Rehkitz kauert am Boden (Quelle: Imago/Cancalosi)
Video: Brandenburg Aktuell | 19.05.2020 | Rico Herkner | Bild: Imago/Cancalosi

Gefahr bei der Grasmahd - Drohnen sollen Rehkitze vor dem Tod retten

Sie kauern verängstigt am Boden und sind im Gras nicht zu sehen: Jedes Jahr sterben Tausende Rehkitze auch in Brandenburg bei Mäharbeiten. Bauern versuchen das mit Warntönen und Absuche zu verhindern oder setzen moderne Drohnen ein. Von Sascha Erler 

Wenn im Frühjahr die Grasmahd beginnt, dann wird es für Rehkitze lebensgefährlich. Die jungen Tiere flüchten nicht, wenn sich die schwere Technik nähert, sondern kauern verängstigt am Boden. Dort sind sie für den Landwirt nicht zu sehen, werden von den scharfen Messern des Mähers erfasst und getötet. Jedes Jahr sterben so Tausende Rehkitze in Deutschland.

Die Bauern unternehmen einiges, um das zu verhindern. So werden auch in der Agrargenossenschaft Dürrenhofe (Dahme-Spreewald) die Flächen mit Hunden abgesucht, bevor der Mäher startet. Viel Aufwand, denn die moderne Technik schafft locker 80 Hektar am Tag, da müssen Zwei- und Vierbeiner weit laufen.

Bequemer ist da der Blick von oben: Seit einigen Jahren werden die Flächen mit Hilfe von Drohnen abgesucht, in diesem Jahr probieren das auch die Dürrenhofer zum ersten Mal.  

Wärmebildkamera spürt Kitze auf

Die Sonne ist kaum aufgegangen, da treffen sich zur Aktion Rehkitzrettung der Feldbauchef der Genossenschaft, Ronny Lehmann, und Drohnenpilot Michael Noack am Feldrand. Noack macht die Technik startklar: knallorange, gerade mal zwei Kilo schwer und mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Noack hat sie sich zugelegt, weil er selbst leidenschaftlicher Jäger und Revierinhaber ist. "Im letzten Jahr wurden dort bei der Mahd drei Rehkitze erwischt, das war so traurig, dass ich mich damit beschäftigt habe", erzählt er. Ronny Lehmann nimmt seine Dienste gern an, so spart er sich die aufwändige Suche.  Leise surrend startet die Drohne.

Noack hat den Monitor fest im Bick, auf dem Wärmequellen  durch einen hellen Fleck sichtbar werden. Noch passiert da nichts. Nach einem programmierten Muster wird die Fläche abgeflogen. Ronny Lehmann entdeckt plötzlich an einer Schneise mit bloßem Auge ein Reh und will die Drohne aufgeregt dorthin dirigieren.

Michael Noack steuert Drohne über eine Wiese (Quelle: rbb/Sascha Erler)Michael Noack steuert die Drohne über die Wiese.

Pilot kann Entwarnung gegen

Doch Noack winkt ab. Der erfahrene Jäger erkennt, dass die Ricke das Kitz noch im Bauch hat. Die Rehe lassen sich also Zeit in diesem Jahr mit dem Kinderkriegen.

Nach einer Weile ist klar, auf dieser Fläche hat sich kein Kitz versteckt, die mitgebrachten Körbe bleiben leer. Der Feldbauchef kann das Startsignal für die Mahd geben. Und während der Schwadmäher das saftige Gras zu Futter macht, packt der Drohnenpilot seine Technik wieder ein.

Leben gerettet hat er diesmal nicht, aber den Bauern Sicherheit gegeben. Und vielleicht spürt er ja beim nächsten Mal wieder ein Rehkitz auf, in vier Wochen ist die nächste Mahd dran.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Das ist ja einmal ein schöner Bericht! So etwas liest man doch gerne! Als Tierliebhaber und auch als Kopterpilot finde ich die Idee genial! Da ist doch die bei vielen verpönte Technik, von großem Nutzen. Na dann noch viel Glück und Erfolg bei der Rehkitzsuche.

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