Cottbuser Geflüchtete helfen im Hochwassergebiet - "Ich weiß genau, was es heißt, wenn alles weg ist"

Firras Abi Aischer, einer der Helfer im Flutgebiet (Bild: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 30.07.2021 | T. Walter, K. Schirmer | Bild: rbb

Als Firras Abi Aischer die Bilder der Flutkatastophe im Westen Deutschlands sieht, ist für ihn klar, er muss helfen - für ihn eine Ehrensache. Noch vor wenigen Jahren kam er selbst aus einem Krisengebiet nach Deutschland.

Nach der Flut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft. Hunderte Freiwillige machten sich auf den Weg in die Hochwassergebiete - bundesweit wurden Spenden gesammelt.

Zu den Helfern im Krisengebiet gehörte auch Firras Abi Aischer. Für ihn war es Ehrensache, den Menschen in den betroffenen Regionen zu helfen, wie er sagt - denn vor sechs Jahren kam er selbst aus dem Krisengebiet Syrien nach Deutschland.

"Das ist unsere Pflicht. Deutschland hat uns viel gegeben"

Als Firras Abi Aischer die Bilder der Flutkatastrophe im Fernsehen sah, wusste er sofort, er kann nicht nur zusehen. "Weil ich aus Syrien bin, weiß ich genau, was das heißt, wenn man keine Wohnung hat, wenn Essen, Kleidung, alles weg ist", erzählt er.

Er schrieb eine syrische Facebook-Gruppe aus der Hochwasserregion an und fragte, ob er helfen kann. Natürlich kann er, hieß es. Essen und Wasser musste er mitbringen, ein Zelt kaufte er sich extra. Und er fragte andere Syrer in Cottbus, ob jemand mitkommen möchte. Viele meldeten sich. "Sie haben dieses Gefühl wie ich. Sie wollen etwas machen, den Deutschen helfen. Das ist unsere Pflicht. Deutschland hat uns viel gegeben, deswegen sollten wir den Gefallen erwidern", so Aischer.

Stundenlange Fahrt - ohne Pause an die Arbeit

Ins Auto passten letztendlich nur fünf Leute. Neun Stunden waren sie unterwegs nach Sinzig in Rheinland-Pfalz - ohne Pause ging es direkt an die Arbeit. Die Männer holten Schlamm aus den Kellern und räumten Unrat von den Straßen.

Eine Frau zeigte Firras Abi Aischer das Fenster, aus dem sie ihre Kinder in ein Boot gesetzt und sie damit in Sicherheit gebracht hatte. "Es ist eine Katastrophe. Kein Strom, kein Wasser, kein Internet. Man kann dort nicht leben", zeigt sich Aischer erschüttert von der Lage vor Ort.

Die Einheimischen seien sehr dankbar für die Hilfe gewesen, erzählt er. Und überrascht, als sie hörten, dass die Helfer aus Cottbus kommen. "Warum seid ihr so weit gefahren", seien die Männer gefragt worden, "Es ist unsere Pflicht", sei die knappe Antwort gewesen.

Das bestätigt auch Jürgen Geilhausen aus Sinzig, stellvertretend für viele andere. "Die Leute haben sich wirklich aufgeopfert für uns, die haben von morgens bis abends gearbeitet. Da muss ich den Hut ziehen, das hat uns sehr geholfen", erzählt er.

Zwei Männer aus der Cottbuser Gruppe sind noch immer vor Ort und helfen weiter. Und auch Firras Abi Aischer plant noch eine Tour in die betroffene Region, wahrscheinlich schon in der kommenden Woche.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.07.2021, 14.10 Uhr

Nächster Artikel

Bild in groß
Bildunterschrift