Mordprozess am Landgericht Cottbus - "Schüsse wie Silvesterböller"

Angeklagte und ihre Verteidiger im Landgericht Cottbus (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Sie sollen vor gut einem Jahr in Cottbus einen Mann erschossen haben: Zwei Männern wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen, beide haben bereits gestanden. Am Mittwoch schilderten weitere Zeugen ihre Erlebnisse am Tatabend.

Im Prozess gegen zwei Männer wegen mutmaßlichen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Cottbuser Landgericht sind am Mittwoch weitere Zeugen gehört worden.

Ein Mann, der am Tatabend mit seinem Hund Gassi gegangen war, sagte, "die Schüsse klangen wie Silvesterböller". Ein anderer Zeuge berichtete davon, dass ihm das Opfer keuchend entgegengerannt kam. Der Zeuge habe versucht, die Schützen zu verfolgen und schließlich auch die Polizei alarmiert. Der Verteidiger eines Angeklagten allerdings bezeichnete den Zeugen als unglaubwürdig, er habe sich in Widersprüche verstrickt. Eine weitere Zeugin habe die Schüsse auch gehört und daraufhin das Fenster geschlossen.

Die Tat ereignete sich am 1. März 2020 in der Cottbuser Altstadt. Mehrere Schüsse waren auf einen Mann abgegeben worden, das Opfer starb daran. Die angeklagten Männer hatten bereits gestanden.

Einblicke in eine gewalttätige Szene

Der Prozess, der am 23. Juni dieses Jahres begonnen hatte, bietet Einblicke in eine gewalttätige Szene, die der Verfassungsschutz als "toxisches Gebilde" bezeichnet. Es gehe um eine kriminelle Mischszene, zu der Drogenhandel, Prostitution und Schutzgeld gehören. Zum Personenkreis gehörten Kampfsportler, Rocker oder auch Rechtsextreme. Auch das 31-jährige Opfer könnte dieser Szene angehört haben, wie der bisherige Prozessverlauf nahelegt.

Geschildert wurde sowohl von den Angeklagten als auch teilweise von Zeugen, wie es in dieser Szene zugehe. Es sei beispielsweise vorgekommen, dass Konkurrenten im heimischen Keller gefesselt worden seien, dann habe man ihre Kniescheiben mit Stahlketten zertrümmert. Oder: Menschen seien im Fitnesscenter an Geräte gekettet und über Stunden immer wieder verprügelt worden. Damit sollte offenbar auch verhindert werden, dass die Opfer Anzeige bei der Polizei erstatten würden.

Der Prozess wird am 29. Juli vor dem Landgericht Cottbus fortgesetzt. Weitere Termine sind bis in den Oktober bereits geplant.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.07.2021, 15.40 Uhr

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