen habe es zum Teil an anderen Schulen schon Probleme gegeben.

Die Eltern der betroffenen Kinder hatten im Gespräch mit dem rbb erzählt, dass es sich bei den Übergriffen beispielsweise um einen Tritt gegen ein Mädchen im Sportunterricht handle, das keine Vorwärtsrolle schaffte. Ein Junge sei vom Schulleiter als dumm bezeichnet worden, ein weiterer Junge habe Angstzustände, weil er beobachtet habe, wie sein Freund geschlagen worden sei.

Ein Elternbündnis hingegen sprach von einer "abgestimmten Kampagne" gegen den Schulleiter und bezweifelte die Vorwürfe. Die Schule erfülle ihren Erziehungsauftrag zu 200 Prozent, hieß es in einem Schreiben.

Kontakt zu Schülern untersagt

Das Bildungsministerium verbat dem Mann nach Bekanntwerden der Vorwürfe den Kontakt zu Schülern. Er durfte die Schule nicht mehr betreten. Die Leitung der Schule übernahm die Ehefrau des Mannes.

Bei der Einrichtung in Forst handelt es sich um eine Grundschule in freier Trägerschaft. Für den Prozess wurden zunächst vier Verhandlungstermine bis Mitte März angesetzt. Ursprünglich sollte der Prozess bereits vor einem Jahr beginnen. Probleme bei der Terminabsprache mit der Verteidigung und den Nebenklägern hatten aber für Verzögerungen gesorgt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.02.2020, 7:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Bild in groß
Bildunterschrift