Müll vor einem Haus in Alwine (Foto: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 23.07.2020 | Margarethe Neubauer | Bild: rbb

Siedlung sollte Gründerdorf werden - "Alles Verarschung": Alwine-Bewohner nach Verkauf enttäuscht

"Ganzes Dorf zu verkaufen" - 2017 war Alwine bundesweit in den Schlagzeilen. Ein Berliner Makler schlug zu, von der Gründung eines Erfinderdorfs war die Rede. Seitdem tat sich aus Sicht der Bewohner in der verfallenen Siedlung wenig. Von Margarethe Neubauer

Die verfallene Siedlung Alwine ist seit 2017 deutschlandweit berühmt. Sie sollte auf einen Schlag versteigert werden. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, kaufte ein Berliner Makler die Siedlung im Süden Brandenburgs. Zwei Österreicher wurden ins Boot geholt, von der Gründung eines Erfinderdorfs war die Rede. Seit Ende 2019 ist dieser Plan aber abgesagt.

Aktuell tut sich wieder was in Alwine. Danach sieht es zumindest aus, als der rbb Mitte Juli in den Landkreis Elbe-Elster fährt. Nach einem halben Jahr Stillstand ist der Dachdecker zurück. Ortsvorsteher Peter Kroll will dem Frieden aber nicht so richtig trauen. Alles nur Show für die Kamera, vermutet er.

Der Ortsvorsteher von Domsdorf Peter Kroll im Interview mit dem rbb (Foto: rbb)
Ortsvorsteher Peter Kroll | Bild: rbb

Feuchte Wände, schimmlige Tapeten

"Gerade heute stellen wir fest, dass es hier wieder weiter geht. Das ist ein bisschen ominös", sagt Kroll. Die Bewohner hätten im nassen Winter mit einem "dreiviertel-, halbgedeckten Dach" gelebt. "Man kann sich vorstellen, dass das Wasser sich seinen Weg sucht. Nach innen nämlich." Genau das sei auch passiert.

Einer der letzten sechs Anwohner ist Paul Urbanek, 73 Jahre alt. Filmen soll das Fernsehteam seine Wohnung nicht, darauf hat er sich mit dem Eigentümer verständigt. Als der rbb vor anderthalb Jahren die Schäden angesehen hatte, wurden feuchte Wände und schimmelige Tapeten sichtbar.

Jetzt legt der Besitzer Hand an, doch Urbanek ist nicht zufrieden. Unter der Woche werde gar nichts gemacht und "am Wochenende tobt er hier rum". Dann habe er "die ganzen Tapeten abgerissen. Da drüben hat er all den Müll rausgeräumt", sagt der Mieter. Inzwischen sei der Besitzer seit mindestens vierzehn Tagen nicht mehr im Ort gewesen. Schon im Jahr 2018 waren die Bäder entrümpelt worden. Viel mehr sei seitdem nicht passiert, so Urbanek. Neue Öfen müssten her und das Haus isoliert werden.

Alwine-Besitzer reagiert schriftlich

Bauunternehmer Volker Ullmann aus dem Nachbarort Wahrenbrück würde sich der Sache gern annehmen, gemeinsam mit Handwerkern aus der Region. Aber das gehe nur, wenn der Eigentümer mitspielt. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein so junger Mensch, der gar nicht aus der Baubranche kommt, mit so einem Objekt überhaupt was anfangen kann." Das könne nicht funktionieren, sagt Ullmann. "Und eine bessere Konstellation hätte es auch nicht geben können, wenn eine Baufirma vor Ort im Verbund mit den anderen was auf die Beine stellt."

Bauarbeiten auf einem Dach in Alwine (Foto: rbb)

Doch der jetzige Besitzer, ein junger Berliner, der anonym bleiben möchte, will weiterhin selbst sanieren. Er geht davon aus, das Projekt allein stemmen zu können. "Ich denke, die ersten Wohnungen werden in den nächsten drei bis vier Monaten fertig sein", teilt er schriftlich mit. Sie könnten dann an Klein- und mittelständische Unternehmen und Startups vermietet werden.

Dass auch seine Wohnung bald saniert ist, daran glaubt Paul Urbanek nicht. "Der ganze Scheiß ist doch Verarschung. Alles Verarschung hier." Wenn Urbanek spricht, klingt er resigniert. "Wir haben alle die Schnauze voll. Ob Herr Kern [ein Nachbar, d. Red.] das ist, oder meine Nachbarin, oder ich. Das geht nicht mehr!" Ob der Eigentümer seine Pläne umsetzt, wird sich wohl frühestens in einem Vierteljahr zeigen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 23.07.2020, 19.30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ach ja... also so ein Dörfchen würde sich sich gut in meinem Portfolio machen. Und dann siedeln ich irgendwo mitten in der Walachei StartUps an.. ?

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