Sorbisch/wendische Tradition - Alljährliches Johannisreiten startet in Casel

Fr 17.06.22 | 13:49 Uhr
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Johannisreiten in Casel (Drebkau). (Quelle: dpa/Franke)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.06.2022 | Aline Lepsch | Bild: dpa/Franke

Es ist das letzte Dorf, in dem eine alte sorbisch/wendische Tradition noch gepflegt wird: Am Sonntag findet in Casel (Landkreis Spree-Neiße) das alljährliche Johannisreiten statt. Bei dem Brauch reitet ein mit Kornblumen behängter "Johann" durch die Stadt. Die Blüten, die von den Besuchern abgenommen werden, sollen eine reiche Ernte bescheren, so die Sage.

Das eigentliche Johannisreiten wird von einem Fest und einem Reitball begleitet - im Mittelpunkt steht aber der Johann auf seinem Pferd.

"Wir haben das mit der Muttermilch aufgenommen"

Wenn der Johann durch die Menge reite, wolle jeder ein kleines Stück vom Ernteglück abhaben, sagt Kathleen Theumer vom Traditionsverein in Casel. Der Johann verkörpere den Wachstumsgeist. Zunächst reite er mit seinen Begleitern über den Platz. Diese würden aber nach und nach müde und schieden aus, so Theumer.

"Wenn er alleine über den Platz reitet, haben die Zuschauer die Chance, ihn vom Pferd zu holen und ein Stück von seiner magischen Blumenkraft abzureißen", sagt sie. Die Blüten würden dann getrocknet. Das verspreche Erntesegen für die Saison, so Theumer.

Viel Arbeit - und viel Aufregung

Für den Caseler Hagen Dommaschk gehört der Brauch fest dazu. "Wir haben das einfach mit der Muttermilch mitbekommen und man ist damit großgeworden", sagt er. Die Pflege des Brauchs sei allerdings viel Arbeit und Nachwuchs zu finden werde jedes Jahr schwerer, so Dommaschk weiter. So müssten beispielsweise die Reiter schon Wochen vorher gemeinsam üben. Zudem würden Tänze und weitere Programmpunkte einstudiert. Auch die Corona-Pause habe dem Johannisreiten geschadet.

Das Sammeln der nötigen Kornblumen soll bereits am Freitag beginnen. Am Sonntagmorgen steht dann das Flechten der Ranken an, mit denen der Reiter geschmückt werden soll. Der Johann selbst, sagt Kathleen Theumer, müsse mutig und sattelfest sein, denn die Zuschauer würden um jede Blüte kämpfen.

Bereits zum dritten Mal wird am Sonntag Tobias Richter die Rolle des Johann spielen. "Wenn ich dann auf dem Pferd sitze und rausreite, dann alleine bin, dann geht die Muffe so richtig", beschreibt er seine Aufregung vor dem Sonntag.

Beendet ist das Johannisreiten erst, wenn der Johann vom Pferd heruntergeholt worden ist und alle Blumen gepflückt sind. Dann können die Einwohner von Casel erneut auf eine gute Ernte hoffen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.06.2022, 14:12 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Frau Lehrerin, nun halten sie mal den Ball flach.Bei einem Dorffest ist anzunehmen, dass die Pferde alle aus der näheren Umgebung kommen und keine stundenlangen Fahrten auf dem Pferdehänger überstehen müssen. Ich finde, es ist ein schöner Brauch, der den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft fördert.

  2. 1.

    ...und wie kommen die armen Tiere bei diesen Temperaturen dorthin? Sicher nicht in klimatisierten Anhängern. Ganz zu schweigen vom Reiten...aber Pferde können ja zum Glück nicht sprechen, sonst wprde man es die ganze Zeit schreien und ächzen hören.

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