Innenstadt liegt tiefer als Flussbett - Elsterwerda verlangt besseren Hochwasserschutz vom Land

Blick auf das Elsterschlossgnasium an der Schwarzen Elster, das mit leicht nassem Fuß 2010/2013 davon gekommen war (Foto: rbb/Jahn)
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Video: Brandenburg Aktuell | 22.07.2021 | Sebastian Schiller | Bild: rbb/Jahn

Die Bürgermeisterin von Elsterwerda fordert einen besseren und schnellen Hochwasserschutz für ihre Stadt. Hindurch fließt die Schwarze Elster. Dass die Stadt bisher nicht überflutet wurde, war reines Glück. Von Josefine Jahn

Die Bürgermeisterin von Elsterwerda (Elbe-Elster), Anja Heinrich (CDU), will für mehr Hochwasserschutz in ihrer Stadt den Druck auf die Landesregierung erhöhen. Das sagte sie am Donnerstag dem rbb: "Ich erwarte Verbindlichkeiten, ich erwarte, dass man Personal bereitstellt, dass man dafür Ressourcen bereithält."

Die Schwarze Elster in Elsterwerda (Foto: rbb/Jahn)
Bürgermeisterin und ihr Stellvertreter an der Schwarzen Elster | Bild: rbb/Jahn

In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben Menschen ihr Leben verloren, Existenzen wurden durch das Hochwasser zerstört. Auch in Elsterwerda hat es in den Jahren 2010 und 2013 Hochwasser gegeben.

Die Kleinstadt hatte jedoch jedes Mal Glück: Die Schwarze Elster war immer wenige Zentimeter vor dem Übertreten über die Deiche wieder gesunken. Beinahe hätte das Klinikum in der Nähe des Flusses evakuiert werden müssen.

Doch auf das Glück vertrauen will die Bürgermeisterin nicht mehr.

Kostenpunkt: 24 Millionen Euro

Seit dem letzten Hochwasser habe es mehrere Runde Tische mit Vertretern des Landes Brandenburg gegeben, sagt sie. Passiert sei nichts. "Wir werden natürlich von Investoren und von Bürgern gefragt, was denn nun in den letzten Jahren passiert ist. Und da muss man als Bürgermeisterin klar sagen: Für uns ist das Ergebnis: null."

Bisher weiß Heinrich nur, ein umfangreichen Hochwasserschutz in Elsterwerda rund 24 Millionen Euro kosten würde. Ob höhere Deiche oder Spundwände die Lösung wären, sei jedoch unklar, weil noch keine entsprechenden Untersuchungen gemacht wurden.

Blick auf die geschützten Nachbarstädte

Die Situation im Westen Deutschlands wolle sie keineswegs missbrauchen, sagt die Bürgermeisterin. Aber man müsse hinschauen, bevor es zu spät ist. "Wir leben nicht im Takka-Tukka-Land, das uns das nie passiert, sondern wir leben am Fluss, wir leben mit dem Fluss", sagt sie. Es bestehe die Gefahr, vor Katastrophen "überhaupt nicht geschützt" zu sein.

Ingenieure im Land zu finden sei sicherlich nicht einfach, aber nicht unmöglich, so Heinrich. "Ich kann daher in der Stadt nicht erklären, dass dafür das Personal fehlt." Diese Aussage gebe es schon seit Jahrzehnten. "Das geht natürlich nicht", meint sie.

Potenzial einer mittelschweren Katastrophe

Die Innenstadt von Elsterwerda liegt wesentlich tiefer als das Flussbett, erklärt der stellvertretende Bürgermeister von Elsterwerda, Ansgar Große. Läuft die Schwarze Elster über, laufe die Stadt langsam voll. "Ehe sie dort einen Potenzialausgleich haben, entwickelt sich das zu einer mittelschweren Katastrophe."

Auch Große versteht die Prioritätensetzung der Landesregierung nicht - zumal die benachbarten Städte Herzberg, Bad Liebenwerda und Mühlberg (alle Elbe-Elster) bereits hochwassergeschützt seien. Die Situation sei hochgradig unbefriedigend, sagt er. "Wir haben über 100 Jahre alte Deiche, bei denen keiner wirklich weiß, woraus sie bestehen." Dazu kämen Schäden durch Wühltiere.

Land hat das Problem auf dem Tisch

Bevor in Elsterwerda also irgendwelche Maßnahmen angegangen werden können, muss der Deich erst einmal gründlich untersucht werden. Ist er fest? Muss er erneuert oder erweitert werden? Sollte er öfter von Unkraut befreit werden, damit Wasser im Notfall schneller abfließen kann? Oder bieten gar Spundwände einen besseren Schutz?

Das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz Brandenburg hat das Problem auf dem Tisch. Auf rbb-Nachfrage heißt es, dass der Hochwasserschutz in Elsterwerda in vier Teilabschnitten geplant ist. Die Vorplanung für das Gesamtprojekt sei abgeschlossen, genauso das "Scopingverfahren" für den ersten Teilabschnitt - dabei wird geschaut, was alles im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung untersucht werden soll.

Für diesen einen Abschnitt im Bereich des Stadtkerns "befindet sich die Entwurfs- und Genehmigungsplanung aktuell im Vergabeverfahren", heißt es aus dem Ministerium. Weil aber noch weitere Prüfungen notwendig seien, habe es noch nicht abgeschlossen werden können.

Und so könne das Ministerum aktuell auch noch nicht konkret werden, wenn es um den Start der Arbeiten geht. "Ein verbindlicher Termin für einen Baubeginn kann aufgrund der noch bevorstehenden Vergabe- und Genehmigungsverfahren noch nicht genannt werden", heißt es.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.07.2021, 16:10

3 Kommentare

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  1. 3.

    Das Wehr wurde an der Schwarzen Elster bei Bad Liebenwerda errichtet. Sorry, ich war zu sehr mit dem Kämpfen zur begrenzten Zeichenanzahl beschäftigt! Scheint nur auf Meckern ausgerichetet zu sein, aber ich sehe meinen Beitrag eher zum Ringen um sachliche Richtigkeit. Aber ist ja salopp gesagt "hochwassertechnisch" der selbe Fluss...

  2. 2.

    Die histor. Stadtlage ist betroffen. - 0 Aktivitäten Bbgs? Großinvestition Bbg zum erfolgten Neubau des Wehres 2002/2003ff? Dies wurde als kompl. Neubau vom Land hingestellt. Nach allen rechtlichen Regelungen, die damals in Kraft waren, Checks & auch unter den Bedingungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie, sog. mit Fischtreppe, errichtet! Da man ökolog. Gesichtspunkte auch bei der Schw. Elster berücksichtigen wollte, denn der Fluss hat i.pcto. Wasserqualität leider viel Luft nach oben! Zudem fällt sie trocken, kann sich aber auch bei Starkregenereignissen in den Hochlagen zur Sächs. Grenze als "Wildes Wasser" outen. Aus rein wasserwirtschaftlicher Sicht, müssten die Dämme sogar komplett neu errichtet werden, aber dann gibt es aber auch 0 Baumbestand mehr, auf Dauer! Wa-wi Anlage halt! Was wirklich hilft ist, Auen nicht bebauen! Hat die Stadt mitgewirkt, Retentionsgebiete auszuweisen??? War gem Rechtslage vor 1990 alles da! Man darf abgucken, der Investor hat sie ausrechnen lassen...

  3. 1.

    MIT der Natur leben heißt auf die Natur HÖREN: Höhere Deiche und Abschottungen könnten beim nächsten Flutanfall die Zerstörungskraft erhöhe. Also: WEG da und dem Wasser geben, was es braucht, alles andere ist Roulette-fahren ohne Bremsen. Es ist nicht fünf vor zwölf, nicht halb eins, sondern zehn vor eins. Greenpeace dichtete sinnigerweise seinerzeit: "Erst wenn der letzte Baum gefällt ist, merkt der (letzte) Mensch, daß man Geld nicht essen kann."

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