Stabilität der Flächen unklar - Früherer Bergbau blockiert umstrittene Ortsumfahrung in Plessa

Luftbild von Waldeslust mit eingezeichneter, geplanter Ortsumfahrung B 169 (Foto: Amt Plessa)
Amt Plessa
Audio: Antenne Brandenburg | 19.07.2021 | Ralf Jußen | Bild: Amt Plessa

Ein ehemaliger Bergbau bei Plessa (Elbe-Elster) wird zum Problem für die geplante Ortsumfahrung, die Bundesstraße 169. Die beschlossene Variante kann vorerst nicht gebaut werden, Teile der ehemaligen Abbaugebiete wurden bisher noch gar nicht saniert, wie das Brandenburger Landesbergbauamt dem rbb am Montag auf Anfrage mitteilte. "Definitiv lässt der aktuelle Zustand der vom Bergbau beeinflussten Flächen eine Bebauung mit einer Bundesstraße nicht zu", hieß es.

Auf das Problem hatte zuvor unter anderem auch schon eine Bürgerinitiative hingewiesen. Sie protestiert seit Monaten gegen die Ortsumfahrung, weil die aktuell geplante Variante durch mehrere Grundstücke gehen würde.

Problem seit zehn Jahren bekannt

Ende Juni hatte die Planungsgesellschaft des Bundes (Deges), das Brandenburger Infrastrukturministerium und das Bundesverkehrsministerium die Nordumfahrung von Plessa als die beste und günstigste Variante beschlossen. Unklar ist, ob die drei Behörden die Hinweise der Bürgerinitiative und der Amtsverwaltung überhört haben. Antworten auf rbb-Anfragen bei Deges und dem Landesinfrastrukturministerium stehen noch aus.

Bereits im Raumordnungsverfahren von 2011 wurde erstmals auf die Probleme mit der Linienführung über die Alt-Bergbauflächen bei Plessa hingewiesen. Genau diesen Umstand wollte Amtsdirektor Göran Schrey (parteilos) der Deges vor Ort erläutern. Dazu kam es aber nicht.

"Wir haben in den vergangenen Monaten intensiv versucht, mit der Deges in Kontakt zu treten, die Planung mit guten, sachlichen Argumenten zu beeinflussen. Wir haben es nicht geschafft, die Vertreter vor Ort zu holen", kritisiert Schrey. Er wolle nun weiter für die alternative Streckenführung Südumfahrung werben.

Braunkohleförderung unter und über Tage

Wenn die Nordumfahrung gebaut werden soll, seien laut Landesbergamt nun Untersuchungen notwendig, wie aufwendig eine Sanierung des Untergrundes wäre, welche Verfahren anzuwenden sind und welche Anforderungen sich daraus für Sonderbauverfahren für den Bau der Bundesstraße ergeben würden.

Zwischen Plessa und den Ortsteilen Kahla und Döllingen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts Braunkohle erst unter Tage und dann im Tagebau gefördert. Im Tiefbau war es die Grube Ada (1911 bis 1930), der Tagebau war die Grube Agnes (1897 bis 1958).

Teile der Abbaugebiete wurden bisher noch nicht saniert, sie unterliegen auch nicht mehr dem Bergrecht und es gibt keine Rechtsnachfolger für eine notwendige Sanierung, wie das Landesbergamt mitteilte. Für Teile des ehemaligen Tagebaus ist zwar das Landesbergamt zuständig, es hat die Flächen aber gesperrt, weil der Sanierungstand und die Stabilität unklar sind.

Die Straße im Garten

Die geplante Ortsumfahrung von Plessa ist umstritten. Seit Januar ist eine Bürgerinitiative aktiv und wehrt sich gegen das Vorhaben. Die Straße soll mitten durch die Gärten von acht Anwohnern der Siedlung "Waldeslust" führen. In einer ersten Planung war die Rede davon, dass ein Wohnhaus abgerissen werden muss. In der jüngsten Präsentation der Deges aus dem März [PDF/deges.de] heißt es hierzu allerdings: "Die bestehenden Wohngebäude werden erhalten."

Die Bürgerinitiative favorisiert eine Südumfahrung, die schon im Jahr 2010 im Gespräch war. Diese Trassenführung ist laut Deges aber "nicht umsetzbar". Dazu gehört unter anderem, dass sie einen Tunnelbau beinhaltet, der teuer wäre. Insgesamt wurde die Nordumfahrung als die günstige und wirtschaftlichste dargestellt.

3 Kommentare

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  1. 3.

    Ist schon erstaunlich.....10 Jahre wird auf das Bergbau Problem hingewiesen, was sitzen da für Leute in den Planungsbüros ?
    Kein Wunder das hier kaum noch was bei Baumaßnahmen klappt.
    @ Wossi, die Bürgerbeteiligung muss zumindest eingeschränkt werden. Siehe Ausbau der erneuerbaren Energien.

  2. 2.

    Die bundeseig. Planungsfa. "outet" sich leider auch an anderen Stellen des Landes planungsmäßig als "recht hartleibig" an den Bürgerinter-essen vorbei.Der BI kann ich wirklich nur Mut & Durchhaltevermögen wünschen. Die Rechtslage des Altbergbaus ist durch den rbb sehr gut recherchiert worden und jeder kann sich seinen Teil denken, warum es keinen Rechtsnachfolger gibt. Man sollte sich wirklich auf sicheres Terrain zurückziehen. Das Verkehrsaufkommen dieser bedeuts. Bundesstr. weiterhin durch die ehemaligen Straßendörfer zu leiten, ist mit dem Recht auf Gesundheit wohl eher nicht vereinbar. -Jeder Bewohner d.Berliner Knobelsdorffstr., die BI dazu auf der West-endseite u.von der Klausener Kiez-Seite können bei DEGES leider mitreden. Dass sich Planungsingenieure der Bundesfa. DEGES dermaß. gegen Detail-kenntnisse, die es vor Ort eben auch gibt(!)& gegen die Interessen der Menschen in den betr. Wohngebieten (auch i. S. BauGB) stellen, ja selbst gegen die BV Ch-burg ist beschämend.

  3. 1.

    "Insgesamt wurde die Nordumfahrung als die günstige und wirtschaftlichste dargestellt." Das Wort "dargestellt" spricht für sich und bedeutet, dass auch das Gegenteil wahrscheinlich ist...und die Südumfahrung günstiger ist, wenn man alles rechnet. Hat die Deges auch die Sanierung (ein)gerechnet? Warum spricht die Deges nicht vor Ort? Was hat die Deges für Menschen beschäftigt? Keine Planungsabnahme ohne die Anhörung der Betroffenen? Es scheint wiederholt überfällig, das Planungsrecht so zu ändern, dass die Betroffenen wenigstens eine kleine Chance haben... denn Behörden machen doch Fehler... manchmal.

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