Mit Kollektoren belegte Häuser (Quelle: rbb/A.Lepsch)
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Brandenburg - Positive Bilanz bei Sonnenhäusern in Cottbus

Strom und Wärme aus Sonnenenergie gewinnen: Das ist das Konzept der beiden autarken Sonnenhäuser in Cottbus, der wohl einzigen in Brandenburg. Zum Teil muss zwar Strom eingespeist werden, insgesamt ist die Bilanz nach zwei Jahren aber positiv. Von Aline Lepsch

Die Dachflächen mit Solarkollektoren belegt, ein Akku als Energiespeicher: Seit zwei Jahren nutzt die eG Wohnen Cottbus die Sonne als Strom- und Wärmelieferant. Die beiden Sonnenhäuser sind nach Angaben der Wohnungsgenossenschaft die einzigen in Betrieb befindlichen in Brandenburg.

"Sonnenhäuser kann man es dann nennen, wenn 50 Prozent des Energiebedarfs, also Strom und Heizung, durch die Sonne gedeckt wird", erläutert Uwe Emmerling, der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Wenn die Sonne nicht scheine, sei natürlich irgendwann der Akku leer. Im Gegenzug gebe es aber im Sommer große Überschüsse, da erzeuge das Haus an manchen Tagen doppelt so viel Strom, wie es selbst verbraucht.

Über das gesamte Jahr erreichen die Häuser eine sogenannte Autarkie von 76 Prozent. Die Mieter zahlen nur ihre Miete, Strom und Wärme sind als Festpreis enthalten.

Frau Wagner vor dem Sonnenhaus (Quelle: rbb/A.Lepsch)
Bild: rbb/A.Lepsch

"Muss schon Feuer und Flamme sein"

Mieterin Roswitha Wagner weiß zu schätzen, dass es keine Extra-Kosten gebe. Was sie für das Wasser zahlen muss, sei ihr egal: "Wichtig ist, dass ich hier ein ganz glückliches Zuhause habe".

Seit gut einem Jahr wohnt sie mit ihrem pflegebedürftigen Mann in der Erdgeschosswohnung mit kleinem Garten, umrahmt von ein paar Bäumen. Wichtig sei, dass das Haus die Umwelt schone. Da seien sich die Mieter der 14 Wohnungen einig, erzählt sie. Alle hätten sich bewusst dafür entschieden, die vergleichsweise etwas höhere Miete in Kauf zu nehmen. Ins Detail geht Roswitha Wagner nicht, aber "man muss schon Feuer und Flamme sein", betont sie.

Die Lage erscheint allerdings zunächst nicht besonders attraktiv: Zwischen Schule und Plattenbauten, nur einen Katzensprung von einer viel befahrenen Straße und den Bahngleisen entfernt. Doch wichtig sei die gute Ausrichtung zur Sonne, so Uwe Emmerling. Benötigt werden Südlagen, die nicht verbaut oder durch Bäume verschattet sind. Außerdem müssen die Häuser in der Nähe des Sitzes der Genossenschaft stehen, da dort ein Teil der überschüssigen Energie verbraucht wird.

Viele Nachahmer

Mieterin Roswitha Wagner stört die Lage nicht. Bekannte würden sie sogar beneiden um ihr "wohnen mitten im Park".

Im Raum Cottbus sollen noch mehr Sonnenhäuser entstehen und auch Mitbewerber sind auf diese Bauweise aufmerksam geworden, so der Vorstandsvorsitzende. Es seien viele Kollegen aus der Branche in Cottbus gewesen und hätten sich das angesehen. Er wisse, dass an mehreren Standorten in Deutschland diese Häuser gebaut werden.

Die Cottbuser seien zwar die ersten gewesen, doch es gebe viele, die das nachahmen und weiter treiben.

Sendung : Antenne Brandenburg, 18.02.2021, 15.40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Die einzigen in Brandenburg? Das würde ich arg bezweifeln. Die Technologie Eigenverbrauchsoptimierung mit PV und Akku wurde vor ca. 10 Jahren marktreif. Ich betreue seit 8 Jahren eine solche Anlage im gewerblichen Bereich deren Energiewerte mit einem Wohnhaus vergleichbar sind. Das war damals großes Thema, würde mich wundern, wenn nicht auch private Nutzer sowas gekauft haben. Man macht nur nicht soviel Gewese darum, sondern betreibt es einfach.

  2. 2.

    Gibt es ein Konzept bei der Feuerwehr, falls die großflächige Solaranlage in Brand gerät oder lässt man die Häuser dann kontrolliert abbrennen?

  3. 1.

    Wenn die Miete höher ist, bedeutet das dann Idealismus nötig ist? Der wäre dann zu hinterfragen, weil die Herstellung der Gebäudeausrüstung in die Umweltbilanz einfließen muss. Bisher haben physikalische unsinnige "Umweltauflagen" (nicht alle) die Kosten nach oben getrieben: Dicke der Dämmung, Solaranlagen für Brauchwasser u.a. Es gibt sie, die intelligenten Projekte, "grüne" Auflagen tragen nicht dazu bei, "man muss schon Feuer und Flamme sein" ist ein Hinweis darauf und nur von gut gefüllten "Brieftaschen" zu leisten? Also "Positive Bilanz" in der Überschrift ist im Text dann nicht wiederzufinden - Schade.

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