Plastinations-Werkstatt in Guben
Werkstatt im Plastinarium Guben | Bild: rbb/Sebastian Schiller

15 Jahre Plastinarium Guben - "Wir haben Kritiker Lügen gestraft"

Große Aufbruchstimmung vor genau 15 Jahren in Guben und gleichzeitig großer Streit!
Gunter von Hagens, weltberühmter Plastinator, baut eine Fabrik in Guben. Dort sollen Leichen plastiniert, präpariert werden. Was ist von Kritik und Zuversicht geblieben?

2006 prallen in der Grenzstadt Guben Meinungen aufeinander. Die einen hoffen auf Jobs, die anderen sehen die Würde des Menschen angetastet: Dadurch, dass von Gunther von Hagens und seinen Mitarbeitern Leichen präpariert werden, so die teilweise heftige Kritik. 15 Jahre später ist Guben eine Erfolgsgeschichte. Sagt Rurik von Hagens, der als Sohn inzwischen die Geschäfte führt, der Vater leidet seit über zehn Jahren an Parkinson.

"Fakt ist, die anatomische Ausbildung von Medizinstudenten ist ganz wichtig. Dafür sind Präparate die beste Alternative und die beste Möglichkeit, das zu transportieren", erklärt von Hagens. Und fügt hinzu, "deswegen haben wir die Kritiker Lügen gestraft und sind heute ganz erfolgreich."

Rurik von Hagens im Plastinarium in Guben
Rurik von Hagens | Bild: rbb/Sebastian Schiller

Plastinate aus Guben gehen in die ganze Welt

90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten zur Zeit im Plastinarium. Die Präparate werden von Universitäten auf der ganzen Welt geordert. Einer der Hauptkritiker damals war der Gubener Pfarrer Michael Domke.

Immerhin, so sagt er heute, habe das Aktionsbündnis Menschenwürde damals durchsetzen können, dass das Brandenburger Bildungsministerium Schulen davor gewarnt habe, Klassenfahrten und Exkursionen hierhin zu machen. "Das fanden wir sehr vernünftig, weil eben die Würde des Menschen nicht mit dem Tode endet", so Domke.

Plastinierte Giraffen im Plastinarium Guben
Plastinierte Giraffen | Bild: rbb/Sebastian Schiller

Corona verhindert Körperwelten-Ausstellungen

Auch die Körperwelten-Ausstellungen können durch die Pandemie derzeit nicht besucht werden. Seit über einem Jahr sind die Ausstellungen geschlossen, auch die in Berlin. Die Auftragsbücher seien aber voll, da Universitätetn nach wie vor Präparate anfordern.

Guben ist durch das Plastinarium berühmt geworden, sagt Bürgermeister Fred Mahro. Er sei stolz auf diese Geschichte. Er habe von einem Bekannten ein Foto bekommen von einer Ausstellung am Time Square in New York, der Bekannte schwenke darauf einen Flyer der Stadt Guben. "Was gibt es Besseres für eine Stadt", freut sich Mahro.

Gerade hat der große Umbau der ehemaligen Textilhallen begonnen, in denen seit 15 Jahren Leichen plastiniert werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.04.2021, 16.40 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    ... und zu einer Zeit, in der die Urgroßeltern des Plastinariums-Direktors gerade mal auf der Welt waren.

  2. 2.

    Genau! Die Zeit, in der Guben durch seine Textilindustrie berühmt wurde, ist laaaaange vorbei...
    In jüngerer Vergangenheit ist - neben der "Gubener Hetzjagd" von 1999 - das Plastinarium eine der wenigen Veränderungen, die über die Stadtmauern hinaus Aufmerksamkeit erregen konnten.

  3. 1.

    Guben wurde nicht durch das Plastinarium berühmt. Vielleicht geht es eine Nummer kleiner... Guben wurde berühmt durch seine Textilindustrie. Zu einer Zeit, zu der der Herr Plastinariumsdirektor noch keine Ahnung hatte, wo die Stadt überhaupt liegt.

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