Besserer Austausch zwischen Ärzten - Elektronische Patientenakte hat noch Startschwierigkeiten

Ein Regal voller analoger Patientenakten in einem Krankenhaus
Video: Brandenburg Aktuell | 26.07.2021 | Phillip Manske | Bild: imago images / Shotshop

Ein halbes Jahr lief die Testphase, seit Juli müssen alle Ärzte auf die elektronische Patientenakte eingestellt sein. Doch noch hat die ePa Startschwierigkeiten. Nicht mal ein Prozent der Patienten nutzt sie - und nicht alle Ärzte sind vorbereitet.

Sie soll den Ärzten die Arbeit erleichtern und Patienten zugleich die volle Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten ermöglichen - die elektronische Patientenakte, kurz ePa. Seit Jahresbeginn läuft eine großangelegte Testphase, seit Anfang Juli müssen alle Ärzte die Nutzung der ePa ermöglichen. Doch reibungslos verläuft der Start nicht. Die Nachfrage nach der elektronischen Akte ist nach rbb-Informationen gering - und längst nicht alle Ärzte sind auf die Neuerung eingestellt.

Elektronische Akte bietet Vorteile

Charlotte-Bettina Boettcher ist vom Nutzen der elektronischen Patientenakte überzeugt. Vor allem der unkomplizierte Zugriff auf wichtige Daten spreche für sie, so die Geschäftsführerin des Medizinischen Zentrums in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz). "Allergien oder die Blutgruppe können dort hinterlegt werden. Im Falle eines Unfalls kann man dann diesen Datensatz von der Chipkarte ablesen", sagt sie.

In der Theorie klingt das gut. Nicht nur bei Notfällen, auch wenn eine Zweitmeinung eines anderen Arztes eingeholt wird, kann die ePa helfen. So müssen die notwendigen Daten nicht erst langwierig verschickt werden, Papier wird darüberhinaus auch gespart.

Aktuell können Befunde, Medikamentenpläne oder auch Patientenverfügungen in der Akte hinterlegt werden. Die Patienten müssen dafür bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Nutzung der ePa stellen. Sie bekommen dann eine neue Versichertenkarte. Wer die Daten letztendlich einsehen darf entschiedet der Patient selbst. Ärzte benötigen neue Lesegeräte.

ePa bislang kaum nachgefragt

Doch die Nachfrage nach der elektronischen Akte hält sich nach Recherchen des rbb-Studios Cottbus noch in Grenzen. Nicht mal ein Prozent aller gesetzlich Versicherten nutzt die ePa. Hinzu kommt ein weiteres Problem. Auch, wenn beispielsweise im Medizinischen Zentrum Lübbenau alle Praxen mit der entsprechenden Technik ausgestattet sind, sind längst nicht alle Ärzte technisch schon soweit.

Brigitte Richter, Hausärztin in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz), beklagt beispielsweise die fehlende Freischaltung ihres eigenen Ausweises, um überhaupt auf die Akten der Patienten zugreifen zu können. Auch, dass neue Lesegeräte benötigt werden, kritisiert die Ärztin.

Sie bemängelt zudem den knappen Zeitplan bei der Einführung der Akte. "Meiner Ansicht nach haben die das zu schnell übers Knie gebrochen", sagt sie. Die Coronapandemie habe die Einführung zusätzlich erschwert.

Weitere Nutzungsmöglichkeiten geplant

Zukünftig soll die elektronische Patientenakte für deutlich mehr Aufgaben genutzt werden können. So soll beispielsweise die Krankschreibung elektronisch verarbeitet werden. Das Zahnarzt-Bonusheft, der Impfausweis oder auch der Mutterpass sollen übertragen werden können.

Wer die elektronische Akte nutzen will muss allerdings selbst aktiv werden und sich an seine Krankenkasse wenden. Nur dann gibt es die neue Chipkarte. Eine Pflicht für Patienten zur Nutzung der ePa gibt es nicht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.07.2021, 15.40 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    @Betliner und all die anderen.

    In anderen Ländern wird kaum noch mit Papier gearbeitet. Also warum soll es hier nicht auch gehen.

    Und Sie als Arzt sollten auch mal die Argumentation ei es der Vorredner mal vergegenwärtigen, der Allegorie Sachen in Papierform mitschleppen, weil sie für ihn (über)lebenswichtig sind, vor allem was die notärztliche Behandlung betrifft, z.B. wenn jemand nicht ansprechbar ist oder sich aus anderen Gründen nicht äußern kann. Da kann der Notarzt oder das Rettungsteam besser und schneller und vor allem GEZIELTER reagieren und "einige"Menschrnleben mehr retten

  2. 6.

    Wenn es Ihnen nur um die Notfallinformationen geht, die ja aktuell noch nicht mal in der ePa drin sind, können Sie schon jetzt einen digitalen Notfallkoffer nutzen. Da gibt es mehrere auch seriöse Anbieter am Markt.

    Meist bekommen Sie dort einen Aufkleber, den sie bspw. auf die Versichertenkarte kleben und die Notärztin kommt so mit einem Klick auch da ran.

  3. 5.

    Würde Ihnen widersprechen, dass es für den Patienten keine Vorteile bringt.
    Es sollen doch Blutgruppe, Vorerkrankungen, Medikamente usw. gespeichert sein.
    Dies wäre dann bei z.B. bei einem Unfall schnell und unkompliziert zugänglich, dass sehe ich schon als Vorteil.
    Ich trage alles in Papierformat mit mir rum und kann nur hoffen, dass man im Fall der Fälle die Papiere schnell findet.

  4. 4.

    So siehts aus. Für Patienten birgt es wenig Vorteile, außer dass ihre Daten unkontrolliert abgegriffen werden können.

  5. 3.

    Kann Ihnen nur recht geben!
    Vorallem geht - sobald es eine Panne gibt - nichts mehr!
    So wie im Supermarkt. Kein Kassierer kann mehr arbeiten, wenn das System ausfällt.

    Wir machen uns alle so digital-abhängig, manch einer kann nicht mehr im Kopf rechnen, zum Himmel schauen, ob Regen "droht" oder findet nicht mehr nach Hause ohne Navi!

  6. 2.

    Ich bin selber Arzt und möchte meine Akte nicht digital im Netz sehen. Zu oft gibt es Datenlecks. Und wenn erstmal das ganze Gesundheitssystem digital ist dann wird es ein interessantes Ziel für Hacker und Erpresser. Viel Spaß. Aber es wird ja alles besser wenn es digital ist. Die IT Firmen freut es, die können gutes Geld aus dem Gesundheitssektor abräumen. Aber für die Pflege ist nichts da. Lobbyisten sei Dank!

  7. 1.

    Bei den ganzen Datenpannen in der letzten Zeit wird es sicherlich schwierig werden, die Karte an den Mann zu bringen.
    Da lob' ich mir momentan doch noch eine "Papier"-Kopie von Arztbrief, Blutbild ect. ;-)

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