Revision gegen Cottbuser Gerichtsurteil eingelegt - Mann nach Tötung der Ehefrau zu 13 Jahren Haft verurteilt

Beim letzten Prozesstag im Cottbuser Landgericht (Foto: rbb/Schomber)
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Audio: Antenne Brandenburg | 07.06.2021 | Jörg Reimann | Bild: rbb/Schomber

Nachdem ein Mann am Landgericht Cottbus zu 13 Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden ist, hat die Verteidigung Revision eingelegt. Das hat eine Gerichtssprecherin dem rbb mitgeteilt.

Die Richter hatten den zur Tatzeit 32-Jährigen am Montag schuldig gesprochen, weil er im vergangenen Jahr seine 28-jährige Frau in Cottbus getötet haben soll. Weil Revision eingelegt wurde, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Nun werde sich voraussichtlich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen, so die Sprecherin.

Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage waren zuvor weit auseinander gegangen. Die Staatsanwaltschaft hatte laut Gericht 14 Jahre Gefängnis wegen Totschlags gefordert, der Nebenklagevertreter eine lebenslange Haftstrafe, weil es sich um eine "grausame Tötung aus niederen Beweggründen gehandelt habe, so dass zwei Mordmerkmale erfüllt seien". Laut Verteidigung sei der Angeklagte zu der Tat durch eine schwere Beleidigung gereizt worden. Sie plädierte deshalb für fünf Jahre Haft.

Kinder sollen die Tat mit angesehen haben

Im Mai 2020 soll in einer Wohnung im Cottbuser Stadtteil Neu-Schmellwitz ein Streit des Ehepaares eskaliert sein. Der Mann soll mit einem Messer mehrmals auf seine Frau eingestochen haben.

Als sie versuchte, sich aus dem Fenster der Wohnung im zweiten Obergeschoss auf das Vordach des Neubaublocks zu retten, soll der Angeklagte sie auf die Haus-Eingangstreppe geworfen haben. Laut Gericht soll er danach ihren Kopf mehrmals mit äußerster Gewalt auf die Stufen geschlagen haben. Die 28-jährige starb noch am Tatort an ihren schweren Verletzungen.

Die drei Kinder des Paares im Alter von damals drei, sechs und zehn Jahren sollen die Tat nach Zeugenaussagen mitbekommen haben. Sie sind seitdem in der Obhut des Jugendamtes.

Angeklagter bereut die Tat

Zum Prozessauftakt im November 2020 hatte der Angeklagte die Tat gestanden. "Ich habe meine Frau getötet, ich bin darüber zutiefst erschüttert" waren die ersten beiden Sätze aus der Einlassung des Angeklagten, die sein Verteidiger verlesen hatte. Darin hieß es weiter, dass der Angeklagte seit mehreren Jahren an schweren Depressionen leide und während der Tat neben sich stand.

Anders als es in der Anklage hieß, habe er seiner Frau, die wie er dem muslimische Glauben angehörte, gestatten wollen, nach dem nächsten Ramadan das Kopftuch abzulegen und beide hätten nie vorgehabt, sich zu trennen. Dem aus Afghanistan stammenden Mann wurde vorgeworfen, die Tat deshalb begangen zu haben, weil er mit dem westlichen Lebensstil seiner Frau nicht einverstanden war und sie ihn verlassen wollte.

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