Offener Brief Kulturministerium Umzug nach Cottbus (Foto: rbb/Schneider)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.05.2019 | Holger Kessler | Bild: rbb

Offener Brief an Ministerpräsident Woidke - Kulturschaffende kritisieren Ministeriumsumzug nach Cottbus

Der geplante Umzug des Wissenschafts- und Kulturministeriums von Potsdam nach Cottbus stößt auf neue Kritik. Mehrere Kulturschaffende aus dem Land Brandenburg fordern in einem offenen Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke und Kulturministerin Martina Münch, die Entscheidung zurückzunehmen. Auch die Oppositionsfraktionen CDU und Grüne wollen erreichen, dass die Umzugspläne gestoppt werden.

Zusammenarbeit würde unter dem Umzug leiden

Zu den Unterzeichnern des offenen Briefs der Kulturschaffenden gehören unter anderem die Intendanten und Intendantinnen der Theater in Potsdam, Schwedt und Senftenberg sowie des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt/Oder und die Geschäftsführer und Geschäftsführerinnen des Brandenburger Theaters, des Waschhaus Potsdam und des Nikolaisaals Potsdam. Cottbuser Vertreter vom Staatstheater und dem Kunstmuseum haben nicht unterschrieben.

Die Unterzeichner befürchten, dass die Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Wissenschaftsministerium unter einem Umzug leiden würde. Die zentrale Lage Potsdams, wo sich das Ministerium zurzeit befindet, biete einen Vorteil für alle Landkreise, "da alle Wege ins Zentrum führen." Zudem sei die Kommunikation bei ressortübergreifenden Fragen nach einem Umzug nur noch erschwert möglich, heißt es in dem Brief. Dabei seien unter anderem "die Bildung, die Wirtschaft, aber auch die Staatskanzlei hervorzuheben, mit denen es vielfältige Aufgaben gibt, die gemeinsam gelöst werden müssen."

Lausitz brauche zukunftsweisende Impulse

Die 16 Unterzeichner der 12 Kultureinrichtungen schreiben aber auch, dass sie den großen Umbruch für die Lausitz im Zuge des Strukturwandels erkennen, der in eine "positive Entwicklung geführt werden muss." Allerdings ist aus ihrer Sicht die Umsiedlung eines einzelnen Ministeriums nicht zielführend.

Die Kulturschaffenden betonen, dass es für die Lausitz nachaltige und zukunftsweisende Impulse brauche, die neue Perspektiven eröffnen.

Den kompletten offenen Brief können Sie hier [externer Link] im PDF-Format herunterladen.

Auch Opposition für Stopp der Pläne

Neben den Kulturschaffenden fordern auch die Oppositionsfraktionen CDU und Grüne im Brandenburger Landtag von der rot-roten Regierung, die Pläne für einen Umzug des Wissenschaftsministeriums von Potsdam nach Cottbus zu stoppen. Sie wollen in der nächsten Woche im Landtag einen entsprechenden Antrag zur Abstimmung stellen.

CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben sagte am Dienstag in Potsdam, die Kabinettsentscheidung vom 16. April müsse aufgehoben werden. Die CDU sei nicht generell gegen Standorte außerhalb von Potsdam. Sie kritisiere aber die aktuellen Pläne, auch weil Betroffene nicht frühzeitig eingebunden wurden. Senftleben schlägt seit Längerem ein Lausitz-Ministerium vor, in dem Aufgaben gebündelt werden sollen.

Aufwertung von Cottbus

Die rot-rote Landesregierung hat den Ministeriumsumzug vor wenigen Wochen angekündigt. Er soll bis zum Jahr 2023 vollzogen sein, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Dadurch werde Cottbus als Behörden- und Wissenschaftsstandort aufgewertet, einige Aufgaben könnten ortsnäher umgesetzt werden und die Lausitz werde in den "großen Herausforderungen des Strukturwandels" gestärkt.

Allerdings geht es auch darum, in Potsdam in dem Gebäude in der Heinrich-Mann-Allee 103 Flächen frei zu räumen für das Präsidium der Bundespolizei, das mit bis zu 800 neuen Arbeitsplätzen in der Landeshauptstadt massiv ausgebaut werden soll.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

3 Kommentare

  1. 3.

    Wir brauchen hier in der Lausitz Industriearbeitsplätze für die Menschen die bisher HIER in der Industrie arbeiten. Ingenieure, Schweißer, Mechaniker, It-Fachleute, Bergleute. Sonst müssen diese Menschen in den nächsten Jahren umziehen - vermutlich nach Westdeutschland. Wir brauchen hier keine Behörden. Noch mehr Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst, die meist wenig innovativ und unflexibel sind. Wir brauchen die Zulieferer, die jungen Unternehmer, Startups, die die Region mit Ideen bereichern, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, den Zusammenhalt der Menschen stärken. Aus deren Kindern wieder Menschen mit Ideen werden und keine Sesselpuper. Lasst den Behördenmief in Potsdam, das war schon immer die Hauptstadt der Bürokraten in der Mark.

  2. 2.

    Ich bin eine Betroffene des Umzugs des damaligen Landesgesundheitsamtes von Potsdam nach Wünsdorf im Jahr 1998. Verantwortlich für diesen Umzug waren damals Frau Hildebrandt und Herr Stolpe. Für mich als Mitarbeiterin war diese Verlegung an Brutalität kaum zu übertreffen, denn ich war eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern und musste zusehen, wie ich mit der Situation fertig wurde. U. a. war ich täglich etwa 12 h unterwegs. Soziale Kontakte und Beziehungen sind bei manchen Kollegen durch die entstandenen Belastungen (wenig Freizeit, latente Übermüdung) weggebrochen.
    Ich hätte erwartet, dass die SPD aus diesem Umzugsfehler gelernt hätte und nicht nach etwa 20 Jahren wieder solche Faxen macht.

  3. 1.

    Das Wissenschaftsministerium nach Cottbus zu holen ist kompletter Unfug. Es hätte Sinn gemacht wenn die Bundespolizei oder die Ausbildung der Berufsschullehrer hier angesiedelt worden wäre. Aber soweit soweit denken ja unsere Potsdamer Politiker nicht. Das ist alles nur Wahlgetöse und heiße Luft.

Das könnte Sie auch interessieren

Bild in groß
Bildunterschrift