Polizeifahrzeuge vor der Asylbewerberunterkunft in der Cottbuser Hegelstraße Quelle: rbb UM6
Bild: dpa/Helbig

Offener Brief aus Cottbus - Polizei und Stadt weisen Vorwürfe von Tschetschenen zurück

Polizei und die Stadt Cottbus wehren sich gegen die schweren Vorwürfe, die 25 tschetschenische Familien in einem Offenen Brief an die Politik geäußert hatten. Alles sei rechtmäßig verlaufen und Gesprächsangebote habe es auch gegeben, hieß es.

Nach den schweren Vorwürfen von Tschetschenen gegen Polizisten in Cottbus hat sich Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke hinter sein Team gestellt.  

Mörke sagte dem rbb, er sehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Fehlverhalten bei dem Polizeieinsatz nach einer Prügelei zwischen tschetschenischen und afghanischen Flüchtlingen in Cottbus. Es habe Ausschreitungen und Massenschlägereien gegeben. Die Polizei sei rechtmäßig eingeschritten und habe die Personen in Gewahrsam genommen. Die Vorwürfe aus einem Offenen Brief vom Montag würden geprüft. Mörke betonte aber, dass er sich "zunächst natürlich vor seine Kollegen" stelle. "Sollten wir feststellen, dass solche Dinge zutreffen, dann werden wir dementsprechend reagieren."

Stadtsprecher: Es gab Gesprächsangebote

In Cottbus lebende Tschetschenen hatten sich am Montag mit einem Offenen Brief an die Politik gewandt und teils schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. In dem Schreiben wird der Polizei vorgeworfen, sie habe nach Auseinandersetzungen zwischen Tschetschenen und Afghanen Mitte Juni unverhältnismäßig gehandelt, habe Menschen ohne Grund in Gewahrsam genommen, schikaniert und erniedrigt.

In dem Offenen Brief werfen die Unterzeichner zudem der Stadt Cottbus vor, dass sie nicht das Gespräch mit den Tschetschenen gesucht habe. Außerdem kritisieren sie, dass die Unterbringung in Heimen zu den Konflikten beigetragen hätte. Beiden Vorwürfen widerspricht der Sprecher der Stadt Cottbus, Jan Gloßmann. "Es gab Gesprächsangebote an alle Beteiligten, die sind von einer Seite nicht angenommen worden." Es sei seiner Meinung nach auch unbegründet, die Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft anzuführen, und sie "sinngemäß oder unterschwellig als Feigenblatt dafür zu benutzen, dass eine gewalttätige Auseinandersetzung stattfindet."

Asylbewerber gingen aufeinander los

Auf einem Fußballplatz in der Nähe eines Asylbewerberheimes im Cottbuser Stadtteil Sachsendorf war es Mitte Juni zu Auseinandersetzungen gekommen. Wie Torsten Wendt von der Polizeidirektion Süd dem rbb mitteilte, gingen Bewohner der Unterkunft aufeinander los. Es soll sich um zwei Gruppen junger Männer aus Tschetschenien und Afghanistan gehandelt haben. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Am folgenden Tag durchsuchten dann dutzende Beamte die Flüchtlingsunterkunft in Sachsendorf nach Waffen und anderen gefährlichen Gegenständen. Dabei seien Golfschläger, massive Holzlatten, Fahrradschlösser sowie weitere gefährliche Gegenstände sichergestellt worden, wie die Polizei mitteilte. Diese Gegenstände seien zum Teil am Vortag als Schlagwerkzeuge genutzt und in Verstecken deponiert worden.

Die Stadtverwaltung hatte danach angekündigt, als Konsequenz auf die Auseinandersetzungen eine räumliche Trennung der Asylbewerber aus Tschetschenien und Afghanistan zu prüfen. In Cottbus gibt es neben der Unterkunft im Stadtteil Sachsendorf noch eine weitere im Stadtteil Schmellwitz. Diese bietet Platz für gut 100 Flüchtlinge.

Sendung: Inforadio, 03.07.2018, 14.40 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Ach kommen Sie. Hier ein anderes Beispiel für „Alte Stasiselschaften“. In meiner Zeit b.d.DPAG war einer meiner Briefzentrum 10 Leiter ein ehem. Stasimann und behielt seinen Posten bis zu seiner Pensionierung. Mit ihm kamen so manch zwielichtige Personen in wichtigen Positionen hinzu. Jetzt heißt das BZ 10 i.d.Eresburgstr.“ Stasiamt“ unter den alteingesessenen Mitarbeiterinnen. Und da wollen Sie nicht glauben,das es auch unter den Führungskräften bei der Polizei in Brandenburg nicht ähnliche solche „Fälle“ gibt?

  2. 2.

    Können Sie eigentlich was anderes, als Andere zu diffamieren? Wie billig!
    Wenn er Dreck am Stecken hätte, wäre er nicht Polizeipräsident geworden.

  3. 1.

    "Nach den schweren Vorwürfen von Tschetschenen gegen Polizisten in Cottbus hat sich Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke hinter sein Team gestellt."

    So, so... Korpsgeist dürfte dem Hr. Mörke nicht unbekannt sein.

    "...war bis zur Wende Leiter des Volkspolizei-Kreisamtes Nauen; der jüngste DDR-weit. Damit war Mörke nicht nur für Kriminal-, Schutz- und Verkehrspolizei verantwortlich – sondern auch für die berüchtigte Abteilung K1, also die politische Polizei, einer Art Staatssicherheit der Volkspolizei, die mit geheimdienstlichen Mitteln arbeitete. Oder wie es der frühere Potsdamer Polizeipräsident der Nachwendezeit, Detlef Graf von Schwerin, sagte: Die K1 war eng mit der Stasi verbunden und eines der wichtigsten Repressionsinstrumente der DDR.

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/umstrittene-personalie-hans-juergen-moerke-wird-neuer-polizeipraesident-in-brandenburg/11986440.html

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