Der neue Geschäftsführer des Tropical Islands, Wouter Dekkers (Quelle: rbb/Iris Wußmann)
Bild: rbb/Iris Wußmann

Interview | Neuer Tropical-Islands-Chef - "9.000 Betten sind schon eine Hausnummer"

Wouter Dekkers ist seit vier Monaten der neue Chef von Ostdeutschlands größtem Freizeitpark. Der Niederländer hat Pläne mit Tropical Islands: Das Tropenparadies braucht mehr Betten und soll wachsen. Aber bloß nicht zu schnell.

rbb|24: Herr Dekkers, gerade war das niederländische Königspaar zu Besuch in Brandenburg, Tropical Islands stand nicht auf ihrem Programm. Aber gehören Ihre Landsleute überhaupt zur potentiellen Zielgruppe für den Tropenpark?

Wouter Dekkers: Das ist tatsächlich ein Ziel, Tropical bei den holländischen Gästen bekannter zu machen, mehr Besucher aus Europa zu bekommen. Als klar war, dass ich zu Tropical Islands wechsle [Wouter Dekkers hat bisher den Freizeitpark Slagharen in den Niederlanden geleitet - Anm. der Red.] haben viele aus meiner Umgebung gefragt, wo das ist.  

Den Spreewald besuchen die Niederländer bereits. Nutzen sie Tropical Islands auch als Basis, um Berlin zu erkunden? 

Als in den Niederlanden vor kurzem Osterferien waren, habe ich mich schon gewundert, dass ich hier viele Autos mit holländischen Nummernschildern gesehen habe. Ich glaube, es ist noch in unseren Köpfen in Holland, dass Tropical Islands für nur zwei Tage zu weit weg ist. Wir müssen Pakete schnüren, die einen Besuch hier mit Ausflügen nach Berlin und in den schönen Spreewald verknüpfen, so dass ein Programm für mehrere Tage herauskommt.

Wollen Sie dafür mit der Region weiter zusammenarbeiten, zum Beispiel mit dem Tourismusverband Spreewald?

Man darf Tropical Islands nicht als einzelnes Objekt in der Region betrachten. Wenn wir unsere Übernachtungszahlen erhöhen wollen, dann brauchen wir eine längere Aufenthaltsdauer. Den Dom [die riesige freitragende Halle, Anmerk d. Red.] hat man nach zwei bis drei Tagen angesehen, das ist auch das Feedback unserer Gäste. Aber es gibt Angebote außerhalb des Doms in der Umgebung. Da ist noch ein Riesenpotential und wir können uns alle nur verstärken.

Sie wollen die Aufenthaltsdauer erhöhen, bedeutet das auch, dass Sie größere, komfortablere Unterkünfte anbieten wollen?

Es gibt immer mehr Anforderungen für die Unterkünfte, das ist ganz normal. Deshalb sind wir jetzt in der Vorplanung, nächstes Jahr über 100 neue Chalets dazu zu bauen. Das wird eine Fortsetzung der Nature-Homes, die wir 2017 gebaut haben.

Wenn die Gäste  länger bei uns auf dem Gelände sind, soll es größere Flächen in den Lodges geben, so dass man dort komfortabel ein paar Tage mit der Familie wohnen kann.

Der Landrat des Dahme-Spreewald-Kreises, Stefan Loge, war kürzlich bei Ihnen zum Gespräch.

Da ging es darum zu erläutern, wie es bei uns nach dem Kauf durch Parques Reunidos [weltweiter Betreiber von Themen- und Freizeitparks, Anm. der Red.] weitergeht. Wir haben ein Riesenpotential an Bauplänen, die schon alle genehmigt sind. Wir könnten auf 9.000 Betten wachsen. Realistischer ist aber, wenn wir in ein paar Stufen erstmal auf 4.000 Betten gehen. Ich bin schon glücklich, wenn wir das in den kommenden Jahren geschafft haben. 9.000 Betten sind in den kommenden 10-15 Jahren nicht realistisch. Das ist auch ein logistisches Problem: Die Leute wollen ja auch entertaint werden. 

Wir haben nicht nur unsere Übernachtungs-, sondern auch Tagesgäste und irgendwann sind wir auch physisch begrenzt innerhalb des Doms. 9.000 Betten sind schon eine Hausnummer.

Weil Sie von Entertainment sprechen: Im Mai sollte die neue Surfanlage eröffnet werden, wie sieht es damit aus?

Wir sind fast fertig. Das hat sich alles auch wegen der Verkaufsprozesse etwas verzögert. Es war nicht ganz klar, wohin die Reise geht. Im Moment läuft die TÜV-Überprüfung, ein paar kleine Arbeiten sind noch zu erledigen. Ich bin immer noch sehr optimistisch. Ende Mai, Anfang Juni wird es soweit sein.

Was wird sich im Außenbereich noch tun?

Wir haben einen Niedrigseilgarten, der auch gut für Teambuilding geeignet ist. Demnächst kann man auch mit kleinen Kettenfahrzeugen und Segways unterwegs sein. Das sind neben Volleyball und Tischtennis Angebote außerhalb des Doms.

Sie haben schon jetzt 1,2 Millionen Gäste im Jahr. Nun wird allgemein erwartet, dass die Entwicklung immer weiter geht, vor allem, wenn ein neuer Mann am Ruder ist. Aber gibt es auch eine Schmerzgrenze?

Absolut. Es sind ein paar Tage im Jahr, an denen wir echt fast am Limit sind. Da muss man alles tun mit der ganzen Mannschaft, damit die Qualität für die Gäste trotzdem stimmt. Vor allem außerhalb der Hauptsaison sollten wir einen Zuwachs haben. Da muss man schauen, wie man mit attraktiven Angeboten potentielle Gäste überzeugen kann. 

Um die Gäste zu betreuen, benötigen sie ausreichend Mitarbeiter. Ist das ein Problem?

Wir haben aktuell rund 600 Mitarbeiter. Hier gibt es im Gegensatz zu anderen Freizeitparks kein Saisongeschäft, sondern es geht das ganze Jahr durch. Im Sommer verstärken wir uns mit Trainees, Studenten und Mini-Jobbern.

Man merkt schon, dass man mehr Energie reinstecken muss, um motivierte Kollegen an uns zu binden. Vor allem in der Gastronomie gibt es Probleme, Stellen zu besetzen. Ich höre oft von Angeboten mit einer übertariflichen Bezahlung: Die Leute haben also die Auswahl.  

Beim bisherigen Eigentümer, dem Tanjong Konzern aus Malysia, gehörten Freizeitparks nicht gerade zum Kerngeschäft. Das ist bei Parques Reunidos völlig anders. Hat das auch zu Entlassungen geführt, weil es Doppelstrukturen gab?

Klar, natürlich haben wir auch ein paar Stellen streichen müssen, weil wir sie in unserem Head Office in Madrid haben. Vor allem in der Verwaltung haben wir verschlankt. Das sorgt nicht für Begeisterung bei den Betroffenen, ist aber normal bei einem  internationalen Konzern. Der große Vorteil ist, dass wir jetzt Teil eines Freizeitunternehmens sind und das Rad nicht immer neu erfinden müssen. Wir haben viel Erfahrung mit Parks in Deutschland, ob das nun Belantis in Leipzig oder der Movie Park in Bottrop ist. Da können wir uns austauschen, voneinander lernen.

Bei 226 Millionen Euro soll der Kaufpreis für Tropical Islands gelegen haben. Es war bei der Übernahme die Rede davon, dass der Konzern 300 Millionen Euro in Brand investieren wird. Können Sie diese Zahl bestätigen? 

Das kann ich nicht sagen. Es soll zwar Planungen für Investitionen über 250-300 Millionen geben. Ich habe aber keinen Scheck dafür. Es wird schon einiges kommen, mit den Chalets im Außenbereich, im Trink- und Abwasserbereich muss ausgebaut werden, um den neuen Dimensionen gerecht zu werden, auch der Dom selbst muss saniert werden. Das hat der ehemalige Eigentümer etwas hinausgeschoben, was ich nachvollziehen kann. Man baut auch keine neue Küche in ein Haus, wenn man es verkaufen will. Es liegen Angebote für die Sanierung der Hallenverkleidung vor, mit der stolzen Summe von 12-13 Millionen Euro für fünf Jahre. Das werden wir noch einmal überprüfen und nach günstigeren Alternativen und Materialien suchen. Das bedeutet, dass wir vielleicht erst 2020 damit anfangen können. 

Fördermittel sind dafür nicht beantragt, diese Instandsetzung werden wir aus eigener Kraft stemmen. Wenn es allerdings um eine Weiterentwicklung geht und es da einen Fördertopf gibt,  dann sagen wir nicht nein.

Nach rund vier Monaten macht Ihnen ihr Job offenbar immer noch Spaß?

Absolut, es ist eine große Ehre der Hauptbademeister zu sein. Das ist bei mir in der DNA. Und wenn es bei mir nicht anfängt, dann kann ich das kaum von meinen Kollegen erwarten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Sendung: Antenne Brandenburg , 22.05., 18.30 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Vielleicht sollten sich diese Menschen fragen, ob immer die Schuld bei anderen liegt.
    Im Leben ist nichts umsonst. Je mehr man verdient, desto mehr Abgaben. Diese haben die von Ihnen genannten bis auf MwSt keine. Also wo zu noch für diese die Preise senken?

  2. 1.

    Die für alle Lebenslagen angeblich geeignete "HartzIV-Wundertüte", dürfte Familien mit dem Bezug von Grundsicherungsleistungen vermutlich niemals einen derartigen Erlebnis- und Entspannungsurlaub finanzieren können. Sollten mehr Betten etwas daran ändern?

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