Ausrufen der Gas-Alarmstufe - "Dann reißen wir die ganze Solarindustrie mit"

Do 23.06.22 | 17:16 Uhr
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Produktion bei der GMB in Tschernitz (Bild: rbb)
Audio: rbb Hörfunk | 23.06.2022 | Bild: rbb

Die GMB in Tschernitz stellt Solarglas her - als letzter Hersteller in Europa. Nach dem Ausrufen der Gas-Alarmstufe bereitet man hier einen Produktionsstopp vor. Das Unternehmen befürchtet eine Katastrophe - für die gesamte Branche.

Als am Donnerstagvormittag die Gas-Alarmstufe durch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Grüne) ausgerufen wird, greift Nico Succolowsky direkt zum Telefon. Er ist der Geschäftsführer der Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) in Tschernitz (Spree-Neiße).

Sein Anruf geht an die Bundesnetzagentur, dort beruhigt man ihn zunächst. Der Gashahn werde nicht zugedreht, sagt man ihm. Aber die Kosten werden steigen, weil die abgeschlossenen Verträge nun durch die Anbieter gekündigt werden können. Allein das ist aber für ein Unternehmen wie GMB verheerend. Der Hersteller von Solarglas verbraucht 420.000 Kilowattstunden Gas täglich.

"Das Hauptthema, das wir bekommen, wird natürlich die Preisentwicklung sein, die jetzt am Markt höchstwahrscheinlich explodiert und unsere Herstellungskosten dementsprechend belastet", befürchtet der Geschäftsführer.

300 Arbeitsplätze bei Gasstopp gefährdet

Seit Februar sind die Kosten für Strom und Gas bereits um 120 Prozent gestiegen. Auf die Kunden umlegen lässt sich das in dieser Höhe nicht - die würden solche Preise nicht bezahlen. Er will keine Panik machen, erklärt Succolowksy, aber, von der Bundesnetzagentur habe er erfahren, dass er sich darauf vorbereiten solle, die Schmelzwanne im Ernstfall innerhalb von 30 Tagen herunterzufahren.

Das wäre eine Katastrophe, sagt Produktionsleiter Karsten Zeisig. Ist die Wanne kalt, dauert es 18 Monate, sie wieder anzufahren. "Wenn wir hier ablassen, fallen auch 300 Arbeitsplätze", sagt Zeisig.

Einziger europäischer Hersteller

Weil Tschernitz allerdings auch nur ein Zulieferer ist, hängen weitere Produktionen an solchen Entscheidungen. GMB stellt Solarglas her, unter anderem für Photovoltaikanlagen in ganz Europa. Ein Produktionsstopp würde auch die Modulhersteller schwer treffen, so Zeisig. "Wir reißen die ganze Solarindustrie mit. Es gibt keinen Lieferanten mehr von Solarglas", sagt er. "Mittlerweile sind wir der einzige Solarglasproduzent in ganz Europa."

Damit sieht sich die GMB aber auch als Träger der Energiewende. Eine Abschaltung hätte solch weitreichende Folgen, dass Geschäftsführer Nico Succolowksy auf eine Ausnahmeregelung hofft und sein Werk, sollte es dazu kommen, zu den letzten gehört, die abgeschaltet werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.06.2022, 16:40 Uhr

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40 Kommentare

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  1. 40.

    Deswegen wird die Gaslieferung auch erst im Juli über Nordstream 1 komplett eingestellt und solange um die 50 % weiterbetrieben.
    Putins Ziel ist neben den Gebietsansprüchen im Grunde sehr einach. Er will den Westen demütigen und mit seinen eigenen Waffen schlagen. Er hält den Westen für komplett dekadent und mindestens für genauso verlogen, wie er selbst auch ist. Deswegen dreht Putin nicht einfach so den Gashahn für Deutschland zu. Sondern er bewegt sich dabei entlang der gerade noch vertragsgemäßen Gestaltung, lässt uns zappeln und will uns dabei maximale Schmerzen zu fügen. Ganz einfach weil er es kann. So tickt sein perverses, sadistisches Gehirn, ganz einfach, daran ist auch nichts weiter kompliziert.
    Dieser ganze Misst der Autokraten fällt ja nicht vom Himmel. Putin ist nur der erste im Pool, der den Reigen eröffnet hat.

  2. 39.

    Wer da wen im Schwarzen Meer blockiert, da erzählt jede Seite was anderes. Da aber die russische Marine vor den Häfen wartet, wird das schon wesentlich der Grund sein. Mir ging es darum, daß dort gerade Bewegung rein kommt in eine positive Richtung, und das bei Störungen durch DK im Belt (wie Sie vorschlagen) sicher gleich wieder auf Eis liegen würde - oder wollen Sie vorschlagen, dann die Häfen freizukämpfen gegen Rußland?

  3. 38.

    "Und wieviele Turbinen sind denn gleichzeitig in Betrieb. "
    Die Verdichterstation besteht aus 2x 3+1 Turbinen. (Je 3x 52 und 1x 27 MW)
    Zwischen Verdichterstation und Anlandestation liegen 4 Leitungen, die dort auf die 2 Röhren der Pipeline laufen.

    Selbst wenn ein Turbinenkomplex komplett ausfiele, ist die zweite Röhre noch aktiv.
    Das wären dann 50%.


  4. 37.

    Haben Sie schon mal was darüber gehört, dass die Ukraine kein Getreide mehr exportieren kann? Wer blockiert denn die ukrainischen Häfen? Das muss also gar nicht mehr kommen.

  5. 35.

    Ich meine nicht russische Frachter sonder Frachter mit russischem Öl. Und eben die griechischen Ölfrachter die weiter russisches Öl rumschippern....

    Im Vergleich mit dem schwarzen Meer merken Sie selbst. Nicht umsonst hat die RT Chefredakteurin zugegeben, dass Russland hofft eine Hungersnot auszulösen. Und da wird hier in DE darüber philophiert man dürfe das russische Volk nicht treffen....Wir haben noch Druckmittel und die sollte man mit Bedacht nutzen.

  6. 34.

    "Es handelt sich um eine reguläre Wartung"
    Nein.
    Die ist erst im Juli dran. Dann wird die Lieferung regelmäßig ausgesetzt.
    Schauen Sie: https://agsi.gie.eu/historical/DE
    Dort auf "all" und dann können Sie für 20/21 im Juli sehen, das aus den Speichern entnommen, bzw. nicht mehr aufgefüllt.
    Vorher gab es Jarmal noch, darum ist vorher keine signifikante Entnahme während der Wartungsarbeiten.

    Nu gilt als wahrscheinlich, das NS1 nicht mehr angefahren wird.
    Jarmal dicht, NS1 aus.
    Transgas ist auch dicht.
    Also Schluß.

    Mein Holz reicht auch bei -20 Grad für 8 Wochen mindestens 3 Jahre....
    Dank Wasserführung und thermische Solarunterstützung ist der Gashahn hier seit März schon zu.

  7. 33.

    "Ist die Wanne kalt, dauert es 18 Monate, sie wieder anzufahren."
    Sehr oft habe ich den Eindruck Politiker haben keinen Plan von Wirtschaft. Die denken wohl man kann alles mal eben an- und ausschalten. Unternehmen brauchen aber Planungssicherheit.
    Schon bei Corona wurde ja durch diverse Maßnahmen viel Vertrauen zerstört und viele Unternehmen zur Aufgabe gezwungen.

  8. 32.

    ""dass Sanktionen praktisch noch nie zum Ziel geführt haben" Wirklich noch nie? Auch nicht der Westberliner S-Bahn-Boykott ab 1961? Und auch nicht der Boykott von Südfrüchten zu Zeiten der Apartheid? (Macht schon 2 Gegenbeweise.)"

    Was soll das sein? Das ist KEIN Beweis für die Wirksamkeit eines Embargos, sondern eine Aufzählung. Weder hat der Boykott der S-Bahn noch der Boykott der Südfrüchte irgendetwas bewirkt, sondern waren lediglich symbolische politische Antworten. Oder sind sie ernsthaft der Meinung, dass die Mauer wegen dem S-Bahn-Boykott gefallen ist und die Appartheid in Südafrika (Stichwort: Nelson Mandela) wegen dem Südfrüchte-Boykott abgeschafft wurde??

  9. 31.

    Sie irren, Herr Habeck vielleicht nicht direkt, aber die Grünen ueber die Landesparlamente und den Bundesrat schon. Wer hat denn trotz Regierungsbeteiligung in Schleswig-Holstein den Bau von LNG Terminals verhindert, wer war und ist gegen die Vertiefung der Seehäfen um sie für größere Tanker Schiffbau zu machen usw.

  10. 30.

    Vor sechs Wochen war "jaaaa, hurraaaaa, frieren für die Ukraine, ICH BIN DABEI" groß in Mode und jeder der nicht bei drei sein Einverständnis erklärte war ein Putintroll.
    Jetzt kommt die Ernüchterung. Die Industrie hatte von Anfang an Bedenken. Söder meldet sich gestern: "Frieren ist keine Stärke sondern ein Zeichen der Kapitulation". Heute meldet sich die Solarindustrie, die unseren Energieumstieg absichern soll und erklärt ebenfalls, dass wir die Ziele so nicht erreichen können.
    Wo ist die Euphorie und Begeisterung geblieben? Erinnert mich irgendwie an Geschichten meines Opas. Der hatte als Pimpf auch eine Panzerfaust bekommen und sollte damit Deutschland retten. Ein russischer Offiziere hat sie ihm weggenommen und ihm den Arsch versohlt, auf offener Straße im Dorf. Dann hat ihn seine Mutter nach Hause gebracht und vorher dem Offizier gedankt. Vermutlich dachte sie er wird erschossen.
    Bei ihm kam dann auch die Erkenntnis, spät aber nicht zu spät.
    19:25/20:48/21:56:/07:14

  11. 29.

    "dass Sanktionen praktisch noch nie zum Ziel geführt haben" Wirklich noch nie? Auch nicht der Westberliner S-Bahn-Boykott ab 1961? Und auch nicht der Boykott von Südfrüchten zu Zeiten der Apartheid? (Macht schon 2 Gegenbeweise.)

  12. 27.

    "Dänemark lässt auch noch öl Frachter durch." Welche meinen Sie damit? Und was erwarten Sie? Wenn Sie damit russische Frachter meinen und erwarten, daß Dänemark diese nicht mehr passieren läßt, dann dürfen Sie auch nicht erwarten, daß Rußland irgendein Schiff von der Ukraine im Schwarzen Meer passieren läßt.

  13. 26.

    „Die Turbine wird überhaupt nicht gebraucht.
    Bevor die ausgebaut wurde, hat Gazprom eine neue erhalten.“
    Wann wurde die denn gewechselt?? Und wieviele Turbinen sind denn gleichzeitig in Betrieb. Ich denke schon, dass da im Rahmen der Wartung tatsächlich eine Turbine getauscht werden muss. Wäre es nicht so bräuchte man mit Kanada auch nicht verhandeln.

  14. 25.

    Ähm… von welcher Regierung wurden in den letzten Jahren die Weichen gestellt??? - Da hatte Habeck glaube ich nix mit zu tun!!

  15. 24.

    Genau und chemische Industrie und die Stahlindustrie Thyssen-Krupp machen wir bei der Gelegenheit auch gleich dicht.

  16. 23.

    Sie sind ja genauso ein Theoretiker der ernsthaft glaubt, bei uns wachsen über Nacht die jahrzehntelange Versäumnisse zur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen in den Himmel und Russland ist auch nicht umsonst eines der rohstoffreichsten Länder dieser Erde, dessen Ressourcen man einfach weltweit umschiffen kann??
    Na dann träumen die hübsch weiter.

  17. 22.

    „Die Turbine - die in Kanada einer Revision unterzogen wurde - steht seit Wochen dort fertig zum Abtransport.“
    Die Turbine wird wegen dem Wirtschaftsembargo vorerst von Kanada nicht ausgeliefert.

    Wir liefern Putin selbst die Gründe juristisch sauber den Hahn zuzudrehen und verkennen zudem die tatsächliche Wirkung des Embargos.

  18. 21.

    Nun, da hoffe ich mal, dass der Geschäftsführer von GBM da bessere Karten hat, als irgend so ein Bierflaschenproduzent. Von denen werden wir ja nicht nur einen Betrieb haben.
    Und mit der jährlich wechselnden Farbenmode Weihnachtsbaum in graublau oder feuerrot muss es dann mal "drei bis fünf Jahre" vorbei sein. Scheint mir sehr wohl verzichtbar! Fällt mir gerade so ein.

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