Allergieauslösende Pflanze - Studie will Wirkung der hochallergenen Ambrosia auf Lausitzer erforschen

Mo 13.06.22 | 17:27 Uhr
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Symbolbild: Vetschauer reißen in Vetschau (Brandenburg) Ambrosia-Pflanzen an einem Feldrand am Stadtrand aus. (Quelle: dpa/B. Settnik)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.06.2022 | Isabelle Schilka | Bild: dpa/B. Settnik

Die hochallergene Ambrosia fühlt sich in Brandenburg wohl und wird von Jahr zu Jahr mehr. Für 2022 wurden bereits erste Funde gemeldet. Ein Cottbuser Arzt will nun bei 150 Freiwilligen testen, wie gefährlich es ist, in Pflanzennähe zu leben. Von Isabelle Schilka

In einem der Ambrosia-Hotspots Brandenburgs, in Drebkau (Spree-Neiße), soll eine Studie durchgeführt werden, die die Auswirkungen der hochallergenen Pflanze auf die Menschen im Umfeld untersucht. Ein Arzt aus Cottbus will 150 Freiwillige aus drei Drebkauer Ortsteilen genauer unter die Lupe nehmen.

Infobox Ambrosia

Das allergene Kraut besser verstehen

Bei der Studie sollen mögliche allergischen Reaktionen abgefragt werden, außerdem soll Blut abgenommen werden, um es unter anderem auf Ambrosia-Antikörper zu untersuchen. So wolle man mehr zur allergischen Wirkung erfahren, sagte der Ambrosia-Beauftragte des Landes Brandenburgs, Matthias Hoffmann, am Montag dem rbb. "Wenn man zehn, 15 Jahre immer wieder solchen Pollen ausgesetzt ist, können auch Menschen, die bisher nicht reagiert haben, doch dafür sensibilisiert werden und Symptome zeigen."

Er erwartet, dass die Zahl der Betroffenen langsam steigen wird. Die Daten der Studie sollen im Anschluss mit Daten aus einer bundesweiten Erhebung derselben Art verglichen werden. Die Erkenntnisse könnten dabei helfen, weitere Maßnahmen zur Bekämpfung zu begründen und die Pflanze besser zu verstehen, so Hoffmann.

Atemprobleme, rote Augen, Schnupfen

In Brandenburg wächst vor allem in der Lausitz die Ambrosia unaufhörlich. Dafür sorgen sandige Böden und trockenes Wetter. Das Kraut ist außerdem sehr robust, die Samen können lange Zeit überleben. Bis zu 1,80 Meter hoch kann es wachsen. Bekämpft wird die Pflanze durch Mähen, Ausreißen oder, wie in Drebkau, mit heißem Wasser. Das Wasser schäumt durch zugefügte Pflanzenextrakte, die die Hitze länger an der Pflanze halten sollen.

Noch sind die Pflanzen in Drebkau klein und das Kraut ist ungefährlich. Das ändert sich laut Matthias Hoffmann im Juli. "Das Problem kommt, wenn die Blüte einsetzt", so der Ambrosiabeauftragte. Dann würden einige Menschen allergisch reagieren - mit geröteten Augen, Schnupfen oder Atemproblemen. Der Pollenflug der Ambrosia reicht bis Oktober. "Sie ist relativ aggressiv, deshalb gibt es auch diese besonderen Bekämpfungsmaßnahmen."

Ein jahrelanges Problem

Die hochallergene Ambrosia-Pflanze sei ein Problem, dass "uns noch viele Jahre begleiten wird", so der Experte. In den vergangenen zwei, drei Jahren habe man richtig mit der Bekämpfung angefangen. Matthias Hoffmann geht davon aus, dass sich die ersten Erfolge in den nächsten fünf, sechs Jahren zeigen werden. Er sagt aber auch: Gänzlich ausgerottet werden kann Ambrosia wahrscheinlich nicht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.06.2022, 16:10 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Oh je was für eine unsinnige Diskussion und Argumentation.
    Es gibt mannigfaltige Möglichkeiten mittels Herbizid und Selektiver und Punktgenauer Applikationstechnik eine Einzelpflanzen oder höhenselektiver Flächenbehandlung durch zu führen. Was für ein Firlefanz.

  2. 4.

    O-ha, ein Fehler, den ich gern korrigieren möchte: besagter Pflanzen-Neubürger "fühlt sich wohl" auf doch gehaltvolleren Böden mit lehmigen Anteilen! Das musste jetzt noch sein!
    Sorry!
    Denn nun habe ich wirklich noch einmal in so ein an Seiten sehr umfängliches Buch gucken müssen.

  3. 3.

    Wir aus der Ferne können wohl kaum über die Befindlichkeiten der Betroffenen urteilen. Ambrosia artemisifolia betrat als Neophyt erst vor 10-15 Jahren die "Bühne". D.h., sie war vorher gewiss schon da. Nur sollte ja bekannt sein, dass allergene Reaktionen insgesamt zugenom-men haben. Dennoch wird eine Einschleppung um die 1990er Jahre vermutet. Auch wenn Natur Natur sein sollte, wie Sie meinen, wird zumindest die heimische Flora bei Ambrosia dicht bei dicht arg bedrängt. Dito mit dem Riesen-Bärenklau, der Ambr. ähnliche Reaktionen hervorruft. Er soll auch an bestimmten Orten des Oderbruchs leider recht "verankert" sein, obwohl auch er keine heimische Art ist. -Ich habe mir im böhmischen Kaiserwald so eine Fläche mit diesen Pflanzen vom Rand aus besehen können. Die Größe dieser Fläche war nicht abschätzbar. Schön - ist etwas anderes. Es hatte schon in diesem Auebereich etwas Bedrohliches, denn wo der R-B steht, wird sich keine Erle udgl. entwickeln können. Grüne Blattmasse!

  4. 2.

    Überall wird über die Gefahr der Ambrosia berichtet. Bitte dazu mal diesen Beitrag aus der Charité schauen, der vom SWR veröffentlicht wurde.
    https://www.swr.de/wissen/odysso/wie-gefaehrlich-ist-ambrosia-teil-2-100.html
    Ambrosia ist da, man kann nicht die ganz Natur vernichten.

  5. 1.

    Leider darf man bei diesen invasiven Pflanzenarten im Jahr nicht warten. Bei dem hier geschilderten Besatz pro Fläche, in den Artikeln , "wie gesät", hilft nur, das zur Blüte kommen dieser `marodierenden`Pflanze zu verhindern, was einfacher gesagt ist, als praktisch umgesetzt. Denn die eingeschleppte Pflanze bildet eine unglaubliche Anzahl von Samen aus. Ob die Flächen in der Wendezeit brach gelegen haben, das weiß ich nicht. Offenbar kommt die geschätzt lose Bodenstruktur, nährstoffarme & sich sommers "gut aufwärmenden Flächen" diesem Neubürger in der Pflanzenwelt sehr zupass. Da ist mit Handarbeit nichts mehr zu machen. Hoffentlich findet sich schnell ein begabter Tüftler, der sicher noch verhandene Altgeräte der Bodenbearbeitung umfunktionieren kann. Und dann hilft nur abmähen, so bald das Schneidwerk 10-15 cm der Pflanze erfassen kann. Und das halt immer wieder. Sehr aufwendig - in jeder Hinsicht! Über Jahre! Und die Warnung, Vorsicht mit "günstigen" Futterrispen für Canaries & Co.

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