Dirk Paulick kontrolliert Wasserstand
Pegelkontrolle | Bild: rbb/Iris Wußmann

Wasserknappheit - Brunnen bohren ist nicht die Lösung

Bis zu 40 Grad, kaum Niederschlag: Nach den Dürresommern der vergangenen drei Jahre treibt die Wasserknappheit die Bauern in Brandenburg um. Experten raten zur Nutzung des Grundwassers, doch auch das ist endlich. Von Daniel Mastow

Vertrocknete Pflanzen, ausgedörrte Böden: extreme Temperaturen und ausbleibender Regen haben in den vergangenen drei Jahren den Bauern in Brandenburg zu schaffen gemacht. Wie unter diesen Umständen Landwirtschaft überhaupt noch möglich ist, darüber haben am Mittwoch bei Dahme (Teltow-Fläming) Bauern mit Vertretern des Landesumweltamtes und Bewässerungsfachleuten gesprochen.

Von "Glück" spricht Sylvia Zeidler, Geschäftsführin der Agrargenossenschaft Spreetal im Unterspreewald bei Neu Lübbenau, wenn sie erzählt, dass sie dank einiger Gewitter und Schauer im vergangenen Jahr wenigstens den Mais retten konnte. 2019 hatte sie bei dem wichtigen Futter für ihre Milchkühe einen Totalausfall. Auch Thomas Göbel, der Vorsitzende des Südbrandenburger Bauernverbandes, berichtet von schlechten Ernten, die eingefahren wurden.

Grundwasser wird angezapft

Das Gemüse könne man noch bewässern, bei Getreide sei das nicht möglich. Auch die Eiweißpflanzen hätten gelitten, das Wasser habe einfach gefehlt. In den vergangenen Jahren seien im Hochsommer immer wieder Entnahmeverbote aus Flüssen und Seen ausgesprochen worden, damit konnte dort in Trockenzeiten nichts mehr abgepumpt werden.

Die Bauern hätten zwar alle die entsprechenden Genehmigungen, um Wasser aus Fließgewässern entnehmen zu können, das nutze aber wenig, wenn da nichts drin ist, so Göbel. So haben die Landwirte in den vergangenen Jahren immer mehr Brunnen gebohrt.

Veikko Junghans vom Fachverband Bewässerungslandbau Mitteldeutschland erklärt, wer auf Grund- statt auf Flußwasser setzt, ist zumindest in den nächsten Jahren immer auf der sicheren Seite.

Ministerium mahnt

Es sei in vielen Regionen noch gut vorhanden. Im Wesentlichen sei man im Land Brandenburg bei einer Grundwasserausnutzungsrate bzw. der Grundwasserneubildung von unter 20 Prozent. In dicht besiedelten Landkreisen mit Wasserwerken liege man darüber.

Das Anzapfen des Grundwasserspeichers mit Pumpen wird allerdings vom Umweltministerium Brandenburgs kritisch gesehen. Wie ein Sprecher auf rbb-Nachfrage erklärte, verfüge Brandenburg mittelfristig über ausreichend Grundwasservorkommen zur Trinkwasserversorgung, bei Brauchwasser zum Beispiel für die Landwirtschaft sehe das aber anders aus.

Deshalb brauche es Konzepte, wie dort das Wasser möglichst sparsam unter anderem durch Tröpfchenbewässerung eingesetzt werden könne. Das sei auch Inhalt des Niedrigwasserkonzeptes des Landes.

Verdunstung reduzieren

Der Appell zum sparsamen Umgang ist bei den Bauern längst angekommen, so Thomas Göbel vom Bauernverband. Um die Verdunstung zu reduzieren, werden Zwischenfrüchte und Untersaaten angebaut. Auch auf das Pflügen würden die Landwirte verzichten.

Das Land Brandenburg unterstütze sie bei der Anschaffung von Bewässerungstechnik. Das rechne sich aber nur bei größeren Betrieben, so Sylvia Zeidler. In ihrem Betrieb im Unterspreewald wäre der Aufwand für die Bewässerung höher als der Mehrertrag, der damit auf den schlechten Böden erwirtschaftet werden kann.

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.04.2021, 16.10

3 Kommentare

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  1. 3.

    Hat das Umweltministerium Brandenburg nicht den Bau von Tesla zugestimmt? (auch ohne Baugenehmigungen.)
    Heuchlerei.

  2. 2.

    Moin zusammen,

    in diesem Zusammenhang wäre es wünschenswert, wenn die Redaktion auch mal andere Ursachen ins Feld führen würde.
    Ich denke da beispielsweise an das Missmanagement der Forstwirtschaft. Unsere Wälder sind ganz einfach kaputt gewirtschaftet und können der Aufgabe der Wasserspeicherung nicht mehr gerecht werden.
    Dies ist leider seit mehr als 50 Jahren bekannt, nur gegengesteuert wurde in keinster Weise. Jetzt kommen natürlich noch andere Faktoren dazu und verschlimmern die Situation.
    Das sollte schon etwas Ganzheitlicher betrachtet und kommentiert werden.

    Mfg

  3. 1.

    Den Bauern wird empfohlen,Wasser zu sparen,Grundwasser wäre endlich usw....schön...und neben Tesla wird das letzte Grundwasser erkundet,um es der Industrie in den Rachen zu werfen? Die Produktion von Lebensmitteln sollte doch wohl Vorrang haben vor unnützen Konsumgütern? Wassersparen ist angebracht,das ist richtig,das betrifft alle Verbraucher nicht nur in Brandenburg, dann sollte man aber auch aufhören,Brandenburg zur Industriefläche umzubauen,immer weiter zu versiegeln usw..

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