Krieg in der Ukraine - Ukrainisches Ärztepaar an Cottbuser Klinik sammelt für die Heimat

Do 12.05.22 | 15:55 Uhr
Die Eheleute Dimitro und Anastasiia Zinchenko mit ihrer Kollegin Kathleen Raack.
rbb/Lepsch
Audio: Antenne Brandenburg | 12.05.2022 | Aline Lepsch | Bild: rbb/Lepsch

Der Krieg in der Ukraine hält an - das ukrainische Ehepaar Dymitro und Anastasiia Zinchenko arbeitet am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus. Von hier sammeln sie medizinisches Material für Kollegen in der alten Heimat. Von Aline Lepsch

Die Wunschlisten sind lang, sagt Dymitro Zinchenko. Die Wünsche von Medizinern im Kriegsgebiet würden mehrere hunderttausend Euro kosten. "Hier entscheiden wir dann, was wir kaufen können, was wir uns leisten können", sagt der Mann, der selbst als Arzt am Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum tätig ist.

Gemeinsam mit seiner Frau Anastasiia hat er nach Beginn des Krieges in der Ukraine unter den Kollegen am Klinikum um Spenden gebeten. Was die Ärzteschaft in der Ukraine benötigt, seien immer ganz konkrete Utensilien. "Vor allem Medikamente. Die Apotheken sind leer, sogar die großen Apothekenlager, die die Ukraine versorgt haben", beschreibt der Arzt die Situation.

Spenden-Echo verhallt nicht

Die ersten beiden voll geladenen Transporter mit Kanülen, Medikamenten und drei Beatmungsgeräten an Board ist im März in die Ukraine gefahren. "Ich dachte, da würden einmal Spenden kommen und dann würde es nachlassen", sagt Dymitro Zinchenko. Das Gegenteil ist der Fall. Es kommen immer wieder Spenden von Kollegen des Klinikums zusammen.

Zweimal sind medizinische Hilfsgüter bereits nach Dnipro und zweimal nach Charkiw gegangen. Manche Transporte hat Dymitro Zinchenko bis zur Grenze mit begleitet. Seine Frau Anastasiia erinnert sich an den Abschied von ihrem Mann: "Das ist unbeschreiblich. Natürlich macht man sich Sorgen. Aber ich war auch froh, dass wir zumindest etwas für unser Land tun können", sagt die Ärztin.

Hilfe aus Cottbus wirksamer als vor Ort

Von Cottbus aus zu helfen sei sinnvoller, als selbst in der Ukraine zu sein, meint Dymitro Zinchenko. "Wäre ich dort, wäre ich Soldat und vermutlich schon längst erschossen worden." Eine Restgefahr bleibe immer. Auch Fotos und Videos von den Hilfstransporten könnten nicht verschickt werden. Aus Angst, Informationen würden abgefangen und Lager mit Hilfsgütern zerstört werden.

Derweil werden weiterhin Spenden entgegen genommen und ein weiterer Transport mit Hilfsgütern hat sich auf den Weg nach Charkiw gemacht. Neben Medikamenten sind auch Leichensäcke dabei.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.05.2022, 14:12 Uhr

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