Südbrandenburg - Jobcenter beklagen Aggression bei Arbeitssuchenden

Mo 28.11.22 | 15:01 Uhr
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Blick auf eine Arbeitsagentur (Symbolbild)(Bild: Imago)
Bild: Imago

Bedrohungen, Beleidigungen, Sachbeschädigungen: Mitarbeiter in mehreren Jobcentern in Südbrandenburg berichten von bedrohlichen Situationen mit Jobsuchenden. Zum Schutz werden Sicherheitsdienste engagiert und Mitarbeiter geschult.

Mehrere Jobcenter in Südbrandenburg haben zahlreiche aggressive Handlungen durch Arbeitssuchende in diesem Jahr registriert. Dabei geht es um Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen, Schmierereien und Sachbeschädigungen. Das hat eine Anfrage des rbb bei verschiedenen Jobcentern ergeben.

Gegen einige Kunden, wie die Arbeitssuchenden von den Jobcentern genannt werden, seien bereits Hausverbote ausgesprochen worden, wie beispielsweise der Landrat von Oberspreewald-Lausitz, Siegurd Heinze, dem rbb sagte.

15 Vorkommnisse habe es in diesem Jahr im Jobcenter Oberspreewald-Lausitz bereits gegeben. Darunter seien "verbale Entgleisungen, sogar Sachbeschädigung und Attacken" gewesen, so der Landrat. Er sei der Meinung, die Vorfälle müssten öffentlich gemacht werden. Damit wolle er für mögliche Restriktionen bis hin zu Hausverboten mehr Verständnis erzeugen.

Flaschenwürfe, brennende Mülleimer, verschmierte Fäkalien

Diese Probleme gibt es offenbar in allen Jobcentern in Südbrandenburg. Auch in Dahme-Spreewald, Elbe-Elster und Cottbus habe es dieses Jahr bis zu 15 "sicherheitsrelevante Vorfälle" und "einige verbale Bedrohungssituationen" gegeben, heißt es von der Agentur für Arbeit in Cottbus, die die Jobcenter in den genannten Landkreisen betreut.

Dabei habe es aggressives Verhalten im Eingangsbereich gegeben, Androhung von Gewalt und auch eine Bombendrohung. Im Außenbereich seien Mülleimer angezündet und Flaschen an die Hausfassaden geworfen worden, heißt es von einer Sprecherin. Außerdem seien Eingangstüren und Dienstausgänge mit Fäkalien beschmiert und staatsfeindliche oder politisch motivierte Parolen aufgetragen worden.

Mitarbeiter seien auch telefonisch und per Mail beleidigt worden oder auch, wenn sie Kunden an die Einhaltung der Maskenpflicht erinnert hätten. Ein Kunde habe bei Nichtgewährung von Leistungen mit Suizid gedroht.

Sicherheitsdienste und Schulungen für Mitarbeiter

Bis zu 14 Mal sei in den Jobcentern Cottbus, Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz in diesem Jahr bereits der Sicherheitsdienst zur Unterstützung gerufen worden, hieß es. Das Jobcenter Dahme-Spreewald verfügt nicht über einen eigenen Sicherheitsdienst. Drei Mal musste zudem die Polizei hinzugezogen werden.

Gegen bis zu fünf Personen pro Jobcenter, so die Cottbuser Arbeitsagentur, seien Hausverbote ausgesprochen worden. Mehrere Anzeigen seien gestellt und einzelne Gefährderansprachen durch die Polizei durchgeführt worden, so die Sprecherin. Die Jobcenter Cottbus, Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz würden deshalb durch Sicherheitsdienste geschützt.

Die Mitarbeiter würden sensibilisiert und es gebe Schulungen zu Schutz und Sicherheit für alle Mitarbeiter. Dabei werde auch die Nutzung des Sicherheitsknopfes am PC wiederholt geübt. Die Sicherheitskonzepte würden regelmäßig überprüft und auch psychologische Ersthelfer geschult.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.11.2022, 15:10 Uhr

59 Kommentare

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  1. 59.

    "Letztlich muss das ganze System reformiert werden." Siese System ist nicht reformierbar, weil es von Anfang an auf Repression und schierer Verwaltung ausgelegt war. MA die wirklich helfen wollen sind nach spätestens 6 Monaten krankgeschrieben.

    Das System ist wie die ganze Agenda 2010 krank und muß weg.

  2. 58.

    Laut Herrn Heinze, Landrat des Lk OSL, ist immer der Bürger schuld. Nee lieber Herr Landrat in ihrem Jobcenter sind es auch viele Mitarbeiter und hier rede ich nur von denen die vom Landkreis bzw den alten Sozialämter gekommen sind schuld und nicht die von der BA gekommen sind den die werden schon seit Jahren von der BA geschult im deeskalierenden Umgang mit den Kunden. Vielleicht sollte hier Herr Heinze die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der an das Jobcenter ausgeliehenen eine Schulung geben

  3. 57.

    Das selbe wie in der Ausländerbehörde.
    Und wir vom sichheritsdienst bekommen eindeutig zu wenig Geld und das mit der sachkunde nach §34a der Gewerbeordnung.
    Die MA haben nicht immer Schuld an den Ausschreitungen, meist kommen die Kunden schon schlecht gelaunt an

  4. 56.

    Borwin hat Recht. Es geht ums Gesetz und die immensen Kosten die durch die fehlerhafte Bearbeitung entstehen. Die Kosten für Prozesskostenhilfe steigen enorm.

    Das die Mitarbeiter verheizt werden, ist nicht gut.

    Letztlich muss das ganze System reformiert werden.

    Kunden, die Hilfe brauchen, muss mit allen erdenklichen Mitteln geholfen werden.

    Fördern und fordern ist gut - muss aber ausgewogen und fair sein.

    Übrigens ist es zulässig, wenn Anwalt und Richter privat bekannt sind.

  5. 55.

    Einen Teufel werde ich tun.

    Jeder MA kann sich belesen. Es gibt genug Infos zu urteilen ect

  6. 54.

    Für einen Richter beim Sozialgericht,haben sie aber ein großes Mitteilungsbedürfnis, besonders wenn es darum geht das der Anwalt der Klägerseite bei der Verhandlung ein guter Freund von ihnen ist. Und wie Sie geschrieben haben die Fehler entstehen schon im Vorfeld dadurch das die MA durch ihre Vorgesetzten nicht auf den neuesten Stand gebracht werden oder mangelhaft mit den nötigen Gesetzestexten versorgt werden. Aber eins noch Sie als Richter haben Jura studiert 1,2 Staatsexamen gemacht und arbeiten weiß jetzt nicht wie lange schon in der Materie Sozialrecht und machen nichts anderes außer auf die Jagd gehen so wie Sie in einem anderen Kommentar geschrieben haben. Jetzt versetzen Sie sich aber bitte mal in die Lage von den MA die manchmal nur befristet eingestellt sind eine Schnellbesohlung bekommen und dann auf die Menschen losgelassen werden. Ich weiß ihnen geht um Gesetze aber manchmal täte man gut daran sich auch mal in die Lage der MA zu versetzen und nicht nur von oben herab.

  7. 53.

    Das es beim Jobcenter oft kracht ist kein Wunder. Bürger in Notlage trifft auf Sachbearbeiter, der etwas gestresst ist

    Mittlerweile gibt's Kurse in Deeskalation.

    Vielleicht sollte man die Gerichtskostenpflicht für Behörden wieder einführen.

  8. 52.

    MA die wirklich helfen wollen sind in diesem System ganz schnell ausgebrannt, übrig bleiben die die sich schnell anpassen konnten und resigniert haben.

    Wie immer stinkt der Fisch vom Kopf her.

  9. 51.

    Nach Verstreichen der gesetzlichen Bearbeitungsfristen erhebt man Untätigkeitsklage. Das hat nichts mit findig, sondern mit Kenntnis der Gesetze zu tun.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, nur noch Juristen beim JC einzusetzen?
    Das ganze System muss reformiert werden. Außerdem muss die Kostenfreiheit für Behörden abgeschafft werden.



  10. 50.

    Beim Jobcenter sind kaum Fachkräfte zu finden. Dort findet man eher Kunden ohne Berufsausbildung oder mit massiven Vermittlungshemmnissen. Diese Personen haben auch aktuell kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt

  11. 49.

    Borwin sprach nicht von Ausführungsvorschriften sondern von der ständigen Rechtsprechung.

    Wenn die Weiterbildung angeblich ständig stadtfindet, wie kommen dann die extrem hohen Fehlerquoten zustande?

    Die MA der JC machen den Job freiwillig und werden nicht mal schlecht bezahlt.

    Findige Anwälte? Kunden und Anwälte nutzen die bestehenden Gesetze.

    Letztlich sind die Bearbeitungsfristen für Anträge und Widersprüche gesetzlich geregelt

  12. 48.

    Veto, die Wahrheit vertragen Sie nicht. Borwin hat schon Recht. Es gibt genug Möglichkeiten, sich über Urteile ect zu belesen. Notfalls auch nach Feierabend

    Und wenig verdienen die MA im JC nicht.

    Sie finden es okay, wenn die Sozialgerichte die Fehler der Jobcenter ausbügeln und den Kunden zu ihren Recht verhelfen?

    Überlastung ist für Sie eine Entschuldigung, falsche Entscheidungen zu treffen und somit immense Kosten zu verursachen?

    Die MA arbeiten freiwillig dort.



  13. 47.

    Das ist nicht ganz richtig. Da beim Jobcenter kaum Fachkräfte landen, sondern sehr viele Kunden keine Ausbildung oder viele Vermittlungshemmnisse haben, muss die Betreuung durch die SV intensiv und zielgerichtet sein.

    Klar ist es einfach, jemanden zu x Bewerbungstraining zu schicken. Aber wenn dieser Kunde noch Laptop und Drucker braucht, hört es beim JC auf.

    Es muss sich viel ändern. Intensive Betreuung durch die AV. Gezielte Akquise unter Berücksichtigung der Probleme des Kunden.

  14. 46.

    250 bis 350 pro MA in der Leistungsbearbeitung ohne SB ist ein Grund für die systematisch schlechte Leitung der JC MA. Die andere die schlechte Ausbildung, befristete Verträge und der immense Druck von "oben" Kunden so schnell wie möglich loszuwerden, sei es in drittklassige Umschulungen, die diesen Namen nicht verdienen oder in prekäre Arbeitsverhältnisse.

  15. 45.

    Und das berechtigt die Mitarbeiter der JC, so massiv Fehler zu machen und Gesetze nicht oder nicht richtig anzuwenden?

    Die ständig steigenden Kosten für Prozesskostenhilfe ist also okay?

    Und die Leistungsbezieher sollen also Rechtsbrüche akzeptieren?

    Es gibt genug Infomöglichkeiten über aktuelle Rechtsprechung.

    Da die Politik dieses grundlegende Problem nicht angeht, wird es alles so bleiben wie es ist. Wir Sozialrichter ersticken in Arbeit. Die Kläger beauftragen Anwälte und so weiter

  16. 43.

    Die Rate an Bedarfsgemeinschaften, die bekanntlich nicht nur aus einer Person bestehen, liegt bei ca. 250 bis 350 pro MA in der Leistungsbearbeitung ohne SB! Ideal wäre um die 140, damit auch komplexe Fälle qualitativ bearbeitet werden können. Man spürt, mit welcher Unwissenheit Sie Ihrer Antipathie freien Lauf lassen, ob jeden Wissens. Welches Verhältnis, Akte pro MA haben Sie? Welchen Zeitrahmen haben Sie? Welches Salair schleppen Sie monatlich nach Hause im Vergleich zu hart arbeitenden MA in den JC, die Sie so vortrefflich verurteilen, als wären diese zu faul, sich weiterzubilden? Ichbin ehrlich: Leute wie Sie mag ich nicht. Wer mit Arroganz versucht, sich über andere zu stellen, kann kein guter Charakter sein.

  17. 41.

    Es muss von jedem MA im JC verlangt werden können, dass die gesetzlichen Regelungen Urteile ect bekannt sind und rechtssicher angewandt werden.

    Dazu kommt, dass die Behördenvertreter bei Gericht fast immer die Weisung haben, auf einem Urteil zu bestehen.

    Außerdem sind die Vertreter der Behörden fast nie Volljuristen.

    Anstatt wirtschaftlich zu handeln, gehen die Behörden oft durch die Instanzen und erzeugen so vielfach höhere Kosten.

  18. 40.

    Dazu kommt noch, dass die Handbücher und Weisungen der BA an die JC sehr oft falsch sind.

    Wenn ein Mitarbeiter beim JC die Gesetze anwendet, muss er auch umfassende Kenntnisse haben und ständig auf dem neusten Stand sein. Zur Not durch Selbststudium.

    Erst heute musste ich eine Mitarbeiterin fragen, warum sie wissentlich und willentlich falsche Entscheidungen trifft und dadurch hohe Kosten verursacht und ob sie überhaupt weiß, was sie tut.

    Der Anwalt des Klägers, ein guter Freund, grinste nur

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