Großinvestitionen in der Grenzstadt - Wie Guben 30 Jahre nach der Wende langsam aufblüht

Di 04.01.22 | 17:47 Uhr
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Archivbild: Straßenbild Stadt Guben, Landkreiß Spree-Neiße. (Quelle: imago images/J. Ritter)
Video: Brandenburg aktuell | 04.01.2022 | Sebastian Schiller | Bild: imago images/J. Ritter

Korrupte Politiker, Arbeitslosigkeit, Kriminalität: Guben hatte lange einen schlechten Ruf. Zuletzt wurden aber einige Großinvestitionen angekündigt - Produktionen können ausgebaut werden. Es scheint, als blühe Guben langsam auf.

Oft war die Stadt Guben im Landkreis Spree-Neiße in der Vergangenheit negativ in den Schlagzeilen. Ein ehemaliger Bürgermeister war wegen Korruption in Ungnade gefallen. Zu hoher Arbeitslosigkeit, abwandernden Jugendlichen und Kriminalität wurde über die Grenzstadt an der Neiße berichtet. Auch die Ansiedlung des Plastinariums von Gunter von Hagens vor 15 Jahren war umstritten - zahlreiche Einwohner der Stadt waren gegen die Produktion des "Körperwelten"-Erfinders.

Mittlerweile ist das Plastinarium längst nicht mehr umstritten - die Produktion wurde sogar noch ausgeweitet. Zuletzt konnte die Stadt zudem gleich zwei neue Investoren anlocken. Es scheint, als würde Guben rund 30 Jahre nach der Wende langsam aufblühen.

Mit dem Helikopter "eingeschwebt"

An den Auftritt von Jack Link's CEO in Guben, Troy Link, erinnert sich Bürgermeister Fred Mahro (CDU) noch gut. Im wahrsten Sinne des Wortes "eingeschwebt", sei der Mann aus Wisconsin, als er mit seinem Helikopter in die Neißestadt kam. Link habe sich jeden Quadratmeter genau angesehen, am Ende habe man gemeinsam das Bauschild in den Boden gestochen. Jack Link's stellt unter anderem den Wurst-Snack Bifi her. Genau der soll auch in Guben produziert werden. Möglicher Baubeginn für die neue Fabrik laut Mahro: März oder April dieses Jahres.

Nicht weit entfernt will sich das kanadische Unternehmen Rocktech Lithium niederlassen. Das Unternehmen will den europaweit ersten Lithiumhydroxid-Konverter bauen - in Guben. Lithiumhydroxid ist ein elementarer Bestandteil von Autobatterien - wird aber trotz Tesla-Ansiedlung in Grünheide bislang nicht in Deutschland oder Europa hergestellt. 150 Mitarbeiter sollen das am Gubener Standort zukünftig ändern. Geplante Investitionssumme: rund eine halbe Milliarde Euro.

Trendwende im Gewerbegebiet

Das Gubener Gewerbegebiet sei eng mit der chemischen Industrie verbunden, erklärt Mahro. "Aber jetzt mit der Erweiterung, mit Bifi, mit Bäcker Dreißig, dass Trevira sich neu orientiert, die Ansiedlung von Rocktech. Statt Abriss machen wir Neubau, allein daran kann man deutlich erkennen dass es aufwärts geht", erklärt der Bürgermeister.

Passenderweise soll ein junger Gubener, der nach dem Studium in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist, diesen Aufwärtstrend am Leben halten. Oskar Starick ist der Wirtschaftsförderer der Stadt. "Es war eine sehr große Herausforderung für mich, weil ich auch noch nicht viel Berufserfahrung habe", so Starick. Er hoffe, dass er auch andere junge Menschen motiviere, wieder in die Region zurückzukommen.

Die Arbeiten an den beiden neuen Produktionsstandorten im Gewerbegebiet sollen noch vor dem Sommer beginnen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 04.01.2021, 16:40 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Wenn man nach vorne schaut ist festzustellen, dass Deutschland im allgemeinen und Brandenburg im speziellen ein massives Arbeitskräfteproblem hat. Damit die Investitionen Erfolg haben, müssen weltweit Arbeitskräfte angeworben werden. Weltoffenheit kann Brandenburg nicht schaden.
    Junge Familien brauchen aber auch gute Kindereinrichtungen, Schulen, eine gute Verkehrsanbindung....

    Wenn jetzt nichts in dieser Richtung passiert laufen wir in eine demografische Katastrophe.

  2. 5.

    Das war vielleicht bewusst so gemacht weil es nicht so viele mitbekommen haben bzw es auch nicht wussten/wissen.
    Manchmal sollte man auch die Vergangenheit ruhen lassen um nicht wieder ein schlechtes Bild zu bekommen,
    ganz ehrlich ich habe es nicht mehr gewusst.
    Man sollte auch nicht jedes mal nach hinten schauen, sondern mal öfter versuchen nach vorne zu blicken.

  3. 4.

    Warum erwähnt der Beitrag Gubens Nazi-Problem nicht? Es darf nie vergessen werden, dass Nazis dort drei Asylbewerber durch die Stadt jagten, was für einen von ihnen tödlich endeten. Und die Nazis waren nie weg. Schön, sollte sich Guben zum Besseren entwickeln. Aber das gehört zum Bild dazu.

  4. 3.

    Weiter entfernt von der Realität kann eine Überschrift nicht sein.
    Ich bin hin und wieder vor Ort und erschauere immer wieder über den traurigen Verfall dieser schönen Stadt.

  5. 2.

    Ich war mal in Guben. 90% Rentner, mehr hat man nicht gesehen. Der Ort ist bald tot. Bin ein bisschen verwundert, dass man das als "aufblühen" kategorisiert.

  6. 1.

    Ich wünsche Gubin und Guben eine gute Zukunft. Gubin als den älteren Teil und Ursprung der Stadt, Gubin als den dann industriell hervorgekommenen und die alte Stadt überflügelnder "Vorort". Keine Grenze kann eine Stadt auf- und zertrennen, wenn sie eins sein will. Das aber wird wohl noch etwas brauchen.

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