Blick auf den Schaufelradbagger "Blaues Wunder" (Foto: rbb/Erler)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.09.2020 | Sascha Erler | Bild: rbb/Erler

Diskussion um "Blaues Wunder" in Schipkau - Rostendes Denkmal wird immer öfter Opfer von Vandalismus

Es ist ein Geschenk, das sie nicht wollten: Brandenburg hat einen alten Schaufelradbagger in der Lausitz zum Denkmal erklärt. Die Kommunen wollten das "Blaue Wunder" dagegen sprengen. Jetzt rostet er - und kostet: vermehrt wegen Vandalismus. Von Sascha Erler

Die Gemeinde Schipkau (Oberspreewald-Lausitz) macht sich Sorgen um die Sicherheit rund um den alten Schaufelradbagger "Blaues Wunder", in der Nähe des Lausitzrings. Das Land Brandenburg hatte ihn kurz vor der Sprengung unter Denkmalschutz gestellt.

Seitdem steht er eingezäunt in der Landschaft, rostet vor sich hin und kostet die Anrainerkommunen Geld für die Instandhaltung. Sie wollen den Bagger so schnell wie möglich loswerden - auch, weil immer öfter unbekannte Vandalen auf das abgesperrte Gelände eindringen und sich an dem Gerät zu schaffen machen.

Bauamtsleiter Schipkau Martin Konzag, im Hintergrund der Schaufelradbagger (Foto: rbb/Erler)
Ordnungsamtschef Schipkau, Martin Konzag | Bild: rbb/Erler

Tausende Euro Schaden

"Wir stellen fest, dass der Zaun einschließlich des Übersteigschutzes heutzutage leider nicht mehr ausreicht, dass viele Zeitgenossen diese Absperrung inklusive der Beschilderung leider ignorieren", sagt der Chef des Ordnungsamts Schipkau, Martin Konzag. Das Gebiet rund um den Schaufelradbagger ist ein gesperrter Kippenbereich. Eine Schranke versperrt den Weg, doch rechts und links von ihr führen Fahrspuren vorbei. Die Schranke hält illegale Besucher offensichtlich nicht ab.

Mitarbeiter des Bauhofs sind laut Konzag wöchentlich auf dem Gelände unterwegs. Dabei stellen sie immer wieder fest, "dass der Zaun beschädigt ist, ein Teil des Zaunes sogar abgebaut oder niedergerissen" worden ist. Solche Schäden müssten jedes Mal sofort repariert werden. Dadurch entstünden den drei Anrainerkommunen Senftenberg, Großräschen und Klettwitz jährlich Kosten von 5.000 bis 20.000 Euro - "Geld, das wir gerne an anderen Stellen ausgeben würden", so Konzag.

Blick auf den Schaufelradbagger "Blaues Wunder" (Foto: rbb/Erler)
Das "Blaue Wunder" ist heute eher grau. | Bild: rbb/erler

Hoffnung auf Abriss

Die Kommunen bleiben bei ihrer Forderung, dass der Bagger "beseitigt werden muss", erklärt der Ordnungsamtschef. Deren Hauptargument sei, dass das Gerät nur für einen bestimmten Zeitraum konzipiert worden ist. Man sei nun mit den Denkmalbehörden in Kontakt.

"Wir müssen auch dort wieder hohen Aufwand betreiben, um die nötigen Belege und Unterlagen beizubringen, dass das Gerät nicht auf ewig gehalten werden kann", sagt Konzag. Auch für diesen Aufwand würden fünfstellige Beträge fließen.

Noch ist also offen, was mit dem "Blauen Wunder" passieren wird. Landeskonservator Thomas Drachenberg erklärte 2019, dass er, wenn ein Erhalt des Baggers nicht möglich wäre, den kontrollierten Verfall einer Sprengung vorziehe. "Es ist ein Gerät, das aus technischer Sicht, aus städtebaulicher Sicht, aus sozialgeschichtlicher Sicht wichtig ist für die Lausitz", so Drachenberg damals. Gerade im Strukturwandel habe der Schaufelradbagger Bedeutung.

Der Bagger war früher im Tagebau Meuro (Oberspreewald-Lausitz) im Einsatz, der inzwischen geflutet und zum Großräschener See geworden ist. Seinen Spitznamen "Blaues Wunder" bekam das Großgerät durch seine Färbung - die inzwischen aber eher grau ist.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Der offene Zugang ist schlecht umsetzbar, da die einigermaßen ausgebauten Wege zum Objekt momentan nur über gesperrte ehemalige Kippenflächen erreichbar führen, die nur mit Ausnahmegenehmigung betreten werden dürfen.

  2. 8.

    Der Bagger ist schon ein Industriedenkmal. Wie so oft hat keiner ein Konzept wie und wo es genutzt werden könnte. Dazu kein Plan zu Finanzierung der ganzen Sache. Gegen die Vandalen ist kaum ein Gras gewachsen, aber sicher etwas gegen die unqualifizierten Kommentare von den Leuten die bis heute nicht wissen ob die Kohle gepflückt oder geschüttelt wird.

  3. 7.

    Wird wegen der Haftungsbedingungen wohl nicht möglich sein. Ich finde es auch faszinierend, kann die Gemeinde Schipkau aber auch verstehen, dafür nicht weiter Mittel zur Verfügun zu stellen wollen bzw. können. Leider kann ich es mir aber auch nicht leisten.. ;)

  4. 6.

    Bei mir war der Zaun offen und ich konnte schön drauf rum klettern und viele Fotos machen. Bitte nicht abreißen, wäre schade. Für Besucher zu öffnen wäre wahrscheinlich zu hoher Aufwand.

  5. 5.

    freigeben, zum abbauen von alt-metall, dann ist das ding recht schnell weg.
    evtl zuvor einiges zusammen-sägen /flexen oder sprengen, das nicht gross was passiert bzw entsprechende firmen, mit dem entsprechenden kowhow den abbau des baggers genehmigen.
    wenn doch was passiert, sind sie selbst verantwortlich.

  6. 4.

    Dass Ding muss doch einen enormen Schrottwert haben.... Finde es jedenfalls unfair, dass das Land das Ding den Kommunen unerwünscht vor die Haustür setzt und die mit den Kosten dann alleine lässt. Aber leider müssen sich politisch Verantwortliche nicht an Fairness und Gerechtigkeit halten. Oder wie war das mit den Sandpisten? Abstrafen kann das nur der Wähler. Aber letztendlich wählt man immer nur das seiner Ansicht nach geringere Übel.

  7. 3.

    Passt doch gut dass ein Denkmal für den Bergbau auf ewig Kosten verursacht.

  8. 2.

    Von den Dingern gibt es zeitnah genug, verschrotten und gut ist.

  9. 1.

    Einen offenen Weg geschaffen, Zaun weg und "Betreten auf eigene Gefahr" wäre einfach, wird aber nicht möglich sein. Siehe Urteil zu den (Bade-) Seen.
    Aber so könnte es langsam zu einem "Lost Place" werden.
    Ich finde diese gigantische Technik einfach faszinierend.
    Es ist Industriegeschichte.

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