Dahme-Spreewald - Berliner Hochschule will Golßen zur Studentenstadt machen

Treppenhaus Schloss Golßen (Foto: Andrea Weigt)
Andrea Weigt
Audio: Antenne Brandenburg | 20.07.2021 | Daniel Friedrich | Bild: Andrea Weigt

Eigentlich ist Golßen eine beschauliche Kleinstadt im Süden Brandenburgs. Rund 2.500 Einwohner, eine Grundschule, eine Kirche. Jetzt könnte sie zur Studentenstadt werden - zumindest nach den Vorstellungen einer Berliner Hochschule. Von Daniel Friedrich

Die Kleinstadt Golßen (Dahme-Spreewald) könnte bald zur Studentenstadt werden. Eine Berliner Hochschule will in das alte Schloss einziehen und dort einen Hochschulcampus gründen, als Außenstelle.

Schloss Golßen von außen (Foto: rbb/Friedrich)
| Bild: rbb/Friedrich

Das Gebäude steht seit der politischen Wende praktisch leer, ist aber dennoch gut erhalten und könnte schnell bezogen werden. Gäbe es nicht einen Knackpunkt: Die Anschubfinanzierung ist noch offen. Doch die Initiatoren haben Ideen.

Gesundes Leben im Mittelpunkt der Arbeit

Wer auf der Bundesstraße 96 aufmerksam durch Golßen fährt, der kann das Schloss auf einem kleinen Hügel, versteckt hinter Bäumen erahnen. Erbaut 1720, waren hier zuletzt bis 1990 ein Trauzimmer und ein Landambulatorium untergebracht.

Mehr als 30 Jahre später ist das Dach noch immer gedeckt, die Fassade in Ordnung, sind die Innenräume trocken. Der gute Erhaltungszustand mache es so interessant, sagt Architektin Andrea Weigt aus dem nahen Drahnsdorf (Dahme-Spreewald).

Sie hält als Initiatorin den Kontakt zu der interessierten Berliner Hochschule, die namentlich bei rbb|24 noch nicht genannt werden will, weil noch nicht alles in trockenen Tüchern sei. Zurzeit führt Weigt intensive Gespräche mit der Einrichtung. Die Hochschule wolle ins Golßener Schloss "einen Gesundheitscampus reinsetzen, im Zusammenhang mit der Stadt", sagt sie. "Es geht um ein Kompetenzzentrum für gesundes Leben."

Landflucht nach Golßen

Dass noch einmal Leben ins alte Schloss einziehen soll, hätte sich in Golßen niemand träumen lassen, nachdem bereits zwei Fördermittelanträge für das Schloss abgelehnt wurden. Auch die Pläne, altersgerechte Wohnungen im Schloss zu schaffen, waren nicht vorangekommen. Doch Andrea Weigt zeigt sich zuversichtlich, dass das neue Projekt funktionieren und bald eine ganz neue Zielgruppe nach Golßen kommen wird.

Die Initiatoren Andrea Weigt und Cyrus Khazaeli (Foto: rbb/Friedrich)Die Initiatoren Andrea Weigt und Cyrus Khazaeli

Wenn alles nach Plan gehe, würden hier bald Studenten unterrichtet, gleichzeitig solle aber auch mit Unternehmen und mit Arztpraxen vor Ort zusammengearbeitet werden, sagt Weigt. "Wir denken auch an ein Café, an Co-Working-Spaces."

Doch warum will eine Berliner Hochschule einen Campus weit außerhalb der Stadt in Brandenburg eröffnen? Ein Grund ist laut der Initiatorin die Erfahrung durch die Corona-Pandemie. Dadurch habe die Hochschule bemerkt, dass es sinnvoll sei, wenn nicht alle Studenten aufeinander hockten.

"Außerdem gibt es sowieso eine Landflucht. Das Land wird für viele immer interessanter und damit auch die Stadt Golßen mit ihrer guten Anbindung." Alle zwei Stunden pendelt die Bahn nach Berlin. Auch Dresden und Leipzig seien so gut erreichbar, sagt Weigt.

Identitätsstiftenden Gebäude erhalten

Dass es bei der Sanierung von alten Gemäuern einen langen Atem braucht, wissen Weigt und ihr Mann Cyrus Khazaeli aus eigener Erfahrung, wie sie erzählen. Sie haben nach eigenen Angaben an ihrem Wohnort in Drahnsdorf bereits einen alten Hof restauriert. "Wir finden, dass solche identitätsstiftenden Gebäude auch in Hand der Region bleiben sollten - gerade in Zeiten, in denen wahrscheinlich so viel auf dem Land passieren wird."

Nun fehlt nur noch ein Gönner mit dickem Portemonnaie. Einen Investor gibt es nicht. Die Hoffnung ruht jetzt auf Menschen, die das Vorhaben ideell und finanziell fördern wollen. Den Initiatoren schwebt eine gemeinnützige Trägerschaft vor, bei der das Schloss in der Hand der Stadt bleibt und die Hochschule als Mieter einzieht.

Einen konkreten Zeitplan gibt es unter anderem wegen der offenen Finanzierung noch nicht. Doch wenn alles klappt, könnte es auf dem Golßener Wohnungsmarkt eng werden. "Natürlich werden auch Studenten hierher ziehen. Es geht auch darum, zu gucken, wie man das Potenzial nutzen kann, was man ihnen an Wohnraum anbietet." Da werde sich so einiges entwickeln, zeigt sich die Initiatorin sicher.

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ich finde es klasse für die Region und als ein schönes Statement. Ich bin in Golßen/Prierow groß geworden und begrüße dieses Projekt bzw. Idee sehr.

  2. 4.

    Na das ist doch ideal für abgeschiedenes konzentriertes Lernen ohne das ablenkende Halligalli in Berlin. Wer dort was studieren und lernen möchte, der will das auch wirklich und nicht nur eingeschriebener Dauerstundent in Berlin sein, um mit nem Studienausweis preiswert die Jugend durchzufeiern. ;-)))
    ** Satire auf Vorurteile Ende **

  3. 3.

    Das klingt gar nicht mal so abwegig. Eröffnen könnte das Hochschul-Schloss ja sowieso erst in einigen Jahren, und bis dahin ist die Dresdener Bahn fertig. Dann fährt der RE jede Stunde, und man kommt viel schneller von Golßen nach Berlin bzw. zurück als jetzt.

  4. 2.

    Schade, dass da nur Männer (Studenten) und nicht auch Frauen (Studierende) mitmachen dürfen.

  5. 1.

    ..da werden sich die Golßener aber freuen, die Berliner Probleme aufs Land zu tragen. Passt übrigens auch mit der weitern Zersiedlung zur Umweltpolitik

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