Diskussionsrunde Lausitzer Rundschau mit Fans von Energie Cottbus (Quelle: rbb/Friebel)
Audio: Inforadio | 26.07.2019 | Andreas Friebel | Bild: rbb/Friebel

Cottbus-Fans diskutieren mit Medien - "Die Rechten bekommen zu viel Plattform"

Auf der Mitgliederversammlung des Fußball-Regionalligisten Energie Cottbus im Juni wurden rbb-Reporter ausgeschlossen. Kollegen der "Lausitzer Rundschau" solidarisierten sich. Am Donnerstagabend sind Fans und Journalisten zusammengekommen. Von Andreas Friebel

Trotz 35 Grad im Schatten ist die Stimmung ziemlich frostig. Die knapp 200 Energie-Anhänger, die zur Diskussionsrunde auf Einladung der "Lausitzer Rundschau" in Cottbus gekommen sind, sind mächtig sauer. Im Kern geht es um die Berichterstattung über ihren Verein und dabei zum Beispiel um die Aufdeckung von rechten Strukturen in der Fanszene. Ein älterer Herr aus Cottbus sagt: "Die Rechten bekommen zu viel Plattform. Die dürften gar nicht erwähnt werden." Eine Frau ergänzt: "Es gibt so viele positive Sachen. Da kann man nicht ein paar Verrückte immer vorneweg stellen."

Wobei weniger der Fakt selbst, sondern das – aus Sicht der Fans - stellenweise Reduzieren des Klubs als grundsätzlich rechten Verein Kritik auslöst. Auch Energie-Präsident Werner Fahle teilt die Auffassung der Fans. Die deutliche Kritik an den Medien kann er nachvollziehen: "Nur wenn man Dinge kritisch anspricht, hat man die Chance, dass darüber diskutiert wird. Und dann hat man auch die Chance, dass sich etwas verändert."

"Die Wut kochte am Anfang auch hoch"

Dass Mitte Juni viele Energie-Mitglieder die rbb-Reporter ausgeschlossen haben, um ihnen eine Art Denkzettel zu verpassen, zeigt sich bei vielen Fragen und Diskussionen an diesem Abend. "Es liegt viel im Argen. Deshalb kochte die Wut am Anfang auch hoch", sagt der Journalist Christoph Ruf, der den Abend moderiert. "Man hat bei vielen Fans aber auch gemerkt, dass sie an ihrem Sender hängen."

Dirk Walsdorff, rbb-Abteilungsleiter Sport, bekommt viele Dinge zu hören. Da gibt es Kritik an einer abgebrochenen Fernsehübertragung. Es gibt Kritik an zu geringer Berichterstattung - erstaunlicherweise aber auch Kritik daran, dass zu viele Energie-Heimspiele live im rbb-Fernsehen gezeigt worden seien. Das koste schließlich dem Verein Zuschauer im Stadion und damit Geld, so die Auffassung einiger Anhänger. Walsdorff resümiert: "Wir haben auch viel abbekommen, was bei genauer Betrachtung nicht ganz korrekt ist. Aber es ist die Wahrnehmung - und mit der wurden wir eindrucksvoll konfrontiert."

Dass die Veranstaltung nach 90 Minuten dann sogar mit höflichem Applaus zu Ende geht, überrascht nach der anfänglich sehr aggressiven Stimmung. Es ist aber auch ein Zeichen dafür, dass zumindest ein paar Spannungen zwischen Journalisten und Fans abgebaut werden konnten.

Sendung: Inforadio, 26.07.2019, 10:15 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Es hat keinen Sinn mehr, um den heißen Brei herumzureden.
    Die Merkelsche Migrationspolitik wird von der Bevölkerung in erheblicher Größenordnung abgelehnt. Die Folge ist das Erstarken Rechter Kreise, die daraus ihren Honig saugen können.
    Steinmeier war ja auch schon zweimal in Cottbus und hat vor geladenem Publikum "Bürgerdialoge" geführt. Ehemalige DDR Bevölkerung kennt das schon. Damals hieß das "Volksaussprache".

  2. 7.

    Die würden gar nicht erwähnt werden, wenn die endlich Stadionverbote bekommen würden. Macht der Verein aber nicht.

  3. 6.

    "Die dürften gar nicht erwähnt werden." Verschweigen löst keine Probleme, dann kocht das irgendwann hoch und keiner will es gesehen haben. Ganz im Gegenteil, es muss immer wieder klar angesprochen werden sonst fehlt der Druck und es ändert sich nichts. Es geht auch nicht nur "um ein paar Verrückte", es geht um Strukturen, die sich in der Stadt, der Region und im Umfeld des Vereins festgesetzt haben und die hinlänglich bekannt sind.
    Wer sich halbwegs mit dem Rechtsextremismus beschäftigt hat, der erkennt die einschlägigen Marken, die Codes, die Tätowierungen.
    Aber dieses Kleinreden und Beschönigen hat ja Methode. Auch der Bürgermeister sieht das Problem darin, dass "in den Medien" über den braunen Sumpf berichtet wird, was dem Ansehen der Stadt schadet - und nicht etwa beim Sumpf selbst.

  4. 4.

    "Nur wenn man Dinge kritisch anspricht, hat man die Chance, dass darüber diskutiert wird. Und dann hat man auch die Chance, dass sich etwas verändert."
    Diesen Satz kann man mindestens genauso gut auf die Berichterstattung über die rechtsradikalen Strukturen im Umfeld des FC Energie anwenden, was ja der Anlass des Ausschlusses des rbb von der JHV war.

    Ich finde die Einstellung einiger Fans zu glauben, dass wenn über einen negativen Umstand nicht berichtet wird, dieser Umstand dann weggeht oder nicht wahrgenommen wird, sehr naiv.
    Und wie soll´s jetzt nach Wunsch der Fans weitergehen? Nur noch über Fußball berichten, keinerlei Randerscheinungen erwähnen? Oder nur noch die Guten? Das jedenfalls geht nicht!

    Ich hatte als recht neutraler Beobacher stets den Eindruck, dass überproportional viel und darunter auch sehr viel Gutes über Energie berichtet wurde. Ich wünsche mir, dass nun mal ein anderer Verein aus Brandenburg in den Genuss dieses Privilegs kommt, egal welcher.

  5. 3.

    Schön, dass da einer zu Wort kam mit dem Spruch "Die Rechten bekommen zu viel Plattform". Falls mit den "Rechten" die AfD gemeint sein soll, kann man das eigentlich nicht sagen, wenn man so die Zusammensetzung der Polittalkrunden der Öffentlich Rechtlichen Sender sich ansieht.

  6. 2.

    Gibt es eigentlich einen anderen Fußballverein im Land, der ähnlich dreist und arrogant die Presse angeht? Was läuft da schief in Cottbus?

  7. 1.

    Das der RBB ausgeschlossen wird ist nicht OK. Man sollte auch nur berichten und keine Stellung beziehen - als Sender. Die Bürger haben das Recht, seine Meinung zu sagen. Demokratie heißt Volksherschaft. Haben die anderen Parteien keine guten Argumente - dann wird verteufelt. Sie sind gewählt worden. Ach so, ich bin kein AfD-Wähler. Man muss sich damit auseinandersetzen, aber das ist Arbeit.

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